Die Grünen wollen, dass bei Stammheim auch weiterhin Energie aus Windkraft möglich ist.	FOTO: PM
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Die Grünen wollen, dass bei Stammheim auch weiterhin Energie aus Windkraft möglich ist. FOTO: PM

»Vogelschutz auch mit Windrädern möglich«

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Florstadt (pm). Die Florstädter Grünen sorgen sich um den Standort der Windräder bei Stammheim. »Beim Regierungspräsidium Darmstadt und beim Planungsverband FrankfurtRheinMain läuft derzeit ein Anhörungsverfahren zur Ausweisung von Windvorranggebieten. Dabei ist momentan vorgesehen, die Windenergiefläche bei Stammheim nicht mehr als solche weiterzuführen, sondern als Ausschlussfläche zu behandeln«, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung.

Im Anhörungsverfahren könne jeder eine Stellungnahme zu diesen Flächen abgeben. Auch alle Träger öffentlicher Belange sowie Städte und Gemeinden seien aufgefordert, dazu die Flächen aus ihrer Sicht zu beurteilen. Während sich aus dem Florstädter Stadtteil Stammheim bereits 42 Personen in einer Stellungnahme für den Erhalt der Windvorrangfläche ausgesprochen hätten, habe die Stadt offenbar hier noch keine Stellungnahme zu der Fläche 6402 abgegeben. Das möchten die Grünen in der nächsten Stadtverordnetensitzung ändern. Sie beantragen, den Windstandort in Stammheim als sogenanntes Vorranggebiet auch in Zukunft auszuweisen und nicht als Ausschlussfläche zu behandeln. Bürgermeister Herbert Unger habe sich dafür eingesetzt, dass der Zeitrahmen für die Einreichung von Stellungnahmen verlängert wird, weil die Sitzung erst heute stattfindet, die Frist aber schon am Montag endete.

Rotmilan nicht mehr auf der roten Liste

Als Grund für die Ausweisung als Ausschlussfläche wird das Vorkommen des Rotmilans in der Nähe der Windräder angegeben. »Er ist allerdings seit diesem Jahr nicht mehr in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten geführt, sondern lediglich auf der Vorwarnliste. Es erscheint deshalb mehr als zweifelhaft, hier vonseiten des südhessischen Regierungspräsidiums eine grundsätzliche Ablehnung von Windvorrangflächen im Umkreis von 1000 Metern um einen Horst des Rotmilans festzulegen«, meinen die Grünen. Der Rotmilan habe sich in und um Stammheim in den vergangenen Jahren trotz der Existenz von Windkraftanlagen sehr stark vermehrt und sei im Sommer der häufigste Raubvogel am Himmel. »Es gibt also offenbar keinen grundsätzlichen Konflikt zwischen Artenschutz und umweltfreundlicher Energieerzeugung.« Nach derzeitigem Stand würden die Windräder, die seit gut zwei Jahrzehnten das Landschaftsbild von Stammheim mitgeprägt hätten dann wegfallen, wenn die Anlagen aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen abgängig seien. Ein sogenanntes Repowering, also der Ersatz durch neue leistungsfähigere Windenergieanlagen wäre ausgeschlossen. »Da gerade in Südhessen das Ziel des Energiegipfels von 2011 von allen politischen Kräften im Land, nämlich zwei Prozent der Fläche für die Windenergie zu reservieren, nicht erreicht ist, muss an den Kriterien für deren Festlegung gearbeitet werden«, mahnen die Grünen.

Falls es in Stammheim zu einem Repowering der Windräder kommen sollte, gehe das sowieso nur mit einem immissionsschutzrechtlichen Verfahren, bei dem natürlich auch die Belange des Naturschutzes geprüft würden. Hierbei können sogar Anordnungen getroffen werden, die beispielsweise den Betrieb der Anlagen zu den Zeiten untersagen, wenn zum Beispiel die Jungvögel den Horst verlassen, also flügge werden. »Ein genereller Ausschluss erscheint nicht günstig, insbesondere, weil in Zukunft die Kommunen an den Einnahmen aus den Windenergieanlagen beteiligt werden sollen«, so die Grünen.

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