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Sie und andere Bürger protestieren gegen die Politik der EU und setzen sich für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen ein: (v. l.) Emilia Renner-Jellema, Tjeerd Jellema, Karl Moch und Markus Fenske.

»Hier ist Platz«

Aktion in Friedberg: Mehr Flüchtlinge sollen aufgenommen werden

  • vonHarald Schuchardt
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40 Stühle sind auf dem Friedberger Elvis-Presley-Platz aufgestellt worden. Sie stehen als Symbol, mit dem bei dieser Protestaktion die vermehrte Aufnahme von Flüchtlingem gefordert wird.

Friedberg – Gut 40 Stühle haben am Samstagvormittag auf dem Elvis-Presley-Platz und auf der östlichen Kaiserstraße in Richtung Burg gestanden. »Hier ist Platz - Aufnahme statt Abschiebung«, »Menschen retten statt ertrinken lassen« oder ganz einfach »Willkommen, bitte Platz nehmen« war auf den Plakaten zu lesen, die auf den Stühlen platziert waren. Dahinter standen Männer und Frauen, die sich für die sofortige Aufnahme von Geflüchteten einsetzen. Die außergewöhnliche Protestaktion war vom Internationalen Zentrum (IZ) um den Vorsitzenden Mehmet Turan und dessen Vorgänger Johannes Hartmann zusammen mit dem »Runden Tisch für Flüchtlinge« initiiert worden.

Grundlage für die 90-minütige Aktion war ein mit dem Ordnungsamt abgestimmtes Konzept, bei dem alle Corona-Regeln beachtet wurden. So waren die von Teilnehmern mitgebrachten Stühle im Abstand von zwei Metern aufgestellt worden. Alle Teilnehmer trugen Mund-Nasen-Schutz.

Kritik: Beschluss nicht umgesetzt

Was das Internationale Zentrum zu der Aktion bewog, erläuterte Hartmann: »Vor einem Jahr hat die Bundesregierung beschlossen, wenigstens 2600 Flüchtlinge aus den griechischen Lagern aufzunehmen, gerade einmal 1600 sind bis heute angekommen.« Zahlreiche deutsche Städte haben sich bereit erklärt, weitere Geflüchtete aufzunehmen, was von der Bundesregierung jedoch nicht gestattet wird. »Wir dürfen uns nicht abschotten«, sagte Hartmann. »Gerade nach dem starken Wintereinbruch in Griechenland kann man sich kaum vorstellen, wie die Menschen in den unzureichenden Flüchtlingslagern oder einfach nur in den Wäldern drumherum leben müssen und können.«

Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von der evangelischen Kirche, vertreten durch Wolfgang Dittrich, dem Referenten für gesellschaftliche Verantwortung im Dekanat Wetterau. Dittrich: »Mir persönlich liegt vor allem die unwürdige und unmenschliche Situation der Kinder in den Lagern am Herzen.«

Hinweise auf Verein Seebrücke

Was den Niddataler auch aufregt, ist das »klare Versagen der europäischen Staaten, die bewusst nicht handeln«. Ähnlich sieht das Cornelia Wenk. »Ich finde es erschreckend, wie empathielos wir Menschen im Mittelmeer ertrinken und in feuchten Lagern dahinvegetieren lassen. Deshalb bin ich hier«, betonte die Friedbergerin, die wie die anderen Teilnehmer das Gespräch mit Passanten suchte.

Unter den Teilnehmern waren einige Mitglieder der Friedberger Grünen. Auf mehreren Plakaten waren Hinweise auf den Verein Seebrücke zu sehen. Das IZ ist Mitglied in der internationalen Bewegung, die unter anderem sichere Fluchtwege und eine Entkriminalisierung der Seenotrettung fordert. Ferner kämpft Seebrücke für eine menschenwürdige Aufnahme aller, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind. »Dafür setzen wir uns vom Internationalen Zentrum schon lange ein«, sagte Hartmann, der sich mit dem Verlauf der Aktion sehr zufrieden zeigte.

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