Besonderes Trio: Wolfgang Runkel an der  Orgel, Jelena Galic an der Violine und Bettina Kessler am Violoncello.	FOTO: GK
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Besonderes Trio: Wolfgang Runkel an der Orgel, Jelena Galic an der Violine und Bettina Kessler am Violoncello. FOTO: GK

Ein Abend der Kontraste

  • vonGerhard Kollmer
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Friedberg (gk). Wer von Ihnen hat schon einmal ein Werk für Violine, Violoncello und Orgel gehört? Das zweite Sommerkonzert in der Stadtkirche bot am Sonntagabend gleich dreimal die Gelegenheit, die »Königin der Instrumente« im Zusammenspiel mit beiden Streichinstrumenten zu erleben.

Die Geigerin Jelena Galic und Bettina Kessler am Violoncello sind Mitglieder des Malion Quartetts und Preisträgerinnen mehrerer Wettbewerbe. Der in Friedberg geborene Organist Wolfgang Runkel konzertierte mit renommierten Dirigenten wie Paavo Järvi und organisierte Projekte im Bereich der Neuen Musik - unter anderem mit dem Hessischen Rundfunk. Seit 2013 ist er Kantor in Bergen-Enkheim. Er eröffnete den ungewöhnlichen Musikabend mit dem 1. Satz von Johann Sebastian Bachs Orgelbearbeitung des Konzerts für zwei Violinen, Streicher und basso continuo in a-Moll von Antonio Vivaldi (BWV 593). Bach gelingt es meisterhaft, die Tutti- und Solopassagen Vivaldis auf den verschiedenen Orgel-Manualen nicht nur nachzuahmen, sondern kreativ weiterzuentwickeln.

Wolfgang Runkel präsentierte dieses selten gehörte Werk aus Bachs Weimarer Zeit seinerseits mustergültig - con passione. Im Anschluss an diese gelungene Einstimmung der etwa 50 Hörer demonstrierten Jelena Galic und Bettina Kessler ihr technisches Können und präzises Zusammenspiel anhand der Passacaglia für Violine und Violoncello des 1864 geborenen norwegischen Geigers, Dirigenten und Tonsetzers Johan Halvorsen. Das kurze Werk über ein Thema von Händel ist ein Bravourstück mit rasanten Kadenzen und zahlreichen anderen Schwierigkeiten. Für ihre virtuose Darbietung erhielten die beiden jungen Musikerinnen langen Applaus.

In der Darbietung von Georg Ph. Telemanns viersätziger Sonate in G-Dur für Violine, Violoncello und Orgel bzw. basso continuo wirkten die drei Protagonisten erstmals zusammen - und begeisterten die Gäste mit diesem kontrastreichen Werk vom sonoren Largo über das heitere Allegro und meditativ-verinnerlichte Adagio zum abschließenden jubilierenden Allegro.

Eine kühne Adaption

Von der Orgelempore herab erklangen nach der Pause drei russische Lieder des 1804 geborenen Tonsetzers Michail Glinka in einer Bearbeitung für Geige, Cello und Orgel. Auch diese vielleicht kühnste Adaption des Abends fand die Zustimmung des heftig applaudierenden Publikums.

Die für Violoncello und Orgel gesetzte »Abendmusik« des 1946 geborenen lettischen Komponisten Peteris Vasks beginnt meditativ und steigert sich bis hin zu einem schrill-bedrohlichen, abrupt endenden Orgelsolo. Eine wunderbare Violoncello-Kantilene sorgt für den versöhnlichen Ausklang dieses Stücks, in dem sich beide so unterschiedlichen Instrumente »auf Augenhöhe« begegnen. »Fratres« ist ein etwa 15-minütiges geistliches Werk für Violine und Orgel des 1935 geborenen und Anfang der 1970er Jahre in die russisch-orthodoxe Kirche eingetretenen estnischen Tonsetzers Arvo Pärt. Die Darbietung dieses Meisterwerks war Höhepunkt des Abends in der Stadtkirche. Die archaisch-spirituellen, an Glockenläuten erinnernden Dreiklänge von »Fratres« versetzten das Kirchenschiff in Schwingungen und übten eine magische Faszination auf den Hörer aus. Diese unvergleichliche Musik ist statisch und dynamisch, komplex und einfach zugleich.

Kleine Violine, mächtige Orgel: Bei Pärt finden zwei extrem verschiedene Klangkörper zu wunderbarer Harmonie zusammen. Nach diesem nicht zu toppenden Highlight konnte Franz Liszts Orgelfassung des Pilgerchors aus Richard Wagners »Tannhäuser« als letztes Stück des Abends nur noch Abgesang sein - unverdientermaßen. Nicht zuletzt, weil Wolfgang Runkel Liszts reine Orgelbearbeitung um Violine und Violoncello erweiterte und dem ehrwürdigen Choral damit etwas mehr Schwung verlieh. Nach lang anhaltendem Applaus klang der Abend mit Bachs »Air« aus.

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