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Sie kennen sich seit der Schulzeit (v. l.): Ralf Wieland, Simon Schorndanner und Max Eder aus dem mittelfränkischen Dietenhofen.

Aberwitzige Show mit exzellenten Blödeleien

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Vier Mittelfranken auf einem Road-Trip durch Finnland - so lässt sich das neue Programm des mit zahlreichen Comedy- und Kabarettpreisen ausgezeichneten »Gankino Circus« in einem Satz zusammenfassen.

Doch hinter dieser kurzen Beschreibung verbirgt sich viel mehr. Den vier Jungs aus dem mittelfränkischen Dietenhofen, die sich schon seit ihrer Schulzeit kennen, ist es einmal mehr gelungen, eine aberwitzige Show voller Musik, gepaart mit exzellenten Blödeleien und überraschenden Gags auf die Bühne zu bringen, so dass es die Fans oft von den Sitzen reißt.

Das war beim dritten Gastspiel der vier musikalisch-kabarettistischen Tausendsassa im Theater Altes Hallenbad genau so, obwohl die vier zunächst mit ungewohnt leisen Klängen überraschten. »Das ist finnische Volksmusik«, erklärte Gruppenleiter und Gitarrist Ralf Wieland nach gefühlvollem Beginn, bei dem Akkordeonspieler Max Eder als Sänger des angeblichen finnischen Liebeslieds mit ungewöhnlicher Aussprache begeisterte.

Ruhig ging es weiter. Die Titelmelodie des (natürlich fiktiven) Films »Rosemarie und die Polarlichter« zeigte auf, welch hohe Musikalität das Quartett besitzt. Simon Schorndanner brilliert mit der Klarinette. Dem steht Johannes Sens am Vibrafon in nichts nach.

So beschreiben sie musikalisch die Schönheit der finnischen Landschaft. Ruhig bleibt es nicht lange. Sens wechselt zu einem halben zwei Meter hohen Bootsrumpf, den er in der ersten Hälfte mit Händen, Fäusten und Rasseln unter großem körperlichen Einsatz bearbeitet.

Wie ein fränkischer Elvis

Spätestens da ist klar, warum der Schlagzeuger und Percussionist ein Achsel-Shirt in dem doch kühl temperierten Saal trägt. Warum der rote Bootsrumpf auf der von dem Quartett bis in den letzten Winkel genutzten Bühne steht, erfährt das Publikum im Verlauf des Abends.

Das ganze Boot sollte der Hauptgewinn beim Ameisenhaufen-Wettsitzen sein, an dem Ralf Wieland teilnahm. Leider musste er sich das Boot mit einem Russen teilen, der nach reichlich Wodka-Genuss auf seinem Ameisenhaufen eingeschlafen war.

Viele solcher aberwitzigen Geschichten erzählen die vier im Laufe ihres zweistündigen Auftritts, bei dem sie auch schon mal eine blubbernde, dampfende Kaffeemaschine als Musikinstrument nutzen oder auf drei mit Wasser gefüllten Schüsseln musizieren.

Was die eigentlich schweigsamen Finnen und die Franken vereint, das wird schnell klar: Es ist die Liebe zur Musik und je schneller, desto besser. So spielen die vier eine furiose finnische Polka, bei der die Besucher begeistert den Anweisungen der Musiker folgen.

Ein Knaller ist der eingängige Sommerhit »Das ist der Sommer«, gesungen auf »Finnisch« und Fränkisch. »Den haben wir beim Musizieren am See geschrieben«, sagte Wieland, der so die Besucher auf die Feier der Mittsommernacht nach der Pause einstimmt. Diese beginnt jedoch mit einem »Streit«. Johannes Sens »zaubert« das halbe Boot von der Bühne um in Windeseile sein geliebtes kleines Schlagzeug aufzubauen. Dann geht die Post ab. Beim fränkischen »Rock’n’Roll« hält es keinen mehr auf den Sitzen. »Die Finnen sind da drauf genauso abgefahren, wie ihr«, meint Simon Schorndanner, der als Frontsänger zum »fränkischen Elvis« (Wieland) mutiert.

Die angebliche Liebe der Finnen zu Quiz und Gesellschaftsspielen nutzt das Quartett für ein Rätsel, bei dem zwei Besucher die Bedeutung finnischer Wörter wie »Kalsarikännit« oder »Kantele« erraten mussten. Schließlich durfte sich Besucher Thomas über ein Glas »Original finnische See-Dill-Gurken« als Hauptpreis freuen. Die Besucher kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus. Der umjubelte Roadtrip nach Finnland endete mit stehenden Ovationen und der finnischen Version des »Gankino-Welthits« »Hat sich denn der Wirt erhängt, weil er uns kaa Bier ausschenkt.«

Bei Max Eder werden Wasserschüsseln zu Musikinstrumenten.
Johannes Sens spielt mit großem Körpereinsatz auf dem roten Bootsrumpf.

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