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Aufgrund der Corona-Pandemie finden die Treffen des Kurses zum Übergang in den Ruhestand virtuell statt.

Abschied nehmen, Neues wagen

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Wetteraukreis (alh). Wer in Ruhestand geht, für den beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Der Übergang zwischen Berufsleben und dem »Danach« ist nicht immer einfach. Der Online-Kurs »Ruhestand - ein unbekanntes Land?« kann dabei unterstützen. 34 Teilnehmende haben es in der ersten Auflage versucht.

Sie alle haben unterschiedliche berufliche Hintergründe - vom Pfarrer bis zum Banker. Einige von ihnen sind schon seit einigen Monaten im Ruhestand, andere beginnen ihn in diesen Tagen und ein paar nutzen das erstmals digital stattfindende Angebote als Vorbereitung. Ebenfalls neu: Bildungsexperten und Seelsorger aus vier Dekanaten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) haben sich dafür zusammengeschlossen: Britta Laubvogel (Dekanat Wetterau), Karin Schmid (Dekanat an der Dill), Rita Stoll (Dekanat Büdinger Land) und Joachim Naurath (Dekanat Runkel) gestalten das Programm gemeinsam.

Aktuell kennen sich die Teilnehmer, die in zwei Gruppen aufgeteilt sind, zwar nur von kleinen Bildchen auf dem Computerbildschirm, doch es ist gleich ein Vertrauen gewachsen, betont ein Mann aus Bad Nauheim. Nicht nur er lobt die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der man sich in der Gruppe begegne. »Wir müssen alle damit klarkommen, dass eine wichtige Säule unseres Lebens - der Job - auf einmal wegbricht«, beschreibt es ein Teilnehmer aus dem Raum Gießen. »Das ist schwierig. Es ist schön, sich mit Menschen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind, zu hören, wie es ihnen damit geht, wie sie klarkommen.«

Eine Teilnehmerin, die seit Januar im Ruhestand ist, beschreibt ein »Wechselbad der Gefühle«: »Ich habe immer Vollzeit gearbeitet. Als es dann vorbei war, hat mir jeder gesagt, dass ich mich doch freuen soll. Aber ich habe einfach keine Freude empfunden.« Eine Teilnehmerin aus Usingen erzählt: »Ich stelle mir oft die Frage, ob ich das darf: Einfach mal machen, was mir gerade in den Sinn kommt - ohne Verpflichtungen.«

An den ersten beiden Kursabenden ging es deshalb vor allem um das Loslassen und Abschied nehmen. Die Teilnehmenden haben sich zum Beispiel damit beschäftigt, welche früheren Brüche im Leben sie schon gemeistert haben. »Für mich war es wichtig, zu hören, dass ich Gefühle wie Trauer auch zulassen darf«, sagt eine Teilnehmern.

Tagebuch der Reise

Besonders gut kommt das Material an, das vorab verschickt worden ist. Darin war zum Beispiel ein Reisetagebuch enthalten, das die Teilnehmenden mit Texten, Impulsen und Aufgaben auf ihrer Reise in den Ruhestand begleitet. Eine Teilnehmerin hat durch so ihre Lust am Malen entdeckt, anderen tut es gut, ihre Gefühle und Emotionen aufzuschreiben.

An den Kursabenden wechseln sich Gespräche im Plenum und in Kleingruppen ab, die Kursleiter nutzen kreative, meditative, informative, biografische und spirituelle Arbeitsmethoden, setzen Impulse, geben Anregungen oder stellen Fragen, über die nachgedacht und diskutiert wird.

Auch die geistlichen Elemente finden Anklang. Einer Teilnehmerin, die aus Stuttgart zugeschaltet ist, hat ein Gebet geholfen, loszulassen.

Oft gibt es mehr zu besprechen als Zeit in den virtuellen Gruppentreffen ist. Deshalb wollen sich einzelne Teilnehmer auch außerhalb des Kurses treffen, wenn es die Pandemie zulässt vielleicht sogar real. Denn, wie es ein Teilnehmer beschreibt: »Ich fühle mich in der Gruppe wie unter guten Bekannten.«

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