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»Friedberg hilft« weiter

  • vonHarald Schuchardt
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Kurz nach Ausbruch der Corona-Pandemie initiierte die Stadt die Aktion »Friedberg hilft«, die nicht nur hilfsbedürftige oder ältere Menschen bei Einkäufen, Besorgungen oder beim Gassigehen unterstützt. Eine Vielzahl von Aktivitäten kamen dazu, wurden hier zusammengefasst oder koordiniert.

Wir haben schnell gemerkt, dass ältere Mitbürger und sozial Schwache durch die Auflagen und Folgen der Corona-Pandemie in Not geraten sind«, sagte Bürgermeister Dirk Antkowiak bei einem Pressegespräch zu »Friedberg hilft« im Rathauspark.

»Wir haben unsere Idee sehr schnell umgesetzt«, berichtet Christine Böhmerl, die Leiterin des Amts für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen. Zusammen mit ihrem Stellvertreter Sebastian Dein sowie ihren Mitarbeiterinnen Sigrid Bartsch und Simone Köhl koordinierte sie die verschiedenen Aufgabenbereiche.

Unterstützung holte sich die Stadt bei Veranstalter Harry Thyssen, der mit seinem Auszubildenen Merlin Krauch zunächst die ersten Einkäufe und Besorgungen für Bedürftige erledigte. »Das Angebot der Stadt hat mir auch sehr geholfen«, sagt Thyssen, dem innerhalb weniger Tage alle geplanten Veranstaltungen und Events weggebrochen waren. »Und ich konnte so meine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann fortsetzen«, freut sich Merlin Krauch, der sich sein erstes Lehrjahr doch anders vorgestellt hatte. »Es macht viel Spaß, den Menschen zu helfen. Sie sind alle sehr dankbar«, sagt Krauch.

Mehr Helfer als Bedürftige

Zuletzt wurde der Azubi zum Hundeausführer: Jeden Tag führt er morgens und nachmittags den Hund einer aus dem Krankenhaus entlassenen Krebspatientin aus. »Deren Freundin hat bei uns angefragt, ob wir das Gassigehen übernehmen könnten, da die Patientin unbedingt den Hund wieder bei sich haben wollte«, berichtet Böhmerl.

43 Hilfesuchende haben sich seit dem 17. März bei »Friedberg hilft« gemeldet. Andererseits erklärten sich 61 Kreisstädter bereit zu helfen. »Viele konnten nur zu bestimmten Zeiten, oft nur abends, das mussten wir alles koordinieren«, sagt Bartsch.

Zahlreiche Bedürftige sind längst so etwas wie Stammkunden geworden. »Für viele waren wir über längere Zeit der einzige soziale Kontakt, da gehörten auch mal Gespräche an der Haustür dazu«, erzählt Thyssen. Anfang der Woche sollte er eine Jogginghose für eine ältere Friedbergerin kaufen. »Ich bin ja im Kauf von Frauenkleidung nicht so erfahren, aber ich habe es mit Hilfe der netten Verkäuferin bei C & A hinbekommen«, berichtet Thyssen lachend.

Über das Hilfsangebot der Stadt wurden auch die Arztpraxen informiert. »Dadurch erhielten wir einige Anfragen, eine Arztpraxis rief an und bedankte sich ausdrücklich für das Angebot«, sagt Simone Köhl.

Doch die direkte Hilfe für Mitbürger war und ist nur ein Teil von »Friedberg hilft«. So wurde schon kurz nach dem Lockdown auf der eigens eingerichteten Internetseite www.friedberg-hilft.de eine Liste mit den Angeboten von 51 Friedberger Händlern, Gastronomen und Institutionen veröffentlicht. »Das wurde von den Bürgern sehr gut angenommen«, freut sich Böhmerl.

Gleiches gelte für die Übersicht an Fördermöglichkeiten in der Krise, die bis heute ständig aktualisiert werde. Ferner kooperiere »Friedberg hilft« mit weiteren Hilfsprojekten wie »Dorheim hilft Dorheim« oder »Stadthalle hilft« sowie dem am Bauamtsgebäude.

Vermittelt wurden und werden aktuell noch Erntehelfer für die Friedberger Landwirte und Obstanbauer. Geplant ist, »Friedberg hilft« mindestens bis Ende Mai fortzusetzen, da »der Bedarf noch da ist«, wie Böhmerl betont. Antkowiak ergänzt: »Sollte es eine zweite Welle geben, was wir alle nicht hoffen, dann stehen wir Gewehr bei Fuß.«

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