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In diesem Zimmer dreht Mareen Wollmann die Produktvideos für ihre Online-Partys. In der Hand hält sie den Backofenreiniger, der sie selbst zur Anwenderin und Verkäuferin von Prowin gemacht habe.

Kundenwerbung in Corona-Zeiten

Online-Partys machens möglich: Zu Hause verkaufen

  • VonSophie Mahr
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Durch die aktuellen Corona-Regeln im Wetteraukreis können auch vor Ort wieder Verkaufspartys stattfinden. Doch wie ist es den Direktvermarktern in den vergangenen Monaten ergangen?

Normalerweise habe ich ein bis zwei Mal pro Woche eine Party«, sagt Mareen Wollmann, Beraterin von Prowin. Die Firma vertreibt ihre Produkte - Putzmittel, Beauty und Wellness-Artikel sowie Sachen für Haustiere - direkt. Wollmann spricht von einer Verkaufs-Party.

Doch wegen der Pandemie waren diese nicht mehr möglich. »Da haben wir uns gefragt, was machen wir denn jetzt? Denn dabei verdient man das Geld«, sagt Wollmann. Ein festes Verkaufsgebiet gebe es nicht.

»Der Kunde entscheidet, bei welcher Beraterin er kaufen möchte.« So sei ihr Wirkungskreis auch vor Corona über ihren Wohnort Florstadt hinausgegangen.

Partys schnell auf online umgestellt

»Prowin hat schnell reagiert und auf Online-Partys umgestellt«, erinnert sich die Florstädterin. »In unserem Team haben wir Fotos gemacht, Videos gedreht und diese untereinander ausgetauscht.« Prowin habe einen eigenen Messengerservice bereitgestellt.

Doch Wollmann habe die Partys meist über Whatsapp veranstaltet. »Die ersten Partys waren ziemlich holprig«, sagt die Florstädterin. »Doch mit der Zeit hat man viel gelernt. Obwohl es keine Face-to-Face-Party mehr war, war die Herzlichkeit, die so eine Party ausmacht, auch hier oft zu spüren.«

Ebenso erging es der Reichelsheimerin Janine Repp-Seibert. Sie ist nebenberufliche Repräsentantin für das Küchengerät Thermomix - auch bei ihr gibt es keine festen Verkaufsgebiete. Normalerweise bietet sie ein sogenanntes Erlebnis-Kochen an, um die Küchenmaschine zu präsentieren. »Vorwerk hat schnell reagiert und auf Online umgestellt«, sagt Repp-Seibert. Auch ihr Team habe Bilder gemacht.

Gruppengröße sagt nichts über Verkauf

»Am Anfang haben wir Whatsapp genutzt, dann sind wir auf Zoom umgestiegen.« Die Gruppengröße sei, wie vor Ort, bei drei bis vier Personen geblieben. »Ich hab' im Livestream gekocht. Dabei haben mich drei Gesichter über Zoom angeguckt und ihre Fragen gestellt.

Es hat nicht immer alles geklappt, aber den Leuten hat es Spaß gemacht. Am Ende hieß es leider immer: ›Wir dürfen jetzt nicht probieren‹ «, sagt Repp-Seibert.

Bei Wollmann habe die Größe der Gruppen variier t. Vor Ort seien die Partys anhand der Räumlichkeiten beschränkt. Online hätten bei ihr zwischen fünf und dreißig Personen teilgenommen.

»Die Gruppengröße sagt nichts über den Verkauf aus. Auch die Online-Partys versuche ich, individuell und persönlich zu gestalten und auf die Probleme der einzelnen einzugehen«, sagt Wollmann.

Mehr Interesse am Kochen und Putzen

Obwohl sich der Verkaufsweg verändert habe, sei der Absatz bei Wollmann kaum eingebrochen: »Die Menschen haben mehr Zeit zu Hause verbracht und mehr Wert auf ein sauberes Zuhause gelegt. Die einen sind Probleme angegangen, für die sie sonst keine Zeit hatten. Andere wollten, dass es schnell sauber wird.

Außerdem interessieren sich immer mehr Leute für nachhaltige Produkte.« Repp-Seibert habe sogar noch mehr Nachfrage als vor Corona gehabt: »Der Wunsch nach gesundem regionalen Essen ist da. Viele wollten eine schnelle Küche, aber nicht bestellen.«

Die Reichelsheimerin habe eine Kundin gehabt, die erst durch Corona mit dem Kochen angefangen habe. »Einige haben mit dem Thermomix mit ihren Kindern auch Knete oder Schleim zum Spielen gemacht.« Auch Repp-Seibert habe beim Kochen Mutter-Tochter-Zeit gehabt. »Wir haben abwechselnd Videos gedreht, um zeigen zu können, was man mit dem Thermomix alles machen kann.«

Noch keine Termine für Präsenzpartys

Für Wollmann hatten die Online-Partys einen Vorteil: »Ich bin eine dreifache Mama. Durch die Online-Partys konnte ich immer für die Kinder da sein, ihnen bei den Hausaufgaben helfen und trotzdem weiter arbeiten.« Homeschooling und Homeoffice hätten sich bei ihr gut aufeinander abstimmen lassen. »Beim Verpacken der Sachen haben mir die Kinder oft geholfen.«

Durch die Lockerungen im Wetteraukreis sind aktuell kleinere Verkaufspartys erlaubt. Doch Wollmann bleibt erstmal bei den Online-Partys: »Ich habe schon viele Anfragen für Präsenzpartys, aber noch keine Termine vergeben. Ich möchte lieber noch ein paar Wochen warten.«

Repp-Seibert gibt heute Abend wieder ihr erstes Erlebnis-Kochen vor Ort: »Jetzt können die Leute auch wieder probieren. Das Kochen ist wirklich ein Erlebnis. Riechen, schmecken, anfassen und probieren ist eben etwas anderes als ein Video.«

Die Kunden von Janine Repp-Seibert konnten ihr beim Kochen mit dem Thermomix in der eigenen Küche online zuschauen.

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