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Ohrwürmer und Skatastrophen

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Florstadt-Stammheim (ka). Kann es gut gehen, wenn ein Chorverein einen Rockabend für junge Leute veranstaltet? Es kann, wie der Volkschor Stammheim und sechs junge Rockbands schon im vergangenen Jahr bewiesen haben. Da war der Rockabend noch Teil des Festprogramms zum 100-jährigen Bestehen gewesen. Die zweite Auflage stand dieses Jahr auf eigenen Beinen.

Erneut präsentierten sich sechs Bands in einem über vier Stunden dauernden Programm und zeigten eindrucksvoll, dass handgemachte Musik bei der jungen Generation noch lange nicht tot ist.

X-10derness aus Karben übernahm die anspruchsvolle Rolle des Openers und stimmte die Zuschauer ein. Besonders erwähnenswert: Frontmann Marc Proffert, der mit seiner eindrucksvollen Stimme schnell für gute Laune sorgte. Die Band setzt sich aus Schülern des Berufsbildungswerks in Karben zusammen und wechselte während ihres Auftrittes mehrmals die Formation, sodass über zehn Musiker zum Einsatz kamen.

Noch mehr Personal hatte nur Henry’s Cool Band, die Schulband der Henry Benrath Schule, zu bieten. Die 15 Musiker Nachwuchsmusiker boten den Zuhörern Stücke wie »First Cut Is The Deepest« und »Africa«.

Als dritte Gruppe betrat LessPoints die Bühne. Die fünf Stammheimer um Frontfrau Nina Wolf spielten nur eigene Stücke, deren Markenzeichen düstere, schwere Gitarrenriffs sowie der Einsatz eines Synthesizers sind. Auch sie sind keine Unbekannten - im vergangenen Jahr hatten sie noch unter dem Bandnamen Neon den Abend eröffnet. Mittlerweile aber spielt die Gruppe in neuer Besetzung und scheint mit dem Synthesizer das Instrument gefunden zu haben, das sie von anderen Gruppen unterscheidet.

VeTo, eine vierköpfige Band aus Niddatal, zeigte dann, dass Rock und Rap miteinander harmonieren können. Ob Beziehungs- oder Polit-Themen: Die Jungs verarbeiteten alles in ihren deutschen Texten und spielen gekonnt mit dem Wechsel von Rap und melodischem Gesang. Beim selbsternannten Welthit »Sag was« sang das Publikum den Refrain schon beim zweiten Mal mit. Ganz klar: Der VeTo-Sound geht ins Ohr.

Trotz dieser guten Performance hatte sich der Saal gegen 23 Uhr etwas geleert. Wer schon gegangen war, verpasste einen der Höhepunkte des Abends: FönX aus Friedberg, die schon im vergangenen Jahr als Headliner aufgetreten waren - damals allerdings noch als The Drunken. Die vier Jungs spielten locker und munter ihren Mix aus Coversongs und eigenen Liedern, der beim Publikum richtig gut ankam. Sänger Julian Zschocke lieferte dabei ein Paradebeispiel ab, wie man dem Publikum auch abseits der Musik eine tolle Show bietet: Er war der mit Abstand aktivste Frontmann des Abends, tanzte, sang und trat immer wieder mit dem Publikum in Dialog. Auch musikalisch bewegt sich FönX auf hohem Niveau. Eigene Stücke wie »Revolution« besitzen Ohrwurmcharakter, und bei »All Star« der Band Smash Mouth sieht man den Jungs einfach an, dass sie Spaß auf der Bühne haben. Das ist hochgradig ansteckend, wie das ausgelassene Publikum zeigte.

Den letzten Part übernahm die Ska-Punk Formation Skatastrophe, die wieder einmal eine routinierte und spaßige Performance hinlegte. Auch die schwindende Zuschauermasse konnte die Gruppe nicht aufhalten. Dann spiele man eben nur vor zehn Leuten, das mache genauso viel Spaß, lautet das Credo der Band.

Der Volkschor darf den Abend als Erfolg werten - auch wenn die Zuschauerzahlen wieder etwas gering ausgefallen waren. Zu Hoffen bleibt, dass der Rockabend in Serie geht und sich von einem Geheimtipp in ein vielbesuchtes Event verwandelt.

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