Das Anzünden der Kerzen in der katholischen Kirche gehört zu den Lieblingstätigkeiten von Helmut Loos, der als einer der ersten Friedberger eine schwere Corona-Erkrankung überstanden hat. FOTO: LONI SCHUCHARDT
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Das Anzünden der Kerzen in der katholischen Kirche gehört zu den Lieblingstätigkeiten von Helmut Loos, der als einer der ersten Friedberger eine schwere Corona-Erkrankung überstanden hat. FOTO: LONI SCHUCHARDT

Corona-Infektion

89-jähriger Ex-Küster Helmut Loos dank guter Beziehungen genesen

  • vonHarald Schuchardt
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Nach 33 Jahren ist Helmut Loos als Küster der Marienkirche in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Friedberg in den Ruhestand gegangen. Loos ist 89 Jahre alt und hat eine Corona-Erkrankung überstanden.

Bis heute schließt Helmut Loos jeden Morgen gegen 9 Uhr die Marienkirche auf und bei Einbruch der Dunkelheit wieder zu. "Solange es geht, mache ich das doch gerne", sagt der 89-Jährige, der zusammen mit Ehefrau Karin direkt neben der ältesten katholischen Kirche in Friedberg lebt. Dabei hatte Loos den Kirchenschlüssel bereits abgegeben. Jedoch hat sich bis heute kein Nachfolger gefunden. "Die Kirche war nur unregelmäßig geöffnet. Da habe ich das Auf- und Abschließen wieder übernommen", erklärt der gebürtige Friedberger.

Alle anderen Küstertätigkeiten, wie das Vorbereiten der Gottesdienste oder kleinere Reparaturarbeiten, bleiben jedoch außen vor, mit kleinen Ausnahmen. "Gestern habe ich eine Glühbirne gewechselt", sagt der rüstige Pensionär, der ebenso wie Ehefrau Karin bis zum Eintritt in den Ruhestand beim Finanzamt Friedberg tätig war. "Er kann es nicht lassen. Es ist fast alles beim Alten", meint Ehefrau Karin lachend.

Dem widerspricht der Ehegatte beim WZ-Besuch im Wohnzimmer mit Blick auf die Kirche dann doch. "Wir wohnen schon in der vierten Generation hier", berichtet Helmut Loos, der von seiner Mutter katholisch erzogen wurde. Irgendwann am Ende seines Berufslebens kam er auf die Idee, Küster zu werden.

Priestergewänder auf Biertischen

"Das habe ich damals immer mal so im Freundeskreis erzählt. Irgendwann hat es Wilhelm Heininger mitbekommen und mich direkt gefragt", erinnert sich der 89-Jährige. Mit dem damaligen Pfarrer verbinden Loos viele Erinnerungen, wie der mehrfache Besuch des Bischofs von Lomza. Monsignore Heininger kooperierte eng mit dem polnischen Bistum und war dort zum Ehrendomkapitular ernannt worden. Loos: "Wir feierten in der Marienkirche ein Pontifikalamt, was nur Bischöfe zelebrieren dürfen. Das war für mich schon aufregend und etwas ganz Besonderes."

Um in der engen Sakristei der Kirche die Priestergewänder vorzubereiten und auszulegen, stellte Loos Biertische auf. "Sonst wäre es nicht gegangen, das war schon eng", erinnert er sich. Der frühere Finanzbeamte war unter vier festen Pfarrern der Gemeinde, zahlreichen zusätzlichen Geistlichen und unzähligen Kaplanen als Küster tätig.

Dabei ging sein Engagement weit über die üblichen Tätigkeiten eines Küsters hinaus. Immer wieder hat er Besuchergruppen durch die Kirche geführt, oft ganz spontan. Die Grundstückspflege, viele Hausmeistertätigkeiten im Pfarrhaus, aber auch Pflanz- und Rodungsarbeiten sowie viele Sondereinsätze waren für Loos immer selbstverständlich.

Enkel brachte das Virus aus Ischgl mit

Ehefrau Karin unterstützte die ehrenamtliche Arbeit ihres Ehemanns für die katholische Gemeinde. Sie übernahm unter anderem die Kirchenwäsche. "Wenn Helmut mal nicht da war, dann habe ich ihn vertreten", erzählt Karin Loos, deren Hobby der Garten auf dem Grundstück neben ihrem Haus ist.

Schon länger spielte Loos mit dem Gedanken, seine Küstertätigkeit aufzugeben, doch der endgültige Entschluss fiel nach einer schweren Corona-Erkrankung, von der er sich inzwischen sehr gut erholt hat. Auch Ehefrau Karin sowie Tochter und Schwiegersohn waren mit SARS-CoV-2 infiziert worden - und das schon Anfang März. "Wir waren mit die Ersten in Friedberg", sagt Karin Loos. Angesteckt wurden sie von einem ihrer drei Enkel, der in Ischgl im Skiurlaub war. "Er hatte als Einziger keine Symptome", berichtet die Großmutter.

Elf Tage lang lag Helmut Loos im Bürgerhospital, während seine Ehefrau zu Hause von der Schwiegertochter gepflegt wurde. An die ersten drei Tage kann sich Loos, der im Bad zusammengebrochen war, gar nicht mehr erinnern, und bis zu seiner Entlassung wusste er nicht, dass er am Coronavirus erkrankt war.

Loos: "Inzwischen kann ich wieder Rad fahren, schwimmen und Nordic Walking machen." Das Ehepaar ist sehr vorsichtig geworden. "Keiner weiß, ob wir immun sind", sagen Karin und Helmut Loos, die bis ins hohe Alter sportlich aktiv waren, unter anderem bis vor vier Jahren als Übungsleiter beim TSV Friedberg-Fauerbach. "Alle sagen, dass uns der Sport geholfen hat, die Krankheit in unserem hohen Alter zu überstehen." Doch Helmut Loos nennt noch einen anderen Grund: "Als Küster habe ich ja gute Beziehungen nach oben."

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