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Mischung aus Mausgrau, Staubgrau und Aschgrau mit blauen Tupfern: Die Internetseite der Stadt hat nicht nur ein wenig ansprechendes Design, sie ist nach Meinung vieler Nutzer auch wenig übersichtlich. Jetzt soll sie überarbeitet werden.

Lange Wartezeiten im Rathaus

Ärger um Terminvergabe: Neue Personalausweise erst wieder ab Juni

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Internetseite der Stadt Friedberg ärgert eine Leseriin. Die Seite sei unübersichtlich. Was noch schwerer wiegt: Durch Corona werden im Rathaus erst wieder im Juni Termine angeboten.

Dass die Homepage der Stadt Friedberg mit ihrem Grau-in-Grau-Look keinen Schönheitspreis gewinnt, mag man verzeihen. Aber Benutzer-freundlich sollte sie sein. Eine Leserin hat andere Erfahrungen gemacht. Sie wollte einen Personalausweis beantragen. Nach einer »Klick-Odyssee« fand sie zwar das richtige Menü, machte aber große Augen, als sie erst für Anfang Juni einen Termin bekam.

Die Leserin gab im Suchfeld den Begriff »Personalausweis« ein. Es öffneten sich zwei Einträge, die wenig hilfreich waren: ein Link zur Behördennummer 115 und einer zum Standesamt. Es folgen weitere Links, die Dame fragte sich, was diese Einträge mit dem Passwesen zu tun haben: das Bundesmeldegesetz etwa, Flohmarktbekanntmachungen von 2016 und 2017, Querverweise zur Bürgermeisterdirektwahl vom September 2017. »Und noch besser: Ein Link zum Seniorenausflug 2016.«

Hat man fast aufgegeben, kann man durch die Einträge des »Hessen-Finders« scrollen. Wer weiß, vielleicht könnte ein Klick auf »Befreiung von der Ausweispflicht« die Leserin von allen Sorgen befreien. Dann stößt sie auf »Personalausweis Ausstellung«. Es erscheinen Infos, »lauter Bla-bla«, doch wie geht’s weiter? »Zufällig« fällt der Blick auf die linke Randleiste. Unter dem Menüpunkt »Rathaus und Politik« findet die Leserin den »Online-Terminkalender«. Sie klickt sich durch April und Mai, alle Termine sind belegt. Erst im Juni ist einer frei.

So lange soll sie warten? Das sei ein »fragwürdiger Service«, sagt die Leserin. Wenn jemand heute eine Lebensbescheinigung haben wolle, könne die Person »Anfang Juni bereits verstorben sein«. Die Leserin fragt sich, warum dies »so übel organisiert« sei. Wenn Verwaltungsleute im Homeoffice seien, müssten sie doch mit dem Rathaus-Server vernetzt sein. Allein mit Corona könne man das nicht erklären. »Und der Online-Terminkalender gehört sichtbar auf die Frontseite.«

Ein Friedberger merkt in den sozialen Medien an, man müsse nur einmal versuchen, einen Mitarbeiter aus einer bestimmten Abteilung zu suchen. Wer den Namen nicht kenne, sei verloren. Die Abteilungen sind im Telefonverzeichnis nicht gesondert aufgeführt, man muss sich durchs Alphabet klicken, um fündig zu werden. Seine Tochter habe Anfang Februar wegen eines Auslandssemesters versucht, einen Termin im Rathaus zu erhalten. Dreimal sei sie aus der Leitung geflogen. Einen Termin bekam sie dann doch noch, für Ende März. Da war sie längst wieder im Ausland.

Terminkalender mit wenigen Terminen

Ein anderes Manko der Internetseite ist der Terminkalender. Vor dem Lockdown, als es noch Veranstaltungen gab, war er nur leidlich gefüllt; der Stadt ist es bislang nicht gelungen, Vereine und Institutionen zu animieren, den Kalender mit Inhalten zu füllen.

Für Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU), von Hause aus IT-Fachmann, ist die städtische Internetseite kein Ruhmesblatt. Er versprach, sofort Änderungen vorzunehmen. Er lasse die Homepage gerade neu entwickeln, sie soll übersichtlicher werden und ein moderneres Design erhalten.

Aber woran liegt’s, dass nicht nur die Internetseite, sondern auch das Bürgerbüro schlecht zu erreichen ist? Auskunft gibt Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf. »Wir hatten Corona-Fälle im Rathaus, auch im Bürgerbüro.« Im Großraumbüro dürften derzeit aufgrund der Hygienevorschriften nur drei Personen gleichzeitig arbeiten, normalerweise gebe es dort fünf Arbeitsplätze. Die Platzverhältnisse sind beengt. Vor einer Woche wurde in einem anderen Raum ein weiterer Arbeitsplatz eingerichtet. »Das hat sich offenbar noch nicht bemerkbar gemacht. Wir wollen versuchen, einen fünften Arbeitsplatz einzurichten. Im Moment geht das aber nicht.« Nicht umsonst hat die Stadt das Nachbargebäude gekauft, um es als zweiten Rathaus-Standort einzurichten.

Um die städtische Internetseite kümmere sich seit einigen Wochen ein Mitarbeiter. Schlerf bittet um Geduld. Auch in anderen Rathäusern komme es aufgrund der Pandemie derzeit zu Wartezeiten. Es gebe aber immmer »Luft für Notfälle«. Man lasse die Bürger »nicht verhungern« und vergebe, wenn es nötig wird, auch kurzzeitige Termine.

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