Im November ballen sich gleich vier große Gedenktage. Doch wegen der Gefahren durch das Coronavirus rät der Wetteraukreis diesmal von den üblichen Feiern ab. FOTO: NICI MERZ
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Im November ballen sich gleich vier große Gedenktage. Doch wegen der Gefahren durch das Coronavirus rät der Wetteraukreis diesmal von den üblichen Feiern ab. FOTO: NICI MERZ

Absage an übliches Gedenken

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(prw/pm). Volkstrauertag, Reichspogromnacht, Totensonntag, Fall der Berliner Mauer: Der November ist ein an Gedenktagen reicher Monat. "Auch wenn es schwer fällt, aber die Durchführung von Gedenkveranstaltungen gerade jetzt während der Corona-Pandemie sollte überdacht werden", sagte Landrat Jan Weckler bei der Dienstversammlung der Wetterauer Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Das Thema Corona nahm bei der Dienstversammlung breiten Raum ein. Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs berichtete zum aktuellen Stand im Wetteraukreis und riet, die sonst im November üblichen Gedenkveranstaltungen abzusagen.

Weckler: "Rein rechtlich könnte zwar unter bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf Genehmigung bestehen, doch in Anbetracht des dynamischen Infektionsgeschehens ist Vorsicht geboten. Daher rät der Wetteraukreis von Gedenkveranstaltungen in diesem November ab."

Virtuelles Erinnern am 9. November

Weiteres Thema war die Verordnung des Landes zur Maskenpflicht in städtischen Einkaufsstraßen. Vereinbart wurde, dass Bürgermeister, die für besonders belebte Geschäftsstraßen in ihren Städten und Gemeinden eine Maskenpflicht verbindlich umsetzen möchten, dies dem Wetteraukreis anzeigen. Daraufhin wird der Wetteraukreis im Sinne der meldenden Städte und Gemeinden zeitnah eine entsprechende Verfügung bezüglich der jeweiligen Straßen erlassen. Um trotz Corona-Pandemie der Reichspogromnacht von 1938 gedenken zu können, geht die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Wetterau (GcjZ) einen besonderen Weg: Sie lädt für Montag, 9. November, um 18 Uhr, zu ihrer traditionellen Gedenkveranstaltung ein. Allerdings: In diesem besonderen Jahr nicht wie gewohnt in Form einer Präsenzveranstaltung, sondern als virtuelles Gedenken via Livestream, auf Youtube :https://www.youtube.com/channel/UCM4o0fpFvd CFz91hdJgO7QQ). "Grundsätzlich erlaubt die hessische Landesregierung Gedenkveranstaltungen, verlangt jedoch eine Genehmigung der zuständigen Behörde. Wir haben uns mit Unterstützung durch die evangelische Kirchengemeinde sehr um eine Genehmigung der Veranstaltung durch den Wetteraukreis bemüht und diese auch erhalten. Am Donnerstag haben wir jedoch entschieden, dass wir angesichts des Infektionsgeschehens in diesem Jahr auf die Präsenzveranstaltung verzichten und stattdessen einen Livestream anbieten wollen", erläutern Dr. Peter Noss, Manfred de Vries und Britta Weber als Vorstand der GcjZ Wetterau.

Friederike Müller wird aus einem Buch von Etty Hillesum, einer niederländischen Jüdin, die in Auschwitz ermordet wurde, lesen. Etty Hillesum legt darin ein ergreifendes Zeugnis innerer Reifung zum Glauben an das Gute im Menschen und gestärkt von Zuversicht und Gottvertrauen im Angesicht des bevorstehenden Todes ab. Ein Pianist von der Musikschule Bad Nauheim wird die Lesung musikalisch begleiten. Der GcjZ Wetterau ist das Gedenken an die Geschehnisse der Reichspogromnacht ein besonderes Anliegen, da die Ereignisse des 9./10. November 1938, deutlich vor Augen führten, wohin Hass führen könne.

"Angesichts der Verbrechen, die uns allein seit Oktober 2019 von Halle über Hanau, Hamburg, Dresden, Paris und Nizza bis Wien in den letzten Monaten erschreckten, will die GcjZ Wetterau mit der Veranstaltung am 9. November ein deutliches Zeichen gegen den Hass setzen", heißt es abschließend in einer Pressemitteilung der Gesellschaft.

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