Ismael Seck hat sichtlich Spaß beim Trommeln. FOTO: LOD
+
Ismael Seck hat sichtlich Spaß beim Trommeln. FOTO: LOD

Afrikanische Sonne

  • vonHarald Schuchardt
    schließen

Friedberg(har). Seit fast 30 Jahren lebt der Senegalese Ismael Seck in Frankfurt, wo er Trommeln unterrichtet. Seck ist nicht nur ein hervorragender Trommler, sondern auch Sänger und vor allem Showman und Entertainer.

Jetzt war der leidenschaftliche Musiker wieder einmal zu Gast in der Kreisstadt, wo er viele Fans hat. Coronabedingt gab Seck mit seinen Freunden gleich zwei Konzerte im Theater Altes Hallenbad, das dank der im Frühjahr in Betrieb genommenen Lüftung bestens durchlüftet ist. "Coronamäßig sind wir damit Safe", meinte Andrej Seuss, Sprecher des Kulturtaucherprogramms in seinem Grußwort vor dem Start der ersten Musikveranstaltung im Alten Hallenbad seit dem Pandemie-Ausbruch.

Corona hat auch Seck und seine Freunde hart getroffen, zugleich aber auch dafür gesorgt, dass er in seiner Nachbarschaft im Frankfurter Bogen, einem Stadtteil im Osten Frankfurts, neue musikalische Freunde gefunden hat. Gleich ein Dutzend hat er mitgebracht. Davon war zu Beginn des Konzerts noch nichts zu spüren. Trommelnd zog Seck zusammen mit seinem langjährigen Freund Aziz Kuyateh und dessen Bruder Ablaye auf die Bühne. Sofort sprang der Funke über und die Besucher klatschten jeden vorgegebenen Rhythmus mit. "Ich gehe jetzt erst mal wieder", meinte Seck und überlies die Bühne zunächst den beiden Brüdern, die mit ihrem Spiel auf der Kora für einen ruhigen, besinnlichen Auftakt sorgten. Beide beherrschen das Spiel auf der aus Westafrika stammenden 21-saitigen Stegharfe mit einem kuhfellbespannten Kalebassenkorpus perfekt und luden zusammen mit ihrem Gesang zum Träumen ein.

Im Lockdown fing alles an

"Ich habe gerade die afrikanische Sonne für den Winter getankt," verkündete Liz Nolte, eine der Nachbarn von Seck, die durch den Abend führte und zusammen mit einem halben Dutzend weiterer Anwohner ein afrikanisches Lied, ein "Coumpo" sang, begleitet von Seck und seinen beiden afrikanischen Mitstreitern.

Zuvor hatte Seck das Kommando auf der Bühne übernommen. Da juckte es so manchem Besucher in den Beinen, doch "tanzen und laut singen sind ja verboten, klatschen und summen nicht", stellte Seck fest und ließ die Besucher eine Melodie summen. "Wir freuen uns so sehr, dass ihr da seid und wir hier sind", sagte Seck, der im Verlauf der beiden Auftritte immer wieder neue Mitstreiter auf die Bühne holte, so wie Geigerin Eleonora Chiapissi und Gitarrist Harry Gottschalk. Chiapissi übernahm die Melodie eines senegalesischen Fischerlieds, die Aziz Kuyateh auf der Kora spielte, ebenso selbstverständlich mit der Geige wie Gottschalk mit seiner Akustikgitarre. Es entstand eine besondere Melange aus verschiedenen Kulturen.

Das Konzert entwickelte sich zur "Weltmusik" in reinster Form, auch dank dem Spiel von Michael Bermejo auf gleich drei Saxofonen. So mischten sich Jazz- und Rockelemente geradezu leicht und spielerisch unter die afrikanische Musik.

Der Grundstein für diese Partnerschaft wurde beim gemeinsamen Spiel während des Lockdowns unter freiem Himmel gelegt. "Wir spielten jeden Sonntag um 18 Uhr erst die ›Ode an die Freude‹, und dann trommelte Ismael los. und wir trommelten alle mit", erzählte Liz Nolte.

Auch nach dem Lockdown trafen sich einige Nachbarn immer wieder zum gemeinsamen Musizieren, und Ismael verkündete. "Ich nehme euch mit nach Friedberg". Auch nach der Zugabe wurde Seck zusammen mit seinen alten und seinen dank Corona dazugewonnenen neuen Freunden von der Besucherschar gefeiert.

Vom wunderlichen Leben des Noldi Abderhalden dürfte noch kaum jemandem etwas zu Ohren gekommen sein. Doch der Romanautor Patrik Tschan und die Schauspielerinnen Ursina Gregori und Doris Hintermann arbeiten daran, dass sich das ändert. Am Freitag, 30. Oktober, gastieren sie ab 19.30 Uhr mit ihrer szenischen Lesung über den "kubanischen Käser" im Theater Altes Hallenbad an der Haagstraße 29 in Friedberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare