Der "Disco-Express" ist startbereit
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Der »Disco-Express« ist startbereit

Start am Donnerstag

Abgespecktes Volksfest in Friedberg: Das haben die „Herbst-Feelings“ zu bieten

  • Jürgen Wagner
    VonJürgen Wagner
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Volksfeststimmung in Zeiten der Pandemie? Ja, das geht, aber nur in abgespeckter Form. Am Donnerstag, 9. September 2021, werden auf der Seewiese die »Friedberger Herbst-Feelings« eröffnet.

Friedberg – »Ooooh! Damit fahr’ ich!«, ruft ein Mädchen, als es auf dem Weg zur Schule mit Freunden die Friedberger Seewiese überquert. Ob sich die Kleine wirklich in den »Disco Express« traut? Nicht nur Kinder bekommen beim Anblick der Schaustellerbuden große Augen. Am Donnerstag (09.09.2021) startet das »Friedberger Herbstfeeling«, das in Zeiten der Pandemie viel Vorbereitung gekostet hat.

Manche reiben sich die Augen, können es gar nicht glauben, was da gerade auf der Friedberger Seewiese geschieht. Am Dienstagmorgen etwa wird der Autoscooter aufgebaut. Schon von Ferne hört man das typische Geräusch, wenn Metallstangen gegeneinander stoßen. Der »Disco Express« und der »Flieger« stehen startbereit, am Rande der Seewiese reihen sich Wurf-, Schieß- und Popcorn-Buden aneinander. Aber mit Abstand. Denn ein »richtiger Rummel« wie beim traditionellen Herbstmarkt werden die »Friedberger Herbst-Feelings«, die bis zum 26. September andauern, nicht. Sollen sie auch gar nicht.

Mini-Volksfest in Friedberg: Seewiese wird nicht eingezäunt

Noch vor wenigen Monaten konnte sich niemand Volksfeste in Zeiten der Pandemie vorstellen. Das Münchner Oktoberfest und andere Großereignisse wurden wie schon 2020 abgesagt. Der zu erwartende Massenandrang ist mit Abstands- und Hygieneregeln nicht zu handhaben. Stattdessen wurden kleinere Festivitäten ausprobiert, Pop-up-Märkte genannt, mit Einlasskontrolle und Sicherheitskonzept.

Melanie Block von der Stadtverwaltung Friedberg hat sich einige dieser Märkte angeschaut. Die Organisatoren - neben der Stadt sind dies die Schaustellerbetriebe - haben ihre Schlüsse daraus gezogen. So muss die Seewiese nicht eingezäunt werden. »Wir haben eine natürliche Einfriedung«, sagt Block. Gedränge erwartet sie nicht. »Das wird die längste Fußgängerzone für das schaustellende Gewerbe.« Die komplette Seewiese ist mehr als 30 000 Quadratmeter groß, das Festgelände samt großzügigen Laufwegen (10 Meter breit) umfasst 21 000 Quadratmeter.

Bei ähnlichen Aktionen in Dortmund, Düsseldorf oder Kassel wurden nie mehr als 3500 Personen zeitgleich gezählt. In Friedberg wird mit höchsten 1000 Personen gerechnet. Es gibt 16 Stände. Zum Vergleich: Beim letzten Herbstmarkt 2019 waren es 52 Fahr- und Verkaufsgeschäfte sowie 27 Krammarkt- und 130 Flohmarktstände.

„Herbst-Feelings“ in Friedberg: Auch im Ausland Ideen gesammelt

Wie Block sagt, stehe das Rathaus in ständigem Kontakt mit der Kreisverwaltung. Aber selbst wenn die Inzidenzzahl weiter steigt: Das Konzept sei genehmigt, die Sicherheit gegeben. Hierfür ist jeder Schaustellerbetrieb in seinem Bereich selbst verantwortlich. »Dazu haben wir in den letzten Monaten einen Leitfaden erarbeitet«, sagt Schausteller Peter Roie. »Wir haben uns auch im Ausland umgeschaut und Ideen gesammelt.« Während sich nicht wenige seiner Mitarbeiter nach neuen Jobs umsahen, »unter anderem bei der Müllabfuhr«.

»Seit dem Weihnachtsmarkt 2019 sind die Schausteller ohne Einkommen«, sagt Roies Kollege Alexander Köhler. »Die Friedberger Herbst-Feelings sind ein echter Lichtblick.« Im Gegensatz zur Bad Nauheimer Kerb, die Köhler zusammen mit Astrid Mexia organisiert und die erneut abgesagt werden musste. Im Gegensatz zu Friedberg fehlt bei der Bad Nauheimer Straßenkerb einfach der nötige Freiraum.

