Damit die Amphibien nicht totgefahren werden, gibt es vielerorts sogenannte Krötenzäune, wie zwischen Leidhecken und Staden. Solche Projekte umzusetzen erfordert jedoch Engagement. Helfer werden deswegen stets gesucht.
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Damit die Amphibien nicht totgefahren werden, gibt es vielerorts sogenannte Krötenzäune, wie zwischen Leidhecken und Staden. Solche Projekte umzusetzen erfordert jedoch Engagement. Helfer werden deswegen stets gesucht.

Krötenwanderung

Heike Römer rettet Kröten vor den Autos

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Jahr für Jahr werden unzählige Amphibien auf den Straßen totgefahren. An vielen Orten stellen Naturschützer deswegen Krötenzäune auf. So auch zwischen Leidhecken und Staden.

Manchmal, wenn Heike Römer am frühen Morgen oder am späten Abend an der Landstraße steht, hält ein Auto an. Ob sie etwas sucht oder ob sie einen Unfall hatte, wird sie dann gefragt.

Nein, nichts von beidem, sagt sie. Sie trage bloß die vielen Amphibien über die Straße, erklärt sie dann. Die, die aus dem Wald kommen und ins Mähried wollen. Und da so eine Kröte nicht besonders schnell unterwegs ist, haben sie auf der Straße nur geringe Überlebenschancen. »Die weibliche Kröte trägt die männliche, und sie brauchen 15 Minuten, um die Straße zu überqueren.« Zu oft kommen Autos, die die Tiere plattfahren.

Die Leidheckenerin hat sich deswegen vor zwei Jahren zur Zeit der Krötenwanderung zum ersten Mal dafür eingesetzt, dass ein Zaun an der Landstraße zwischen Leidhecken und Staden aufgebaut wird. Hilfe bei der Organisation bekam sie von Udo Seum vom NABU Bingenheim. So seien im ersten Jahr 500 Amphibien gerettet worden. Auch 2019 stellten sie den Zaun wieder auf - diesmal zählten sie 600 Amphibien.

In diesem Jahr ging es schon früher los als gewöhnlich - bereits am 22. Februar baute eine Gruppe aus Helfern den Zaun auf, wie Heike Römer erzählt. Zum Glück. Denn in der Regel geht es mit den Krötenwanderungen erst im März los. »Aber ich habe die Wetterlage beobachtet - es wurden viel Regen und höhere Temperaturen vorausgesagt« - perfekt für Kröten, um loszuwandern.

Seither seien schon an die 2000 Amphibien (denn neben den Kröten sind auch Molche oder Grünfrösche dabei) gerettet worden.

Krötenwanderung: Erlebnis im März 2018

Die Idee, dass ein Zaun an der Straße aufgebaut werden solle, kam durch ein konkretes Erlebnis im März 2018. Heike Römer wohnt in Leidhecken, ihre Schwägerin in Staden. Der Geburtstag der Schwägerin ist im März. Als Römer und ihr Mann im März 2018 abends von der Feier nach Hause gefahren sind, ist es ihnen aufgefallen: Die ganze Straße war voller Kröten - und ständig kam ein Auto. »Es hat mir das Herz gebrochen. Ohne Zaun geht gar nichts. Die Kröten haben gar keine Chance.«

Daraufhin setzte sie sich mit dem Nabu in Bingenheim in Verbindung. »Ohne den Nabu hätte all das nicht geklappt.«

Der Zaun ist 200 Meter lang. Auf dieser Strecke sind acht Fangeimer in den Boden gegraben. Wenn die Kröten die Straße überqueren wollen, aber vor einem Zaun stehen, beginnen sie, am Zaun entlangzulaufen - und fallen in einen Eimer. Dort holen die engagierten Naturschützer sie ab - morgens um etwa halb 7 und noch mal abends gegen halb 10 - und bringen die Kröten auf die andere Straßenseite. Das wird bis Mitte März nötig sein, vielleicht auch bis Mitte April. Dann ist die Zeit der Wanderung vorbei. Die Tiere verbringen den Sommer im Mähried - ein Gebiet, in dem es gute Laichplätze gibt. »Sie tragen wie alle Lebewesen zum Gelingen der Natur bei.« Deswegen sei die Rettung wichtig, und deswegen setzt sich die Naturschützerin für einen feststehenden Zaun ein.

Krötenwanderung: Bürokratische Hürden

Bisher sei der Versuch erfolglos geblieben. Keiner habe sich so recht zuständig gefühlt. Wie Bürgermeister Herbert Unger sagt, ist die Behörde Hessen Mobil zuständig, da es sich um eine Landesstraße handelt. Er sagt aber: »Sollten wir im Rahmen der Amtshilfe hier unterstützend eingreifen können, werden wir das natürlich gerne tun.«

Vonseiten der Behörde Hessen Mobil heißt es: »Zahlreiche Amphibien unterliegen bei Ihren jährlichen Wanderungen dem Straßenverkehrstod.« Bei Massenwanderungen sei zudem die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet. Übergeordnetes Ziel des Landes sei es daher, die »Sicherstellung einer gefahrlosen Querung durch dauerhafte und artgerechte Querungshilfen«.

Für die Behörde sei es jedoch nicht ohne Weiteres möglich, einen Zaun aufzustellen, heißt es von der Pressestelle: Grundlage seien Datenerhebungen über Amphibienwanderungen, dazu kämen Vermessungsarbeiten, auch müsse die Grundstückssituation geklärt werden. »Unter Umständen ist sogar ein Baurechtsverfahren erforderlich. Ebenso müssen die notwendigen Kosten ermittelt, beantragt und im Rahmen der Haushaltsmittel vom Baulastträger zur Verfügung gestellt werden.«

Zudem kämen weitere bürokratische Hürden dazu - vor allem Abstimmungen zwischen den einzelnen Behörden entsprechend der Zuständigkeit. Bisher sei die Strecke zwischen Staden und Leidhecken jedoch in keiner sogenannten Bedarfsplanung enthalten. Eine kurzfristige Umsetzung sei daher nicht in Aussicht. Aber: Die Anregung für einen Zaun an der L3188 habe man nun weitergegeben, um »gegegbenenfalls im Falle weitergehender Bau- bzw. Planungsnahmen auf dem Streckenabschnitt, für die Bedarfsplanung zum Amphibienschutz vorzumerken.«

Krötenwanderung: Amphibien unterwegs

Die Amphibien sind meist nachts unterwegs auf dem Weg zu ihren Laichgewässern - Tümpel oder Seen, in denen sie ihre Eier ablegen können. Sie verlassen ihr Winterversteck, sobald es wärmer wird. Dann ziehen sie zu den Gewässern, in denen sie selbst geboren wurden. Die Weibchen tragen dabei die Männchen Richtung Wasser. Dort legen sie dann ihre Eier ab, aus denen kurze Zeit später Kaulquappen schlüpfen.

Wer im kommenden Jahr zwischen Leidhecken und Staden helfen möchte, die Amphibien über die Straße zu tragen, kann sich an Heike Römer wenden unter Tel. 01 51/65 23 54 14.

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