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Die Kinder lernen Hund Ole und Rabe Leo in der Fibel kennen. Die Handpuppen kommen auch im Unterricht zum Einsatz.

Einschulung

Wie sich Grundschullehrerinnen in der Wetterau auf Erstklässler vorbereiten

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Heute kommen sie, die Erstklässler. Für die Grundschullehrerinnen an der Karl-Weigand-Schule in Florstadt ist das ein spannender Tag. Sie können es kaum erwarten, ihre Schützlinge kennenzulernen. Worauf kommt es in der ersten Zeit an?

Bisher sind es nur Namen auf dem Papier. Doch heute lernen sie sich kennen: die Erstklässler und ihre Klassenlehrerinnen an der Karl-Weigand-Schule in Florstadt. "Ich kann nachts kaum noch schlafen", erzählt Nathalie Rauch. Auch, wenn das schon ihr 14. Jahr ist, ist die Grundschullehrerin aufgeregt. "Jeder Jahrgang ist anders." Rauch ist eine der Lehrerinnen, die heute eine erste Klasse übernehmen. Ihre Kolleginnen sind ähnlich aufgeregt. "Man lernt in den ersten Tagen viele neue Menschen kennen", sagt Melanie Linde. Gleich am Donnerstag steht der erste Elternabend an.

In den Ferien haben die Kolleginnen fleißig ausgeschnitten, geklebt und verziert, damit heute alles perfekt ist. Jeder Schüler bekommt ein liebevoll gestaltetes Namensschild und ein Klämmerchen mit seinem Namen darauf, für die Klassendienste. Auch die ersten Unterrichtstage sind schon geplant. Dabei steht zunächst viel Organisatorisches an: "Die Kinder müssen die Schule kennenlernen, wir müssen Regeln aufstellen und das Busfahren üben", sagt Nicole Albus. Trotzdem gibt es am ersten Tag schon eine Hausaufgabe: "Die Schüler sollen die erste Zahl, die Eins, nachzeichnen."

Erstklässler: Wer braucht was?

Auch für die Lehrerinnen gibt es eine Hausaufgabe: Namen und Gesichter lernen. Wie lange es dauert, bis sie alle draufhaben? "Nur einen Tag", sagt Linde. "Das ist eine Gabe von Grundschullehrern." Die Herausforderung in den ersten Tagen sei eher, herauszufinden, wer was brauche. "Einfach das Material von vor vier Jahren rauszuholen, funktioniert nicht", weiß Rauch.

Empfangskomitee (v. l.): Nicole Albus, Sandra Hammann, Silke Rehr, Nathalie Rauch und Melanie Linde sind Grundschullehrerinnen an der Karl-Weigand-Schule in Florstadt und freuen sich schon, die neuen Erstklässler kennenzulernen.

Die Lehrerinnen müssen sehr flexibel sein und auf die Interessen und Bedürfnisse der Kinder eingehen. "Was letztes Jahr angesagt war, zum Beispiel die Dinosaurier, kann in diesem Jahr schon wieder out sein", sagt Sandra Hammann. Ihre Klasse ist inzwischen schon im zweiten Schuljahr. An die ersten Tage erinnert sie sich aber noch genau. "Die Kinder bringen auch eigene Themen ein, die sie gerade beschäftigen. Oft schaffe ich deshalb gar nicht alles, was ich mir für den Tag vorgenommen hatte", sagt Linde.

"Man wird permanent von den Kindern in Anspruch genommen", betont Hammann. Deshalb seien die ersten Wochen auch anstrengend. "Wenn sich der eine mit der Schere verletzt, findet der nächste sein Heft nicht und ein dritter muss auf die Toilette. Manchmal bräuchte ich zehn Arme", sagt Albus und lacht. Nicht selten sei sie mittags schweißgebadet.

Komplimente und Umarmungen

Natürlich werde auch mal geschimpft, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält. "Der Erziehungsauftrag ist in den letzten Jahren immer größer geworden", sagt Hammann. Doch Sätze wie "Du bist toll" oder "Heute siehst du hübsch aus" machen für die Lehrerinnen selbst schwierige Elterngespräche wieder wett. "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht gedrückt werde oder ein Kompliment bekomme", erzählt Rauch. "Die Kinder geben so viel zurück." Sie seien offen, ehrlich, nie nachtragend und immer motiviert. Nach den Ferien heiße es oft "Ich bin froh, wieder da zu sein" oder "Ich hab die Schule so vermisst".

Ein Grund, weshalb Albus jeden Morgen gerne aufsteht und zur Schule fährt. "Und natürlich wegen den netten Kollegen." Linde ergänzt: "Wir bringen den Kindern die Grundsätze fürs Leben bei. Es ist toll, zu sehen, wenn sie am Ende der ersten Klasse lesen, schreiben und rechnen können."

Umso schwerer falle es, sich nach der vierten Klasse von ihnen zu trennen. "Am letzten Schultag fließen Tränen, auf beiden Seiten", sagt Albus. "Ich bin schon am Tag vorher fix und fertig", erzählt Rauch. "Die Kinder haben einen großen Platz in meinem Herzen", ergänzt Linde. "In diesen vier Jahren sind das meine Kinder." Und die werden beschützt. "Man verteidigt seine Klasse gegenüber den anderen wie eine Löwenmama", sagt Rauch. "Es tut sehr weh, sie gehen zu lassen." Zum Glück ist es erst wieder in vier Jahren so weit.

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