Ratschläge statt Nötigung

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Am dritten Tag seines Berufungsverfahrens vor dem Gießener Landgericht hat der wegen schwerer Brandstiftung angeklagte 33-Jährige aus Florstadt den Widerruf seines ursprünglichen Geständnisses wiederholt. Und das, obwohl diesmal die Tonbänder seiner Vernehmung abgespielt wurden, während der er die Taten gestanden hatte. Wie diese Bänder plötzlich wieder aufgetaucht sind, kam nicht zur Sprache. Nur, dass die Staatsanwaltschaft sie zur Verfügung gestellt hatte. In der ersten Verhandlung hatte es geheißen, die Bänder seien offensichtlich nicht archiviert worden.

Am dritten Tag seines Berufungsverfahrens vor dem Gießener Landgericht hat der wegen schwerer Brandstiftung angeklagte 33-Jährige aus Florstadt den Widerruf seines ursprünglichen Geständnisses wiederholt. Und das, obwohl diesmal die Tonbänder seiner Vernehmung abgespielt wurden, während der er die Taten gestanden hatte. Wie diese Bänder plötzlich wieder aufgetaucht sind, kam nicht zur Sprache. Nur, dass die Staatsanwaltschaft sie zur Verfügung gestellt hatte. In der ersten Verhandlung hatte es geheißen, die Bänder seien offensichtlich nicht archiviert worden.

Der Familienvater war vor rund zwei Jahren wegen Brandstiftung in Florstadt im Spätherbst 2013 in vier Fällen zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Vor der Polizei hatte er eingeräumt, die Taten begangen zu haben, weil er Stress mit seinem damaligen Vermieter wegen des Zustands des angemieteten Hauses hatte.

Tonbänder abgespielt

Als seine Ehefrau ihm dann auch noch Vorwürfe machte, dass er vorschnell den Mietvertrag unterschrieben habe, habe es für ihn nur eine Möglichkeit gegeben: Er wollte wieder raus aus dem Haus. Und das sollte mithilfe der Brände geschehen.

Allerdings habe er nie gewollt, dass dadurch eine Person in Gefahr geriet, hatte der Angeklagte seinerzeit erklärt. Bei dem letzten Brand mussten seine Frau und fünf der sechs Kinder über Feuerwehrleitern aus dem Haus gerettet werden. Sie erlitten Rauchvergiftungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Als eine hohe Freiheitsstrafe, vor den das Amtsgericht drohte, widerrief er sein Geständnis.

Er sei von den Polizeibeamten mit Drohungen unter Druck gesetzt worden, ein Geständnis abzulegen, und auch über seine Rechte sei er nicht aufgeklärt worden, sagte der Angeklagte. Auch habe er beim Verhör keinen Anwalt hinzuziehen dürfen.

Am Donnerstag, dem dritten Verhandlungstag, ließ das Berufungsgericht deshalb die Tonbänder abspielen, die während der Vernehmung liefen und das Geständnis aufzeichneten. Sie enthielten sowohl die Belehrung über seine Rechte als auch die recht einfühlsame Vernehmung der Polizeibeamten. Was der Angeklagte als Druck und Nötigung geschildert hatte, stellte sich als Ratschläge und Empfehlungen der Beamten heraus, wie er sich bei der Beweislage eventuell noch Pluspunkte für ein milderes Urteil einhandeln könne.

Auf die Frage des Richters, wie er zu den Tonbandprotokollen stehe, blieb der Angeklagte bei seiner anfänglichen Aussage: "Ich habe mir das bei der Polizei alles nur ausgedacht, weil ich Angst vor einer langen Gefängnisstrafe hatte. Aber ich war es nicht. In keinem der vier Fälle. Und mit der Belehrung, das habe ich einfach vergessen."

Auf Antrag der Verteidigung soll nun noch der Ergänzungspfleger vernommen werden, dem das Familiengericht das Sorgerecht über einen Teil der sechs Kinder übertragen hat. Er soll Einblick in das Familienleben des Angeklagten geben.

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