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Ach, wie gut...

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). 25 Jahre Friedberger Kinderoper: Dieses stolze Jubiläum verdient eine entsprechende Würdigung. Und es erfuhr sie. Am Wochenende bereitete die Jugendkantorei der evangelischen Kirchengemeinde, assistiert von den Friedberger Stadtstreichern und -bläsern, sich und den in großer Zahl erschienenen Zuschauern mit zwei umjubelten Aufführungen in der Burgkirche eine große Freude: Gespielt und gesungen wurde Michael Benedict Benders 1993 komponierte Kinderoper »Rumpelstilzchen«.

Unter der souveränen Leitung von Stadtkantor Ulrich Seeger erstand das altbekannte Märchen der Gebrüder Grimm zu neuem, farbigen Leben. Der dreißigköpfige Chor, die ebenso zahlreiche Schar der Schauspielerinnen und Schauspieler und acht Instrumentalisten: Sie alle wirkten aufs Schönste zusammen.

Alle Figuren treten auf

Umrahmt von originellen Zwischenszenen, in denen andere Märchenfiguren wie Schneewittchen, Froschkönig und König Drosselbart sowie die sieben Zwerge mit Meister Jacob Grimm (Svea Berger) auftreten, wird die Geschichte um den König (Stina Berger) und die kleine Müllerstochter (Wilhelmine Bunke) - die nach ihrem fatalen nächtlichen Stroh-zu-Gold-Spinnen Königin (Michaela Gaukel) wird und dem giftigen Kobold Rumpelstilzchen (Helen Mehr) ihr Kind ausliefern soll - von Szene zu Szene spannender.

Der Chor zeigt in elf Auftritten sein Können. Besonders hervorzuheben sind die - nur durch eine kurze Zwischenszene unterbrochenen - Nummern »Endlich ist da jemand, der ihr hilft«, »Ach, das ist ja zum Verzweifeln« und »Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?« aus der ersten Szene des im Gemach der Königin spielenden dritten Bildes.

Beeindruckender Gesang

Aus den durchweg guten schauspielerischen Leistungen ragen die der kleinen Müllerstochter, der Königin, des Rumpelstilzchens und des Königs als Hauptpersonen heraus. In einer bewegenden Szene hören wir die kleine Müllerstochter nach ihrem »Teufelspakt« mit dem giftgrün gewandeten, großen Rumpelstilz verzweifelt am Spinnrad singen: »Ach hätte doch mein Vater«. Der König beeindruckte unter anderem mit dem melancholischen Lied »Ich habe schwere Sorgen«, in dem er seine Geldsorgen beklagt. Der Rumpelstilz erntet nicht nur mit »Ich bin ein kleines Männlein« rauschenden Applaus. Ein letztes Highlight ist das Duett Königin-Rumpelstilzchen, in dem ihm das Geheimnis um seinen Namen entrissen wird. Der grüne Kobold fährt zum Teufel; der Chor intoniert erleichtert »Das also war’s«. Hervorzuheben sind außerdem die fünf Soloauftritte von Zwerg 006 (Charlotte Lang) und 007 (Nora Gröger). Sie »arbeiten schon 200 Jahre beim Chef«, das heißt bei Jacob Grimm als dem Hüter des Märchenschatzes, und kommentieren das dramatische Geschehen auf ironische Weise. Nicht zuletzt die acht Musikerinnen und Musiker - vorab Trompeter Robin Wukits - verleihen der spannenden Märchenoper ihr besonderes Kolorit. Und was wäre das Ganze ohne die engagierten Mitarbeiter Gisela Jeschke, Andreas Schultz und Christina Klöppel, die für Bühne, Kulissen und die Einstudierung der Oper verantwortlich zeichnen? Auch ihnen sowie den Licht- und Tontechnikern Doris Brand und Markus Schlösser gebührte der Dank des Publikums.

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