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In Bad Nauheim angekommen, brauchen die Hunde erst mal eine Erfrischung. 

Hunde-Protest

Abschaffung der Rasselisten: Pärchen macht sich stark - Mit aufwendiger Aktion ans Ziel

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Manuela und Dirk Schäfer wandern mit ihren Rottweilern Sina und Ares vier Wochen durch Deutschland. Ihr Ziel: die Abschaffung der Rasselisten. Am Wochenende erreichten sie Bad Nauheim.

"Wir hatten schon lange einen Wanderurlaub durch Deutschland geplant", erzählt Dirk Schäfer, der sich mit seiner Frau Manuela gegen Rasselisten für Hunde ausspricht - und dafür zurzeit einmal quer durchs ganze Land läuft. "Ein Auslöser für unsere Aktion war das vermehrte Auftauchen von Rottweiler-Fotos bei der Berichterstattung über Hundeangriffe - auch wenn gar kein Rottweiler beteiligt war." Am Wochenende machten sie Bad Nauheim Station: Am Samstagmorgen waren sie in Gießen gestartet, am Sonntagmorgen ging es von Bad Nauheim gen Frankfurt. Bei den Spaziergängen mit dabei sind stets viele Begleiter samt Hunden, die sich der Aktion anschließen.

Jedes Bundesland führt unterschiedliche Rasselisten. In manchen stehen nur drei Rassen, in anderen, wie in Hessen, sind es neun. Neben dem Rottweiler sind dies zum Beispiel American Staffordshire, American Bullterrier, Kangal oder Bordeauxdogge. Viele sogenannte Listenhunde fristen ein lebenslanges Dasein im Tierheim, sind nicht vermittelbar. In vielen Gemeinden fallen zudem höhere Steuern für diese Hunde an.

Rasseliste: Halter von Rottweilern häufig angefeindet

Gerade Halter von Rottweilern würden oft angefeindet, berichtet Dirk Schäfer, "dabei ist der Rottweiler - eine alte deutsche Rasse - ein treuer und ehrlicher Familienhund, den eine hohe Hemmschwelle auszeichnet, der sich also viel mehr gefallen lässt als andere Hunde, sehr nachsichtig und geduldig reagiert". Doch es komme auf die Erziehung an. Deshalb ist Schäfer der Ansicht: "Die Rasselisten bringen niemandem etwas", wichtig sei ein Hundeführerschein für alle Halter.

Diese Meinung teilt Heinz Baumann, der Familie Schäfer von Marburg bis Bad Nauheim begleitete. Er bildete seinen Rottweiler sogar zum Therapiehund aus - und darf ihn in Hessen nicht als solchen einsetzen. Als sein Sohn an einem Tumor erkrankte, wünschte der sich einen Hund, die Wahl fiel auf den Rottweiler. "Mein Sohn kannte diese Hunde von klein auf. Wie hätte ich ihm das verweigern können?" Die Rasse sei hervorragend als Schutz- und Polizeihund geeignet, außerdem in der Therapie und als Begleithund. "Doch die Gesetzgebung erlaubt dies nicht."

Dabei sagten die Beißstatistiken, die Baumann seit Jahren studiert, etwas ganz anderes aus. Auch die Bundestierärztekammer betone, ob ein Hund beiße, sei keineswegs rasseabhängig, sondern eine Frage der Erziehung - dies gelte für alle Rassen. "Jedes Ordnungsamt führt eigene Statistiken, die dann landesweit zusammengefasst werden", sagt Baumann, aus ihnen sei nichts über den Hundehalter ersichtlich. "Wir wollen die tatsächlichen Fälle keinesfalls verharmlosen", doch könne eine Rasseliste keine Bissattacken verhindern - dies könne nur eine wirksame Kontrolle der Halter. Die Beißstatistiken zeigten, dass in den seltensten Fällen "Listenhunde" beteiligt seien, sondern beispielsweise Schäferhunde oder auch als harmlos geltende Rassen wie Cockerspaniel.

Welpen aus dem Kofferraum

Manuela und Dirk Schäfer sind seit vielen Jahre im Tierschutz tätig. Ihnen geht es nicht nur um das Abschaffen der Rasselisten, sondern auch um ein Verbot des Online-Welpenhandels. Gab es in den 90er Jahren in Deutschland noch zahlreiche anerkannte Rottweiler-Züchter mit an die 400 Welpen im Jahr, ist die Zahl inzwischen rückläufig: 2018 waren es nur noch 20 Welpen aus vier Würfen. "Und trotzdem tauchen immer mehr Welpen auf", sagt Dirk Schäfer. Diese kämen aus Welpenfabriken in Osteuropa, seien meist in schlechtem Gesundheitszustand und oft schlecht sozialisiert, weil sie viel zu früh von der Mutter getrennt würden. Verkauft würden die Hunde aus dem Kofferraum übers Internet. "Dabei könnte der Gesetzgeber den Onlinehandel, wie in Österreich, so leicht verbieten", bedauert Dirk Schäfer.

Das Ehepaar hat schon viele Hunde aus schlechter Haltung und Vermehrungszuchten in ein neues Zuhause vermittelt. Rainer Dersch, Züchter im Allgemeinen Deutschen Rottweiler-Klub, überreichte den Schäfers in Bad Nauheim eine 300-Euro-Spende. Auch er hofft auf eine Gesetzesänderung für die "Rottis" und andere Rassen auf der Liste.

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