Das Ausländeramt vergibt derzeit keine Termine. Kontakt erfolgt übers Telefon. Falls jemand abhebt.
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Das Ausländeramt vergibt derzeit keine Termine. Kontakt erfolgt übers Telefon. Falls jemand abhebt.

Ärger mit dem Ausländeramt

Tür zu, Telefon besetzt: Kein Termin unter dieser Nummer

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Das Ausländeramt vergibt derzeit keine Termine, die Türen sind zu, alle Angelegenheiten sollen übers Telefon erledigt werden. Aber was, wenn in Friedberg niemand abhebt?

Stellen Sie sich vor, Sie wären als Flüchtling in ein fremdes Land gekommen, in dem eine Epidemie ausbricht. Sie müssen auf der Ausländerbehörde ihren Pass abholen, den sie dringend benötigen. Ihre Befürchtung: Ohne Pass keine Unterstützung vom Jobcenter. Aber dann ist die Behörde geschlossen. Und Sie kriegen es mit der Angst zu tun. So ist es einer Frau aus Somalia ergangen, die in Friedberg (zunächst) vor verschlossenen Türen stand.

Ubah Mohamud ist eine anerkannte geflüchtete Somalierin. Sie arbeitet in einer Klinik, das Jobcenter unterstützt sie zusätzlich. Vergangene Woche hatte sie einen Termin bei der Ausländerbehörde des Wetteraukreises. Sie sollte ihren neuen Ausweis abholen. Der Termin war vor der Corona-Epidemie vereinbart worden. Doch der Eingang war verschlossen, auf einem Schild wird eine Telefonnummer angegeben. Der Termin war um 11 Uhr. »Frau Mohamud hat seit 7 Uhr versucht, die Behörde telefonisch zu erreichen. Ohne Erfolg«, sagt der Sozialarbeiter Stefan Eder, der die Frau aus dem Deutschunterricht kennt. »Es kam nur die Ansage ›Derzeit nicht verfügbar‹.« Also habe sie bei der Zentrale der Kreisverwaltung angerufen und eine andere Telefonnummer erfahren. Mit dem gleichen Ergebnis: Niemand hob ab.

Ausländeramt Friedberg: Mehrere Personen abgewiesen

Schließlich wurde Ubah Mohamud zur vereinbarten Zeit in der Ausländerbehörde vorstellig. Sie ging einfach durch den Hintereingang und nannte an der Rezeption ihr Anliegen. »Nach mehreren Aufforderungen des Mitarbeiters an der Rezeption, das Gebäude zu verlassen, sonst würde die Polizei geholt, kam die junge Frau auf eine Idee«, schildert Eder: Eine Idee, auf die der Rezeptionist offenbar nicht kam: Sie fragte, ob es noch eine Nummer gebe, die sie anrufen könne, um die zuständigen Mitarbeiter zu erreichen.

Und tatsächlich: Sie erreichte eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde, die dann herunterkam und ihr den Pass aushändigte. Eder: »Ohne Vorlage eines gültigen Passes stellt das Jobcenter die Zahlungen ein. Während sie mit der Rezeption ›kämpfte‹, wurden mehrere andere Ausländer mit dem gleichen Anliegen wieder nach Hause geschickt.«

»Es gibt derzeit keine Sprechzeiten in den Behörden«, betont Kreispressesprecher Michael Elsaß. »Alle Anliegen sollen möglichst per Telefon erledigt werden.« Aber wenn niemand in der Behörde den Telefonhörer abnimmt? Elsaß: »Dann braucht man eben ein wenig Geduld.« Es sei in der Tat derzeit nicht immer einfach, die entsprechenden Sachbearbeiter telefonisch zu erreichen. Der Grund: »Es rufen sehr viele Menschen an.« Das sei nicht nur bei den Behörden so, gelte für viele andere Lebensbereiche auch. »Dreimal anrufen ist nicht genug, wenn man durchkommen will«, sagt Elsaß und bittet um Verständnis: »Viele Mitarbeiter arbeiten unter erschwerten Bedingungen.« Da helfe leider nur eines: Geduld. Außerdem, so Elsaß, hätten sich Ausländeramt und Jobcenter abgestimmt, damit in solchen Fällen wie dem von Frau Mohamud das Geld trotzdem überwiesen wird, auch wenn Unterlagen aktuell fehlten.

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