Wenn 80 Meter pro Monat 250 Euro ausmachen

Florstadt-Nieder-Mockstadt (cat). Nicht aufgeben wollen die Eltern von Nieder-Mockstädter Kindern, deren Busfahrkarten zur Schule Konradsdorf nicht mehr vom Wetteraukreis bezahlt werden. Wie Angela Fischer, Elternsprecherin in Konradsdorf, jetzt mitteilte, sei die Geduld der Eltern am Ende.

Der Kreis übernimmt künftig nur noch die Busbeförderungskosten zur nächstgelegenen Schule (wir berichteten). Das betrifft die Nieder-Mockstädter, weil vom Ortsmittelpunkt aus gesehen die Karl-Weigand-Schule in Nieder-Florstadt 80 Meter näher liegt als Konradsdorf. Geht man von der oberen Bushaltestelle auf der B 275 aus, sei es sogar kürzer als nach Florstadt, beschweren sich die Eltern. Die Rechnung kommt sie teuer zu stehen: Weil das Schulzentrum in Konradsdorf eine RMV-Tarifzone weiter entfernt ist als die Karl-Weigand-Schule, kostet die Jahreskarte mehr als doppelt so viel: 509 Euro statt der vom Kreis erstatteten 260 Euro für die Fahrt nach Nieder-Florstadt.

Die Eltern des zweitgrößten Florstädter Stadtteils schicken ihre Kinder aber nicht nur traditionell bedingt eher nach Konradsdorf. Auch die Tatsache, dass in der kooperativen Gesamtschule ab der fünften Klasse sehr gute Schüler gefördert werden, um den Übergang in den Gymnasialzweig möglichst problemlos zu gestalten, gibt bei vielen Eltern den Ausschlag pro Konradsdorf.

"Wir haben nichts gegen die Karl-Weigand-Schule, schließlich waren unsere Kinder dort vier Jahre auf der Grundschule" unterstreicht Angela Fischer. Aber die differenzierte Unterrichtung der Schüler in A-, B- und C-Kursen bereits ab dem zweiten Halbjahr des fünften Schuljahres birgt für sie und viele weitere Eltern die Gewähr einer besseren Ausbildung von guten bis sehr guten Schülern. Auch wenn die Karl-Weigand-Schule zuletzt viel für ihr Image getan habe, in diesem Punkt könne sie mit Konradsdorf nicht mithalten, zumal in Nieder-Florstadt die Einstufung der Schüler nur in zwei Kurse (Grund- und Erweiterungskurs) und auch erst in der sechsten Klasse erfolgt.

"Die Karl-Weigand-Schule ist sehr wichtig für Florstadt, und ihr Erhalt hat oberste politische Priorität", sagt auch Ortsvorsteherin Silke Schmidt-Bernhardt, "doch leider ist hier verpasst worden, sie zur integrierten Gesamtschule zu machen." Deshalb wehren sich die Eltern gegen die Aussage des Kreises, beide Schulen seien vergleichbar, weil sie identische Angebote hätten.

Besonders ärgerlich sei der Zeitpunkt der Bekanntgabe. Dass die Fahrkostenübernahme wegfalle, hätten sie erst nach der Anmeldung an der Gesamtschule Konradsdorf erfahren, sagen die Eltern. Noch dazu über Umwege. Bis die Auswirkungen des Kreistagsentscheids erkannt waren, "waren alle Tage der offenen Tür in möglichen Ausweichschulen gelaufen", erbost sich Fischer.

Eine Protestwelle wurde ins Rollen gebracht, Leserbriefe wurden verfasst und Pressemitteilungen veröffentlicht. Das hatte zur Folge, dass zumindest die betroffenen 19 Schüler der Klassen 6 bis 10 eine Art Bestandsschutz erhielten. Eine Zusage der Kostenübernahme erhielten jedoch jene zehn Kinder, die im vergangenen Jahr neu nach Konradsdorf kamen, nicht.

Die Eltern fühlen sich vom Kreis im Stich gelassen. Schuldezernent Helmut Betschel-Pflügel spreche davon, "keinen weiteren Spielraum zu haben". Landrat Joachim Arnold habe, ebenso wie die Kreistagsvorsitzende Stephanie Becker-Bösch sowie die Florstädter Fraktionen, noch gar nicht reagiert. Nur die SPD-Fraktionsvorsitzende Cäcilia Reichert-Dietzel habe Kontakt zu den Eltern aufgenommen. Unzufrieden sei man über die fehlende Unterstützung der Landtagsabgeordneten Lisa Gnadl, die im Wahlprogramm der Kreis-SPD den Slogan "Kein Kind darf zurückgelassen werden" ausgebe.

Mut machen den betroffenen Eltern hingegen Ortsvorsteherin Schmidt-Bernhardt, Bürgermeister Herbert Unger und Landtagsabgeordneter Klaus Dietz, der zwar ankündigte, dass die Schülerbeförderung eine Sache des Kreises sei, den Eltern aber dennoch riet, "dranzubleiben".

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