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Das Team von Schreiner Armin Hubl baut ein Zugmodell für DB Regio. Noch sind die einzelnen Bestandteile aus Holz erkennbar, aber am Ende soll das Modell von einem echten Zug optisch nicht mehr zu unterscheiden sein.

»IdeenzugCity«

Warum in der Wetterau die Züge der Zukunft konstruiert werden

Die Schreiner Hubl und Hubl aus Nieder-Mockstadt baut zusammen mit der DB Regio einen Modellzug. In diesem werden Ideen gesammelt, wie der Innenraum von Zügen zukünftig aussehen könnte.

Mit dem ›Ideenzug‹ soll der Fahrgastraum der Zukunft gestaltet und erlebbar gemacht werden«, sagt Armin Hubl, der gemeinsam mit seinem Sohn Till Hubl die Schreinerei Hubl und Hubl in Nieder-Mockstadt führt.

Im »IdeenzugRegio«, dem ersten lebensgroßen Modell eine Zuges, kann man seit 2017 über 20 innovative Innenraumkonzepte bestaunen. Zusammen mit DB Regio und der Designfirma Neomind baut Hubl und Hubl das neue Modell »IdeenzugCity«. Dieses soll aufzeigen, wie die Züge der Zukunft in Metropolen wie Frankfurt aussehen könnten. Er ist deshalb unmittelbar erlebbar, weil er in einem Maßstab gebaut wird, der einem echten Zugwagen entspricht.

»Der Zug ist eine geballte Ideensammlung an Möglichkeiten«, sagt Armin Hubl. »In der Zukunft könnten Züge beispielsweise auf die verschiedenen Anforderungen zu den unterschiedlichen Fahrtzeiten angepasst werden.« So könne der Zug morgens im »High-Capacity-Mode« - mit zurückgeklappten Sitzen und viel Platz für Berufspendler - unterwegs sein. Nachmittags könne der Zug wieder auf den »Comfort-Mode« umgestellt werden - Sitzbänke sind wieder ausgefahren. »Es wird auch darüber nachgedacht, wie man den Einstiegsbereich neu gestalten oder den Bereich um die Faltenbälge - viele kennen diese aus Gelenkbussen - nutzen kann«, sagt Hubl. Diese und weitere Ideen werden in dem Vorführmodell berücksichtigt.

Vom Flugzeug zur Eisenbahn

Die Schreinerei Hubl und Hubl ist unter anderem dafür bekannt, Modellflugzeuge im Originalmaßstab für die Lufthansa zu bauen. 2018 kam es zu einer ersten Zusammenarbeit zwischen der Schreinerei und der DB. Damals hat Hubl und Hubl das Modell eines ICE 4 für die Bahn nachgebaut. Diese Modelle werden, wie auch bei der Lufthansa, unter anderem zu Übungszwecken für die Mitarbeiter eingesetzt. »Die fertigen Modelle können optisch nicht von den echten Zügen unterschieden werden«, sagt Hubl.

2020 hat die Schreinerei den Zuschlag für das Modell des »Ideenzuges« bekommen. »Zunächst dachten wir, wir bauen ein normales Zugmodell, in dem neue Sachen ausprobiert werden. Doch das Projekt unterscheidet sich sehr von den bisherigen Modellen.« Anstelle eines Nachbaus handele es sich um einen Zug, der eine Inspiration für zukünftige Züge sei.

Eine Reise durch die Zeit

»Eine Besonderheit des Modells liegt in der Größe«, sagt Hubl. »Die Länge von 23 Metern untergliedert sich in zwölf Module. Jedes dieser Module erzählt eine eigene Geschichte.« Die Module könnten alle auch einzeln gezeigt und transportiert werden. Zudem stelle der Zug selbst eine Reise durch die Zeit dar, sagt Schreinermeister Gilmar Baumann aus der Schreinerei Hubl und Hubl. »Man betritt den Zug von hinten, das Modul stellt die technischen Möglichkeiten der Gegenwart dar. Umso weiter man nach vorne geht, desto weiter gelangt man zu Projekten, die auf zukünftiger Technik beruhen.« Baumann ist der Hauptverantwortliche für die technische Umsetzung des Projekts. Dabei wird er tatkräftig von der Mannschaft der Schreinerei unterstützt.

25 Firmen weltweit beteiligt

Doch noch etwas ist anders: Für den Bau des Ideenzuges arbeitet die Schreinerei weltweit mit 25 Firmen zusammen. »Die DB Regio gibt bei diesem Projekt verschiedenen Lieferanten die Möglichkeit, ihre Produkte in die Züge der Zukunft mit einzubringen«, sagt Hubl. In dem Vorführmodell werde auf den einzelnen Teilen darauf hingewiesen, von welcher Firma diese stammen.

Weil es nicht so einfach ist, 25 Firmen zu koordinieren und alles aufeinander abzustimmen, verbringt Baumann neben dem Zeichnen zusätzlich viel Zeit in Videokonferenzen. Damit alles klappt, sprechen sich DB Regio, Neomind sowie Hubl und Hubl täglich miteinander ab. »Die Arbeit verläuft gut, wenn auch mühsam, da wir die Designvorlage permanent an die technischen Möglichkeiten anpassen müssen«, sagt Hubl. »Das heißt, während unserer Herstellung können täglich plötzlich neue Ideen auftauchen, die dann noch umgesetzt werden müssen.«

Zudem arbeiten die Schreinerei und die DB an einem weiteren Ideenzug-Modell um auch die Toiletten und Fahrradwagen zukunftsorientiert zu gestalten. »Auf die WCs in zukünftigen Zügen wird man gerne gehen«, sagt Hubl. Das Modell des »IdeenzugCity« soll im Juni einem Fachpublikum vorgestellt werden. Da es sich um die Entwicklung der Züge für die nächsten zwölf bis 15 Jahre dreht, wird es aber wohl noch dauern, bis man die umgesetzten Ideen im Pendler-Alltag erleben kann. (Von Sophie Mahr)

Schreinerei Hubl und Hubl

1792 wurde die Schreinerei unter dem Namen Anton Hubl, Walzenkunstmühle in Petschau bei Karlsbad gegründet. 1949 ist die Schreinerei in die Wetterau umgezogen. Seit 1954 wird sie unter dem Namen Hubl und Hubl geführt. 1990 hat Armin Hubl die Schreinerei von seinem Vater übernommen, und seit 2019 wird er von seinem Sohn Till Hubl unterstütz. Neben dem Bau von Wohnmöbeln ist die Schreinerei auch auf den Bau von Spezialmöbeln wie Flugzeugmodelle spezialisiert.

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