Die Erfahrungen andernorts zeigten, dass sich die Besucher an die Vorgaben der Schausteller hielten, sagt Roie. »Das ist hier ja kein Volksfest wie in Bayern mit Partys im Bierzelt.« Solche Feiern seien derzeit nicht möglich. Die »Herbst-Feelings« zielten hingegen auf Familien, die einfach mal wieder Spaß haben und etwas erleben wollen. »Dass keine vollen Bierzelte möglich sind, ist für uns in Hessen freilich kein Nachteil. Wir haben mit Sachsen den niedrigsten Bierkonsum in Deutschland«, weiß Roie. Stattdessen könne man zeigen, »dass Zuckerwatte und Kinderkarussells nicht gefährlich sind«.

„Herbst-Feelings“ in Friedberg: Freiluft-Konzept wurde bereits mehrfach getestet

Es habe einiges an Überzeugungskraft gekostet, bis die Politik dem Schaustellergewerbe grünes Licht gegeben habe, sagen Köhler und Roie. Die Schausteller sind bundesweit vernetzt, tauschen ihre Konzepte aus. Die Gesundheitsämter haben diese Konzepte abgesegnet, es soll Normalität in den Alltag einziehen, soweit dies eben möglich ist.

»Vergangenes Jahr gab es 60 Veranstaltungen, in 2021 sind es schon 100, mit über 2 Millionen Besuchern«, sagt Roie. »Das findet alles an der frischen Luft statt, negative Vorfälle sind uns nicht bekannt.« Doch, hakt Roie nach und erwähnt den »Hamburger Dom«, wo 500 000 Besucher und lediglich ein positiver Corona-Fall gezählt wurden.

„Herbst-Feelings“ in Friedberg: Das wird geboten

Am morgigen Donnerstag starten auf der Seewiese die »Friedberger Herbst-Feelings«, eine Art abgespeckter Herbstmarkt mit Sicherheitskonzept. Vom 9. bis zum 26. September sind die Schaustellerbuden aufgebaut. Dies sind die fünf Fahrgeschäfte Breakdancer, Autoscooter, Disco-Express, Flieger und Kinderkarussell, außerdem kleinere Buden wie »Greifer«, Losbude, Wurfcasino, Entenangeln und ein Schießwagen. Dazu kommen Wagen mit »Speisen to go«, also Mandelwagen, Eis, Churos, Schokofrüchte und Crepes sowie drei Gastrobereiche (Gourmetwiese, Cafégarten, Street Food). Die einzelnen Schausteller sind für die Einhaltung aller Corona-Regeln in ihrem jeweiligen Bereich verantwortlich. Was zu beachten ist, wird auf Schildern und Hinweistafeln erläutert. In gekennzeichneten Bereichen müssen Mund-Nase-Masken verwendet werden. Gruppenbildung soll vermieden werden. Die Fahrgeschäfte werden nach jeder Fahrt desinfiziert.

Am morgigen Donnerstag starten auf der Seewiese die »Friedberger Herbst-Feelings«, eine Art abgespeckter Herbstmarkt mit Sicherheitskonzept. Vom 9. bis zum 26. September sind die Schaustellerbuden aufgebaut. Dies sind die fünf Fahrgeschäfte Breakdancer, Autoscooter, Disco-Express, Flieger und Kinderkarussell, außerdem kleinere Buden wie »Greifer«, Losbude, Wurfcasino, Entenangeln und ein Schießwagen. Dazu kommen Wagen mit »Speisen to go«, also Mandelwagen, Eis, Churos, Schokofrüchte und Crêpes sowie drei Gastrobereiche (Gourmetwiese, Cafégarten, Street Food). Die einzelnen Schausteller sind für die Einhaltung aller Corona-Regeln in ihrem jeweiligen Bereich verantwortlich. Was zu beachten ist, wird auf Schildern und Hinweistafeln erläutert. Bürgermeister Dirk Antkowiak freut sich auf ein »soziales Miteinander, das momentan wichtiger scheint denn je«. Das Seewiesengelände werde »so offen und weitläufig wie möglich« gestaltet, damit Sicherheitsabstände und Hygienevorgaben nach aktuellen Richtlinien sichergestellt werden können: »Wir möchten ein kontrolliertes Unterhaltungsangebot ausdrücklich für Familien anbieten, die dieses durch die eingeschränkten Freizeitmöglichkeiten nicht mehr haben. Wir schaffen hierzu mit diesem Projekt einen Ort, der trotz eingeschränkter sozialer Kontakte ein kleines Stück ›Normalität‹ bietet.« jw

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