Ärzte fordern: Mehr Normalität wagen

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Wetteraukreis (pm). Die Hausärzte Wolfgang Pilz (Ockstadt) und Dr. Alexander Jakob (Bad Nauheim) fordern eine schrittweise Rückkehr zur Normalität im medizinischen Bereich - allerdings unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Die beiden Mediziner äußern sich im Namen des Vorstands des Bezirks Wetterau im Hausärzteverband Hessen.

Pilz und Jakob verweisen auf die einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, die »schwere Verwerfungen bisher verhindert« hätten. Durch den sehr starken Rückgang der Fallzahlen, auch in der Wetterau, würden jetzt allenthalben Lockerungsmaßnahmen diskutiert. »Wie man jedoch an verschiedenen Stellen gesehen hat, ist die Gefahr noch nicht gebannt.«

Sorgen wegen Spätfolgen

Während einerseits sechs von sieben Corona-Patienten von Hausärzten versorgt worden seien, hätten Wetterauer Hausärzte andererseits festgestellt, dass im Laufe der Pandemie Patienten wichtige Untersuchungen und Kontrollen aus Sorge vor einem möglichen Infektionsrisiko in den Praxen nicht wahrgenommen hätten.

»Mit Sorge wird die Entwicklung beobachtet, dass medizinisch notwendige Untersuchungen nicht stattfanden und auch chronische Krankheitsverläufe nicht ausreichend begleitet werden konnten und so auch langfristige Spätfolgen hieraus resultieren können«, beklagen Pilz und Jakob in ihrer Pressemitteilung.

Auch wenn die weiterhin auftretenden Häufungen von Krankheitsherden ein mahnendes Beispiel sein sollten, plädieren Wetterauer Hausärzte laut Pilz und Jakob für eine »wohlüberlegte Rückkehr in die Normalität unter Berücksichtigung der von politischer Seite vorgegebenen Sicherheits- und Schutzmaßnahmen.« Wie wichtig diese seien, zeige auch die hausärztliche Betroffenheit im Hinblick auf folgende Zahlen (Stand 4. Juni): 12 913 im medizinischen Bereich an Covid-19 Erkrankten und 20 Verstorbenen, die in medizinischen Einrichtungen tätig gewesen seien. »Dies sollte uns ein mahnendes Beispiel sein, und es sollten auch aus diesem Grund die Patienten unter dem Aspekt der gegenseitigen Rücksichtnahme die Praxen nur mit Mundschutz betreten und die in den Praxen dokumentierten Verhaltensregeln beachten«, fordern die beiden Hausärzte

Viele Praxen bäten um eine telefonische Kontaktaufnahme vor dem persönlichen Erscheinen. Es sei wichtig, dass Patienten, die Symptome wie Husten, Fieber, Abgeschlagenheit, aber auch Halsschmerzen, Durchfall, oder - ganz wichtig - den Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn bemerkten, zunächst in den Praxen anrufen und sich telefonisch über das weitere Vorgehen beraten lassen.«

Corona-Abstrich ist möglich

Sollte in dieser Beratung die Notwendigkeit entstehen, dass ein Corona-Abstrich gemacht werden müsse, so könne auch dies problemlos stattfinden - außerhalb der Praxis, teils sogar in einem Selbstabstrich .

In den Praxen gebe es so eine Trennung von infektiösen Patienten und Menschen mit anderen Beratungsanlässen. Es müsse keine Sorge bestehen, dass es in der Praxis zu einer Coronavirus-Infektion komme, schreiben Pilz und Jakob.

»Wetterauer Hausärzte fordern die Patienten deshalb bewusst auf, unter Beachtung dieser Schritte wieder einen Schritt in einen normalisierten Umgang mit dem Coronavirus zu machen. Es geht weiterhin darum, die Verbreitung dieser Erkrankung einzudämmen, aber auch ein zukünftiges Leben mit diesem Virus zu gestalten. Dieses wird uns weiter begleiten und darf die hoch qualifizierte und engagierte hausärztliche Versorgung und unser Vertrauensverhältnis nicht gefährden.«

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