Wie schon der Opa: Mit zwei PS durch den Florstädter Stadtwald

Florstadt (sl). »Wir werden bei Holzrücken näher zusammenrücken, die Kooperation wird ganz bestimmt zunehmen«, sagt Werner Schaaf vom Forstamt Nidda. Er spricht von der Zusammenarbeit mit Ralf Zauner, der derzeit mit seinen zwei Kaltblutpferden beim Holzrücken (dem Ziehen gefällter Bäume) im Nieder-Florstädter Stadtwald zugange ist.

Die Vorteile der Pferde gegenüber schweren Maschinen will man sich beim Forstamt Nidda künftig wieder stärker zunutze machen. Im Beisein von Revierförster Werner Uhrig und Florstadts Umweltberater Alfred Schlosser demonstrierte Zauner die traditionelle Arbeit mit den Pferden, die bis in die 60er Jahre in den heimischen Wäldern gang und gäbe war. Damals gab es in Nieder-Florstadt zwei Holzrücker, die mit ihren Vierbeinern im Einsatz waren: Heinrich Diefenbach und Richard Koch, Zauners Großvater. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bodenverdichtungen und Waldschäden fielen mit nur zwei Pferdestärken wesentlich geringer aus als beim Maschineneinsatz. »Wenn ein Pferd sechs Stunden täglich arbeitet«, rechnet Zauner vor, »wäre das vergleichbar mit einem Dieselverbrauch von 30 Litern. Bei 200 Arbeitstagen im Jahr summiert sich das auf 6000 Liter Diesel.« Gehe man von 15 Jahren Arbeitseinsatz aus, komme man auf die stattliche Summe von 90 000 Litern eingespartem Kraftstoff.

Zudem seien die Tiere in Anschaffung und Unterhaltung günstiger, weiß Zauner, der in der Regel sechs bis sieben Stunden im Freien zugange ist. Derzeit lässt er es allerdings langsam angehen und gewöhnt die Kaltblüter, die vor Weihnachten eine längere Pause eingelegt hatten, ganz gemächlich an den Arbeitseinsatz. Schließlich werde das Holz ja auch nicht mehr für diesen Winter benötigt, scherzt der Pferdehalter.

Die gefällten Bäume, sagt Revierförster Uhrig, resultierten aus der Umsetzung eines Pflegekonzepts, mit dem man wertvolle Bäume freistellen wollte. Ein optimales Einsatzgebiet für Zauner und seine Rückepferde, »denn das Sortiment passt«, sagt der Nieder-Florstädter. Mit einer Schlingkette hängt er die Bäume an und manövriert seine Pferde mit klaren Kommandos aus dem Wald. Hierbei nutzt er die bereits vorhandenen Rückegassen.

Das Interesse an Brennholz ist nach wie vor hoch: Im Florstädter Wald stehen in der Abteilung 17, wie das derzeit von Zauner bearbeitete Areal heißt, in erster Linie Fichten und Buchen, die zu Industrie- oder Brennholz verarbeitet werden. Größter Vorteil von Brennholz sei sein klimafreundliches Verhalten, denn es ist CO2-neutral. Außerdem: Die Wertschöpfung bleibe vor Ort, denn das Brennholz wachse mit geringen Produktionskosten vor der Haustür. Auch Zauners Pferde finden ihr Futter, ihren Schmied und ihren Tierarzt in der Region.

Das geschätzte Volumen für Zauners Auftrag liegt bei rund 60 Festmetern. Das genaue Ergebnis liegt aber erst vor, wenn alle Stämme hervorgeholt und gemessen wurden. Bereits seit zwei Wochen ist Zauner regelmäßig im Wald und arbeitet sich mit den Tieren durch das Einsatzgebiet. Unterbrochen wird er dabei höchstens von neugierigen Spaziergängern, die das Gespräch suchen. »Die soziale Komponente ist in meiner recht seltenen Branche sehr hoch«, lacht Zauner.

Für ihn im Einsatz sind ein flämisches und ein rheinisch-deutsches Kaltblutpferd, die sich durch ihre Größe, Kraft und Ausdauer hervorheben. Sie sind 13 und 14 Jahre alt und können noch etwa sieben Jahre als Arbeitspferde eingesetzt werden. Besonders stolz ist Zauner auf seine flämischen Pferde, die erst vor einigen Jahren wieder in Belgien eingeführt worden seien. In Deutschland gebe es elf Kaltblutflamen, fünf davon stehen in seinem Stall in Nieder-Florstadt. Zuletzt war Zauner in den Wäldern von Bad Nauheim und Bad Vilbel aktiv; Holz gerückt hat er auch bereits in Wöllstadt, Ortenberg, Ranstadt und Nidda. Er fahre zu jedem Ort, den er innerhalb einer Stunde erreichen könne, sagt der Fuhrhalter.

Revierförster Uhrig und Produktionsleiter Schaaf sind sich sicher, dass der Mix aus Pferde- und Maschineneinsatz das Beste für die heimischen Wälder ist - gerade in Gebieten, die wie in Florstadt als Fauna-Flora-Habitate (FFH) ausgewiesen sind. Allerdings gebe es nicht mehr viele wie Ralf Zauner, die das Holzrück-Handwerk beherrschten. Die Mischung beider Techniken komme in Zukunft immer öfter zum Einsatz, glaubt Schaaf. Auch wenn manche Förster vor Ort noch davon überzeugt werden müssten.

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