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2030 könnten laut Kassenärztlicher Vereinigung 52 Prozent der Hausärzte im Wetteraukreis altersbedingt ihre Tätigkeit beenden. Damit eine Versorgung auch dann noch gewährleistet ist, muss sich jetzt etwas tun, meint Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch.

Info-Veranstaltung

Ärztliche Versorgung: Droht in der Wetterau eine Versorgungslücke? 

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Wie kann die ärztliche Versorgung im Wetteraukreis, vor allem im ländlichen Raum, in Zukunft gewährleistet werden? Darum ging es kürzlich bei einer Info-Veranstaltung im Friedberger Kreishaus.

Wetteraukreis - Zu einer Info-Veranstaltung im Friedberger Kreishaus hatte kürzlich der Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch eingeladen. Thema war die Zukunft der ärztlichen Versorgung in der Wetterau, vor allem im ländlichen Raum. Gekommen waren Bürgermeister, Mitglieder des Kreistages und Kreisausschusses und Ärzte aus der Region. Input erhielten die Gäste von Jürgen Nickel aus dem Wetterauer Gesundheitsamt, Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, und Dr. Lutz Ehnert, Facharzt aus Bad Nauheim. Tenor aller Referenten: Es ist höchste Zeit, gegen den drohenden Ärztemangel anzugehen und das geht nur gemeinsam.

Ärztliche Versorgung Wetterau: 215 Hausärzte in der Wetterau

Bis 2030 drohe eine ambulante Versorgungslücke in der Wetterau. Zwar sei die Zahl der Medizinstudenten an den hessischen Hochschulen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, aber eine Niederlassung, sei es als Haus- oder Facharzt, sei für viele angehende oder schon examinierte Ärzte keine Option.

Mit 215 Hausärzten sei der Wetteraukreis derzeit noch überversorgt, sagte Starke. In zehn Jahren könnte die Situation jedoch anders aussehen. Bis 2030 sei mit einem Bevölkerungszuwachs von 5,5 Prozent in der Wetterau zu rechnen. Zudem werde die Bevölkerung immer älter. Mit zunehmendem Alter steige die Zahl ambulanter Arztkontakten. Neue Kapazitäten müssten dringend geschaffen werden. Denn 2030 könnten laut Kassenärztlicher Vereinigung 52 Prozent der niedergelassenen Hausärzte im Wetteraukreis altersbedingt ihre Tätigkeit beendet haben. Ähnlich sehe es bei Kinder- und Fachärzten aus. Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, flexible Arbeitsmodelle, planbare Arbeitseinsätze und strukturierte Weiterbildungsmöglichkeiten seien klare Prioritäten der derzeitigen Ärztegeneration.

Nur noch 52 Prozent der Hausärzte, so Starke, arbeiteten in einer Einzelpraxis. Der Trend gehe zur kooperativen Praxis mit Ärztegemeinschaften und fachärztlichen Versorgungszentren.

Auch habe sich das Geschlechterverhältnis in Hessen geändert. Der Anteil weiblicher Ärzte steige konstant. Sowohl bei den Fachärzten als auch bei den Hausärzten sei eine deutliche Zunahme der Anstellung und der Teilzeitbeschäftigung erkennbar.

Ärztliche Versorgung Wetterau: Hürden für Nachfolger abbauen

Welche Weichen können nun gestellt werden, um Nachwuchsmediziner gerade für den ländlichen Raum zu gewinnen? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse gerade Ärztinnen ermöglicht werden. Laut Starke müssten die Hürden für potenzielle Praxisnachfolger schon jetzt abgebaut werden. Durch das Einbringen der Praxen in kooperative Strukturen und größere Verbünde würden Anreize geschaffen, um die Wünsche nach Anstellung, Teilzeit und Arbeiten im Team realisierbar zu machen. Bereits jetzt könnten Ärzte als Coach oder Mentor eintreten, um die Praxisübergabe zu begleiten.

Ein konkretes Beispiel zeigte Dr. Lutz Ehnert aus Bad Nauheim auf. Unter dem Motto "Stadtpraxis unterstützt Landpraxis" entstand 2018 die standortübergreifende Gemeinschaftspraxis Münzenberg/Bad Nauheim mit einem neu gegründeten medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Für die Praxis von Jürgen Fölsing in Münzenberg habe sich kein Nachfolger gefunden, weshalb sich die Kommune Münzenberg als auch das Ärztehaus am Park aus Bad Nauheim eingeschaltet hätten. Nach kurzer Zeit sei Martina Beck, die zu diesem Zeitpunkt im letzten Jahr ihrer Ausbildung gewesen sei, in die Münzenberger Landpraxis eingetreten. Allein habe die Ärztin die Praxis nicht führen wollen. So sei das Konzept für ein MVZ entstanden. Die Altpraxis sei renoviert und ein Anbau finanziell vom Land Hessen gefördert worden.

"In meinen Augen ist die Schaffung von medizinischen Versorgungszentren eine wegweisende Option zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in der Wetterau, die planbar, machbar und umsetzbar ist", sagte Becker-Bösch. "Der Kreis alleine kann diese Aufgabe allerdings nicht stemmen. Gemeinsam mit Ärzten und den Kommunen müssen wir die Rahmenbedingungen jetzt schaffen."

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