Dieser Seat Leon ist eines der seltenen Beispiele für aufwändiges Tuning: mit Lichteffekten und von Lamborghini inspirierten Türen.
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Dieser Seat Leon ist eines der seltenen Beispiele für aufwändiges Tuning: mit Lichteffekten und von Lamborghini inspirierten Türen.

Tuningszene

Wetterau: Party in Florstadt – Tuner-Szene trifft sich zum „Ausglühen“ trotz Corona

  • vonOliver Potengowski
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Wegen Corona fallen in diesem Jahr fast alle Traditionsveranstaltungen aus. Die Tuning-Szene lässt sich davon nicht beeindrucken: Sie traf sich am Samstag zum „Ausglühen“ in Florstadt unter besonderen Bedingungen.

Zwar kamen mit rund 20 Fahrzeugen deutlich weniger zum »Ausglühen« ins Gewerbegebiet Nieder-Mockstadt als in früheren Jahren. Eine große Gruppe nutzte jedoch die Gelegenheit zur Party - wenige Stunden bevor die Schutzvorschriften strenger werden.

»Wir hatten eigentlich gedacht, dass mehr los ist«, zeigt sich eine Teilnehmerin um kurz nach 21 Uhr enttäuscht. Nur einige wenige Stammgäste seien zum traditionellen Ende der Autotunersaison gekommen. Neben ihrem violetten Seat stehen nur ein weiterer Seat, ein Golf II, dessen Tuning sich äußerlich auf einen Dachgepäckträger und tiefe Schrammen am rechten Kotflügel beschränkt, sowie ein tiefer gelegtes Golf-I-Cabriolet mit LED-Heckleuchten.

Wetterau: V8-Bollern beim Rangieren der getunten Fahrzeuge

Kaum hat sie die Worte ausgesprochen und laut darüber nachgedacht, ob es sich lohnt, noch länger zu bleiben, biegt ein erster Konvoi von sechs Autos auf das Tankstellengelände, den Ort des inoffiziellen Treffens, ein. Weitgehend serienmäßig bis auf große Alufelgen präsentieren sich die Mercedes, BMW und Seat. Nur das V8-Bollern, das die Fahrer beim Rangieren ausgiebig hören lassen, zeigt, dass zunehmend leistungsstarke Serienfahrzeuge gekauft werden, statt selber umzubauen. Ausnahme ist ein extrem tiefer gelegter Golf mit aufwändiger Metallic-Lackierung.

Obwohl das »Ausglühen« genannte Tuning-Treffen keine offizielle Veranstaltung ist und es dementsprechend auch keinen verantwortlichen Organisator gibt, ist eine junge Frau aus der ersten Vierergruppe um die Außenwirkung besorgt. Ausdrücklich weist sie die neu eintreffenden Teilnehmer darauf hin, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen oder zumindest die Abstände einzuhalten. Wie auch ihre Begleiterin, die in der Gastronomie arbeitet, kennt sie aus ihrem Berufsalltag die Probleme, die die Corona-Vorschriften den Geschäften bereiten. Auch die Sorgen, dass ein weiterer Lockdown unter anderem für viele Wirte nicht zu verkraften wäre, sind ihr bewusst.

Wetterau: Tuningszene ignoriert Coronaregeln – Polizei vor Ort

Davon ist eine dritte Gruppe, die kurz darauf auf die Tankstelle einbiegt, offenbar völlig unbeeindruckt. Dicht gedrängt stehen sie ohne Masken bei ihren Autos. Sie trinken, reden laut, lachen. Zwei Männer tragen unter dem Johlen der Gruppe einen dritten in einer Babyschale zu den Zapfsäulen.

Die Polizei sei bereits dagewesen, berichtet die junge Frau, habe aber weiter nichts gegen das Treffen gehabt. Im Laufe des Abends beobachten noch mehrfach Streifen das Gelände. »In der Spitze waren 20 Fahrzeuge anwesend«, erklärt die Polizei später auf WZ-Nachfrage.

Wetterau: Glück gehabt beim Überholen

Dass eine Gruppe Party feiert und sich nicht im Mindesten an die Schutzvorschriften hält, falle auf die ganze Szene zurück, ärgert sich die junge Frau. Es spiegelt aber auch die zwei Seiten der Tuning-Szene wider: Während ein Teil durch sorgfältige Interpretation versucht, die Grenzen der Vorschriften auszureizen, sind anderen Regeln weitgehend egal.

Ein Verhalten, das lebensgefährlich werden kann. Auf dem Heimweg von dem Treffen überholt ein Fahrer mit seinem BMW E-30 an einer unübersichtlichen Stelle. Wäre der kurz darauf entgegenkommende Fahrer nur etwas schneller gewesen, hätte sich an diesem Wochenende ein weiterer schwerer Unfall im Polizeibericht gefunden.

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