Das Museum "Keltenwelt am Glauberg" ist nur einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der vor knapp 25 Jahren der legendäre Keltenfürst entdeckt worden ist. Hier - und nicht unten in der Ortsmitte - soll eine dauerhafte Forschungsstätte mit internationalem Renommee entstehen.	FOTO: DPA
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Das Museum »Keltenwelt am Glauberg« ist nur einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der vor knapp 25 Jahren der legendäre Keltenfürst entdeckt worden ist. Hier - und nicht unten in der Ortsmitte - soll eine dauerhafte Forschungsstätte mit internationalem Renommee entstehen. FOTO: DPA

Forscher bleiben auf dem Berg

Das Land Hessen plant einen Neubau für ein Forschungszentrum an der »Keltenwelt am Glauberg«. Die Gemeinde hatte gehofft, diese Forschungsstätte würde in die Ortsmitte kommen. Denn bislang profitiere Glauburg nur schleppend vom Ruhm des Museums, sagt der Bürgermeister.

Geraume Zeit wähnte sich die gut 3000 Einwohner zählende Gemeinde Glauburg in der Hoffnung, mit der geplanten Dorferneuerung komme auch ein archäologisches Forschungszentrum in die Mitte des Ortes. Das rund eineinhalb Kilometer entfernte Museum »Keltenwelt am Glauberg«, einen Steinwurf entfernt von der Stelle, an der vor knapp 25 Jahren der legendäre Keltenfürst im Acker entdeckt worden ist, und der Glauberg selbst geben den Anlass für eine dauerhafte Forschungsstätte mit internationalem Renommee, die nun doch neben dem Museum entstehen wird. Die Nähe zum Forschungsobjekt obsiegte. Das Dorf am Plateauberg mit seiner 7000 Jahre alten Siedlungsgeschichte muss nun umplanen.

Für Bürgermeister Carsten Krätschmer (SPD) liegt mit dieser Entscheidung des Landes, die in einer Kleinen Anfrage der FDP an die Landesregierung bestätigt worden ist, die Welt nicht in Scherben. Mit Angela Dorn (Grüne), Ministerin für Wissenschaft und Kunst, seien Gespräche geführt worden. »Der Gemeinde wurde nie etwas suggeriert, sondern unser Anliegen wohlwollend geprüft«, sagt Krätschmer.

2014 wurde Glauburg in das Dorfentwicklungsprogramm »Integriertes kommunales Entwicklungskonzept« (Ikek) aufgenommen. Der historische Schulplatz soll zum schicken Dorfmittelpunkt umgebaut werden. Das 200 Jahre alte Schulrektorhaus soll stehen bleiben, die marode Schule und ein Versammlungshaus der Kirche sollen zwei Neubauten weichen - einer war für das Forschungszentrum bestimmt, das laut Krätschmer zusätzlich zur Finanzierung und zu mehr Besuchern beigetragen habe. Gleichwohl Glauburg dicht neben der »Keltenwelt« liegt, profitiere das Dorf - im Gegensatz etwa zu Büdingen - nur schleppend vom Ruhm, so Krätschmer.

»Zurzeit besteht das Forschungszentrum aus Bürocontainern neben der »Keltenwelt«, sagt Museumssprecher Lars Corsmeyer. Zwei Archäologen erkunden von dort nicht allein die Geschichte der Grabhügel, sondern vor allem das Plateau, heute ein frei zugänglicher archäologischer Park mit markanten Siedlungsresten. Das Forschungszentrum bestand bereits mit der Eröffnung der »Keltenwelt« vor neun Jahren. »Die Container sind kein Dauerzustand. Sie sind im Winter innen kalt und im Sommer heiß und stickig«, sagt Corsmeyer.

Ein Bauplatz für die neue Arbeitsstätte der Archäologen wurde schon ausgeguckt. Das marode »Haus Richter« soll fallen. Heinrich Richter ließ es 1935 bauen, als er begann, den Glauberg zu erforschen - mit Förderung durch die Nazis, die das Urdeutsche bei den Kelten sahen und noch heute sehen. Laut Corsmeyer wird der Neubau die Dimensionen des Richter-Hauses nur geringfügig überschreiten. Ein Keller wird zusätzlich Platz für Arbeitsgerät und Lager bieten. Den Besprechungsraum können auch Schulklassen nutzen, etwa für eine Einführung.

Allerdings wird es noch ein paar Jahre dauern, bis es so weit ist. Corsmeyer rechnet vorsichtig mit 2024/25. Gegenwärtig befinde sich das Vorhaben in einem »landesinternen Abstimmungsverfahren für Baumaßnahmen«, teilt das Ministerium von Dorn mit. Bauherrin wird der Landesbetrieb Bau und Immobilien sein.

Die Forschungsstätte samt Glauberg besäße internationale Bedeutung, so Corsmeyer. Es werde mit Einrichtungen im In- und Ausland kooperiert. Die Datenlage über den sich einst über ganz Mitteleuropa ausbreitenden antiken Volksstamm und die damaligen Epoche ist offenbar noch sehr lückenhaft. »Wir wissen erst fünf Prozent aus der Eisenzeit«, betont Corsmeyer. Auch die Funktion und die Siedlungsentwicklung des Glaubergs, der eine weite Sicht in die Wetterau ermöglicht, ist noch nicht enträtselt. Bei Grabungen werden immer noch besondere Fundstücke aus verschiedenen Zeiten zutage gefördert. Die Bodenfunde werden nach der Restaurierung bei Hessen-Archäologie in der »Keltenwelt« in Schauen präsentiert, zum Beispiel eine knapp 2500 Jahre alte Kleiderschnalle mit Fabelwesenornamenten.

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