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30 Jahre und kein bisschen leise

Friedberg (aaf). Es war ein kalter Mittwoch im Januar 1991, als sich auf Initiative von Burkhard Struve neun junge Menschen im Alter zwischen 20 und 22 Jahren in einem Gemeindesaal in Frankfurt Rödelheim zusammengefunden hatten. Ihr Ziel: Ein Theaterstück aufführen. Im März war es so weit: Die »Theatergruppe Helden« wurde gegründet und benannte sich nach ihrem ersten geplanten Stück »Helden - oder der Schokoladensoldat« von G.

B. Shaw. In wenigen Jahren entwickelte sich die Rödelheimer Truppe zu einem Wandertheater, das mit jährlich neuen Stücken durch ganz Hessen zog - sechs Jahre in Folge sogar als Teil des Hessentags. Eine dieser Reisen führte sie in der Saison 2008/2009 mit »Bezahlt wird nicht« von Dario Fo nach Friedberg. Die Truppe reiste wieder ab, Vorsitzender Struve blieb, gründete eine Familie und die Geschichte des Friedberger Ensembles begann.

Eine Bühne geht auf Reisen

Durch einen Zeitungsartikel fanden sich die ersten neuen Mitglieder zusammen. Als »Helden Theater e. V.«, mit Jutta Lehnert als zweite Vorsitzende und Andreas Arnold als Schatzmeister an Struves Seite, wurde der Verein in Friedberg neu gegründet. Geprobt wurde im Gemeindezentrum West. Sie debütierten im November 2010 mit Nicolai Gogols »Der Revisor« im Albert-Stohr-Haus, das für viele Jahre die Premierenstätte des Vereins werden sollte. Wie schon zu Frankfurter Zeiten blieben sie eine Wanderbühne. Morgens wurde der Lieferwagen beladen, und mit Bühnenelementen, Traversen sowie Technik an Bord ging es auf die Reise. Von Friedberg führte es sie durch die Wetterau, aber auch in die Nachbarkreise und natürlich nach Rödelheim. Nachts um eins wurde müde, aber reich an Geschichten wieder entladen.

Seit der zweiten Friedberger Produktion, Shakespeares Sommernachtstraum mit einer unvergesslichen Aufführung unter freiem Himmel in der Degkwitz’schen Hofreite in Echzell, bereichern nicht nur Jugendliche und Kinder das Ensemble, auch hat mit Dirk Mensak ein hauptamtlicher Techniker seinen Dienst angetreten, mit dem die Digitalisierung der »Helden« voranschritt. Beamer, Verfolgungsscheinwerfer, Stroboskope und ausgefeilte Toneffekte wurden zum neuen Standard.

Von Anfang an unterstützte der Verein die Gesellschaft der Freunde Theater Altes Hallenbad mit Benefizveranstaltungen.

Seit im Jahr 2013 die ersten Kulturveranstaltungen im ehemaligen Jugendstilbad stattfanden, premieren die »Helden« dort. Seit zwei Jahren sind sie keine Wanderbühne mehr - das Theater Altes Hallenbad ist ihre neue Heimat, Proben- und Aufführungs- sowie Wohlfühlort zugleich. Die Technik der »Helden« ist nun fest verbaut und wurde zusammen mit den Möglichkeiten des Alten Hallenbads immer aufwendiger.

Neue Heimat im Alten Hallenbad

Die Zeiten herausfliegender Sicherungen in ländlichen Festhallen war vorbei. Mit Michael Frayns »Der nackte Wahnsinn« brachen sie Besucherrekorde, mit Terry Pratchetts »Gevatter Tod« wagten sie sich das erste Mal an eine Romanadaption für die Bühne und zogen Fantasyfans aus ganz Deutschland nach Friedberg, und im Jahr 2019 verließen sie erstmals die Komödie, als sie Thornton Wilders Drama »Unsere kleine Stadt« auf die Bühne brachten - ein Stück, das zudem weder Kulisse noch Requisiten kennt. Inzwischen ist das Ensemble wieder fast so jung wie damals - die meisten an Lebensjahren, und die verbliebenen Gründungsmitglieder des alten Rödelheimer und des jüngeren Friedberger Vereins zumindest in ihren Köpfen. Das jüngste Mitglied zählt elf Jahre und das älteste 65. Sie hoffen, die Bühne bald wieder betreten zu dürfen.

Die zweite Romanadaption der Vereinsgeschichte wartet mit der Umsetzung von Arnolds Fantasy-Kinderbuch »Fionrirs Reise« auf sie, und damit verlassen sie erneut das gewohnte Genre - ganz passend zum Ensemble wird es Familientheater.

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