Streit um korrekte Warenauslage: Die Kleiderständer vor dem "Eurofashion"-Geschäft auf der Kaiserstraße wurden reduziert, was hier steht, darf hier auch stehen. Aber viele Friedberger stören sich an dem Anblick.
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Streit um korrekte Warenauslage: Die Kleiderständer vor dem »Eurofashion«-Geschäft auf der Kaiserstraße wurden reduziert, was hier steht, darf hier auch stehen. Aber viele Friedberger stören sich an dem Anblick.

Ärger über Auslagen vor Geschäften

Friedberg: Ärger über »wildes Sammelsurium« auf der Kaiserstraße

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Kleiderständer auf dem Gehweg, Kleiderhaken am historischen Gemäuer - ein Modegeschäft auf der Friedberger Kaiserstraße sorgt für Gesprächsstoff. Die Eigentümer haben andere Probleme.

Friedberg - Eine »Frechheit« sei das, »was gerade wieder auf der Kaiserstraße läuft«, schreibt ein Nutzer der Facebook-Seite »Ideen für Friedberg«. »Eines der schönsten Gebäude wird wieder immer mehr zugemüllt.« Auf einem Foto ist die Auslage des Modegeschäfts »Eurofashion« zu sehen - ein wildes Durcheinander von Kleiderständern, die auf dem Gehweg stehen oder direkt am Sandstein des historischen Hauses befestigt sind.

Der Facebook-Nutzer fragt, was »eigentlich aus der vor ewiger Zeit angekündigten Gestaltungssatzung geworden« sei. Da dürfte die Erinnerung trügen. Die »Satzung über die Gestaltung von baulichen Anlagen in der Altstadt Friedberg« wurde zuletzt 2017 geändert; eine neue ist derzeit nicht in Arbeit. Die Gestaltungssatzung wurde in den vergangenen Jahren aber öfter im Stadtparlament erwähnt, wenn Kommunalpolitiker auf (wenige) Geschäfte der Kaiserstraße aufmerksam machten, die das Stadtbild nicht unbedingt schöner machten.

In der Präambel besagter Satzung wird darauf hingewiesen, dass viele Gebäude der Kaiserstraße unter Denkmalschutz stehen und der gesamte Bereich mit wenigen Ausnahmen eine denkmalgeschützte Gesamtanlage darstellt. Der historische Charakter des Straßenbildes müsse erhalten bleiben.

Nur: Diese Satzung bezieht sich auf »bauliche Anlagen«, also auf Werbeschilder, Schaufenster, Ladeneingänge und Hauseingänge, Vordächer oder Markisen, die an der Fassade angebracht werden. Im Falle des Modegeschäfts, hieß es aus dem Rathaus, greife die Gestaltungssatzung nicht.

Friedberg Kaiserstraße: Verstoß gegen Nutzungssatzung

Wie Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) mitteilt, habe man vor dem Modegeschäft »einen Verstoß gegen die Genehmigung zur Warenauslage aufgrund der städtischen Sondernutzungssatzung« festgestellt. Götz: »Der Inhaber erhielt die Aufforderung, die Warenauslage auf das von der Stadt genehmigte Maß zu reduzieren.« Das geschah prompt.

Die UWG hat in der jüngsten Vergangenheit im Stadtparlament immer wieder auf das Problem hingewiesen, dass sich einige Händler nicht an die Vorgaben städtischer Satzungen hielten. Das Modegeschäft wurde öfter genannt. »Das Durcheinander ist vielen ein Dorn im Auge«, sagt UWG-Fraktionsvorsitzender Friedrich Wilhelm Durchdewald. »Die Ordnungskräfte müssen einschreiten. Ich habe das Gefühl, da wird zu wenig getan.«

Das Haus Roseneck wurde, wie auf der Fassade zu lesen ist, 1333 erstmals erwähnt. Der Zugang von der Straße erfolgt durch zwei Spitzbogentore und ein schmales Portal in der Mitte. Das linke Portal führt in die Gaststätte »Die Dunkel«, das rechte ins Modegeschäft. Im Spitzbogen hängt ein quietschgelbes Werbeschild, also eine »bauliche Anlage«. Den »historischen Charakter des Straßenbildes« scheint dieses Schild nicht zu beeinträchtigen, zumindest nicht laut Gestaltungssatzung.

Vimal Bahl, Inhaberin von »Eurofashion«, und ihr Ehemann sind nicht erfreut über die Beschwerden. »Wir müssen auch leben«, sagt Bahl. Das gelbe Schild sei das Firmenlogo. Die Auslagen seien deshalb so üppig, weil es in dem Ladengeschäft kein Schaufenster gibt. »Wie sollen wir unser Warenangebot präsentieren?«

Friedberg Kaiserstraße: Corona sorgt für Umsatzeinbruch

Durch die Corona-Krise blieben viele Kunden weg, der Umsatz ist wie in vielen Einzelhandelsgeschäften eingebrochen. Aber die Miete sei hoch. 1800 Euro im Monat für einen schmalen Raum. Ohne Unterstützung ihrer Kinder könnten sie den Laden nicht halten, sagt das Ehepaar Bahl. Nachdem die Stadt sich bei ihnen gemeldet habe, habe man die Auslage auf das reduziert, was genehmigt sei. Dass es immer wieder Beschwerden gebe, stimmt das Ehepaar Bahl traurig. »Die Leute sollen direkt zu uns kommen.« Aber es komme niemand und frage, »wie es uns geht«. »Wir versuchen zu überlegen«, sagt der Ehemann und deutet die Kaiserstraße hoch: »Da gib es andere Geschäfte, die viel mehr Ständer draußen haben.«

Auf der Facebook-Seite bekommt das Modegeschäft übrigens auch Unterstützung. An den Kritiker gerichtet schreibt eine Nutzerin: »Was Sie Müll nennen, sind günstige Bekleidungen.« Nicht jeder könne sich Kleider aus dem Fachgeschäft leisten. Eine andere Nutzerin fühlt sich beim Anblick der Warenauslagen an den Urlaub in Italien in den 1950er-Jahren erinnert - ein »Ambiente wie im Urlaub«.

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