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Paul Straube hat nach seiner Flucht aus Erfurt in Offenbach ein Möbellager aufgebaut und später das Grundstück in Florstadt gekauft. Heute führen (v. r.) Uwe Baumgartl, Norbert Nanz und Christoph Nanz den Familienbetrieb Möbel-Straube fort.

Familienbetrieb in fünfter Generation

Vom Lager zur Küchenlandschaft: Nieder-Florstädter Möbelhaus Straube hat 125-jähriges Jubiläum

Von der Gründung bis heute ist viel geschehen: Umzüge, Umbauten, Wasserschäden und zuletzt Corona. Eine Jubiläumsfeier gibt es erstmal nicht, doch der Familienbetrieb in Florstadt ist zuversichtlich.

Auf einem Fahrrad und nur mit der Kleidung, die er am Leib trug, ist Paul Straube 1950 aus Erfurt in den Westen geflohen. Zuvor war er in seiner Heimat unter dem Regime der DDR als Wirtschaftsverbrecher klassifiziert worden: Er hatte die Schreinerei für Büromöbel von seinem Vater Otto Staube weiterbetrieben und Möbel verkauft.

Straube floh zu seinen Verwandten nach Hanau und mietete in Offenbach Lagerräume für den Möbelgroßhandel. 1953 holte er seinen Sohn Frieder und dessen Familie nach Hanau. Gemeinsam arbeiteten sie in Offenbach. »Sie sind entweder mit dem Fahrrad von Hanau gependelt oder haben im Lager übernachtet«, erzählt Norbert Nanz, Schwiegersohn von Frieder Straube und seit 1981 Geschäftsführer des Möbelhauses.

Aus einem Lager wurden schließlich drei mit einer Fläche von über 2000 Quadratmetern. »Es kam die Idee auf, alles an einem Standort zusammenzubringen«, sagt Nanz. 1963 wurde das Grundstück in Florstadt gekauft.

Zwei Generationen als Geschäftsführer

Seit der Gründung durch Otto Straube sind 125 Jahre vergangen. Der Familienbetrieb ist inzwischen in der fünften Generation. Das älteste aktive Familienmitglied ist Norbert Nanz mit 73 Jahren, der jüngste ist der 25-jährige Steffen Baumgartl. Die Geschäftsführer sind Norbert Nanz, Uwe Baumgartl und Christoph Nanz.

Derzeit arbeiten zehn Familienmitglieder im Möbelhaus sowie 35 weitere Mitarbeiter. »Wir haben zwölf Montageschreiner. Das heißt, wir können mit sechs Lkw gleichzeitig die Produkte ausliefern und montieren«, sagt Nanz Senior. Möbel-Straube ist ein beratendes Einrichtungshaus.

»Wir beraten die Kunden beim Aussuchen der Möbel, transportieren diese zu ihnen und bauen sie auf.« Im Laufe der Jahre ist nicht nur die Familie gewachsen. Die Anzahl der Mitarbeiter hat sich vergrößert, und auch die Gebäude wurden erweitert.

Aktuell sind es 10 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sowie 2000 Quadratmeter Lagerfläche. »Die letzten Bauten sind darauf ausgelegt, dass man sie nach oben erweitern kann«, sagt Nanz. »Wir wollen aber nicht viel größer werden, da es sonst unpersönlich wird.«

Eigene Schreinerei und barrierefreie Küchenplanung

Der Wandel der Zeit zeigt sich auch in der Gestaltung des Möbelhauses: »Ich erinnere mich noch an die Zeit, als es keine Deko gab«, erzählt Nanz. »Damals gab es nur die Möbel. Später kamen Bettdecken und Kissen hinzu.

Die Ausstellungen wurden immer wohnlicher.« 2008 und Anfang des Jahres erlitt das Möbelhaus Wasserschäden. »Aber diese haben wir genutzt, um alles an den neuesten Trend anzupassen«, sagt Nanz. »Bei den Ausbauten war es uns wichtig, alles barrierefrei zu gestalten«, ergänzt Uwe Baumgartl, Schwiegersohn von Frieder Straube.

Gehhilfen und Rollstühle stehen bereit. Außerdem sind Behindertenparkplätze und entsprechende Toiletten auch vorhanden. »Bei uns wurden bereits viele Wohnkonzepte inklusive Küchen barrierefrei geplant.«

Eine Schreinerei findet sich auch heute noch auf dem Gelände. »Dort werden Änderungen und Sonderwünsche von unseren Kunden bearbeitet«, sagt Baumgartl. Die Möbel bezieht der Familienbetrieb über den Möbelverband Einrichtungspartnerring (VME).

»Das gemeinschaftliche Einkaufen sorgt für günstigere Preise«, sagt Christoph Nanz. Zudem sei Möbel-Straube nicht nur Mitglied, sondern auch Gesellschafter des VME.

Weiterhin kein Online-Shop

Ein Herzstück des Möbelhauses sei nach wie vor die Küchenabteilung. »Wir haben auf 1400 Quadratmetern rund 70 Musterküchen«, sagt Nanz Senior. »Durch die Kollektionswechsel auf den Messen tauschen wir jedes Jahr rund zehn Küchenmodelle aus.«

Einen Wandel hat das Möbelhaus jedoch nicht mitgemacht: Es gibt zwar eine Web-site, doch keinen Online-Shop. »Beim Möbelkauf muss man eine Sache riechen, sehen, spüren«, sagt Nanz. »Das ist im Internet nicht möglich. Wir leben auf keiner Insel. Wir stellen uns dem Wettbewerb mit allen großen Konkurrenten, da haben wir keine Angst vor.« Daran habe auch Corona nichts geändert.

»Die Zeit im vergangen Jahr war nicht leicht«, sagt Nanz. Zwischenzeitlich seien die Räume im Geschäft genutzt worden, um die Kinder der Mitarbeiter sowie die jüngsten Nachfahren Straubes während des Lockdowns zu betreuen.

Umweltfreundlicher Strom für das Geschäft

Aktuell habe die Größe des Gebäudes einen Vorteil: »Wenn bei uns zum Beispiel 20 Kunden gleichzeitig im Laden sind, hat jeder 500 Quadratmeter für sich, um sich in Ruhe umzugucken.«

Neue Pläne für die Zukunft gebe es noch keine. »Erstmal müssen wir alles überstehen«, sagt Nanz. »Zukunft heißt für uns, dass wir uns weiterhin um die Kunden kümmern und dass sich jeder Kunde gut aufgehoben fühlt.« Die Jubiläumsfeier soll nachgeholt werden.

»Möbel-Straube legt schon immer Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit«, sagt Uwe Baumgartl. »Aus diesem Grund haben wir bereits vor Jahren eine Photovoltaikanlage installiert und produzieren so Strom, den wir zu einem großen Anteil auch selbst verbrauchen.«

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