Neben dem Einzelhandel und der Veranstaltungsbranche leidet besonders das Gastgewerbe unter den Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. SYMBOLFOTO: DPA
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Neben dem Einzelhandel und der Veranstaltungsbranche leidet besonders das Gastgewerbe unter den Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. SYMBOLFOTO: DPA

Abgehängt in Corona-Zeiten

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Wetteraukreis(pm). Eine Reihe von Branchen ist durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie schwer angeschlagen. Insgesamt ist nur knapp jedes dritte Unternehmen mit seiner Geschäftslage zufrieden. Das zeigt eine Befragung der Mitgliedsunternehmen im IHK-Bezirk Gießen-Friedberg. Das Konjunkturbarometer ist unter die Zufriedenheitsschwelle abgerutscht. Befragt wurden im September gut 1000 Betriebe. Geantwortet haben 333.

Ob Veranstalter, Reisebüros, Restaurants oder Hotels: Sie müssen sich durch die Krise kämpfen. Mit der kalten Jahreszeit und der Schließung der Gastronomie für den Betrieb in Innenräumen flaut die Erholung, die insbesondere in der Gastronomie über die Sommermonate eingesetzt hatte, wieder ab.

Wie schlecht die Stimmung ist, offenbart der regionale Konjunkturklimaindex in der Gastronomie. Er stürzte auf einen Wert von 35,4 ab. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag er noch bei 116,5. Rund drei Viertel des Gastgewerbes gehen von sinkenden Beschäftigtenzahlen aus. Besonders angeschlagen ist die Veranstaltungswirtschaft. Im IHK-Kammerbezirk sind mit Partyrent, Satis&Fy und der Röder Gruppe drei große Unternehmen aus diesem Bereich angesiedelt. Mit der Stilllegung dieser Branche seit April dieses Jahres - bedingt durch die Corona-Pandemie - gehen Umsatzverluste in Höhe von 80 bis 100 Prozent einher.

Neuer Lockdown verschärft Lage

Verschärft wurde die Situation durch den erneuten Teil-Lockdown im November. Die Branche beklagt einen mangelhaften Zugang zu den staatlichen Hilfsangeboten. Auch die Unsicherheit, welche Regelungen im kommenden Jahr greifen werden, belastet die Firmen und ihre Mitarbeiter immens.

Ähnlich finster gestaltet sich die Situation für Schausteller. Durch die Absage der Weihnachtsmärkte haben sie nach den bereits abgesagten großen Festen im Sommer ein weiteres wirtschaftliches Standbein verloren. Auch die Reisebranche leidet immens infolge der Reisebeschränkungen. "Die IHK unterstützt die Unternehmen, wo es nur geht", erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. Ein Beispiel sei die Fortbildung zum geprüften Fachbeauftragten für Hygiene im Veranstaltungswesen. Per Hotline und E-Mail (soforthilfe@giessen-friedberg.ihk.de) steht die IHK den Unternehmen zudem beratend zur Seite. In der Gesamtbewertung der Konjunktur zeigt sich, dass sich noch 28,4 Prozent der regionalen Betriebe zufrieden mit der derzeitigen Geschäftslage zeigen (2019: 33,5 Prozent). Die Unzufriedenheit hat sich dagegen gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Knapp jedes dritte Unternehmen ist unzufrieden (27,8), vor einem Jahr war dies nur knapp jedes sechste Unternehmen (17,1 Prozent). Nur noch 16,2 Prozent blicken derzeit optimistisch in die Zukunft.

In manchen Branchen zeigt sich ein anderes Bild, sie sind von den Corona-Einschränkungen nur wenig betroffen. Einige Sektoren in der hiesigen Wirtschaft können ihre Stärken auch in der Corona-Pandemie ausspielen. So weist der Bausektor in der Wetterau mit 128 einen sehr robusten Klimawert auf. Im Sommer zog der Auftragseingang sogar um 3,5 Prozent an. Der Wohnungsbau übernimmt die Rolle der Konjunkturlokomotive. Insgesamt liegt der Klimaindex Bau bei 120 gegenüber 133,1 im Vorjahr. Die Befragten rechnen zudem mit steigenden Beschäftigtenzahlen.

Aus dem überaus schwierigen Jahr 2020 werden eine Reihe von Herausforderungen in das kommende Jahr übergehen: Während der Online-Handel von der Krise profitiert, wird sich der negative Einfluss der Pandemie noch länger auf den Einzelhandel auswirken. Im Einzelhandel leidet insbesondere der Bekleidungshandel unter der Corona-Krise. Zwischen Januar und Juli betrug der Umsatzrückgang im stationären Bekleidungshandel 30 Prozent.

Die regionale Staffelung zeigt, dass der Wetteraukreis mit 103,2 den besten Klimaindex unter den befragten Regionen aufweist. Im Kreis Gießen schrumpfte der Wert von 89,6 auf 99,2. Der Vogelsbergkreis belegt mit 83,9 den dritten Platz und zeigt sich relativ unverändert (Vorjahr: 86,3). Diese Werte pendeln um den Gesamt-Index für Hessen, der mit 95 unter der Zufriedenheitsschwelle von 100 liegt.

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