Nach 38 Jahren nimmt Gaby Hirsch Abschied

Florstadt (dab). "Nach Florstadt wollte ich nie", erzählt Gabriele Hirsch. Zumindest nicht beruflich. Die gebürtige Nieder-Florstädterin war zehn Jahre in Frankfurt bei der Bundesbahn-Direktion angestellt, als sie eine Arbeitsstelle in der Nähe suchte.

Ihre Tochter wurde eingeschult, und auf die Fahrtzeit wollte Gaby Hirsch nun gerne verzichten. Dass sie am Ende doch in Florstadt landete, war Bürgermeister Willi Holzmann zu verdanken. "Er kam bis zu uns nach Hause, mit einem Vertrag in der Hand." 38 Jahre ist das her, heute geht die Bürgermeister-Sekretärin in den Ruhestand. "Ich habe meine damalige Entscheidung nie bereut", blickt sie zufrieden zurück.

Am 1. April 1974 trat Gaby Hirsch ihre Stelle in der Gemeindeverwaltung an. Die bestand damals aus gerade mal elf Mitarbeitern und war mitten im Ort untergebracht. "Gewöhnungsbedürftig" lautete ihr Fazit nach dem ersten Tag. "Alle haben Platt gesprochen. Ich habe es zwar verstanden, aber nicht gesprochen, weil mein Vater nicht aus Florstadt kam", erzählt die 64-Jährige.

Die Verwaltungsarbeit funktionierte anders als heute. "Vieles wurde mündlich vereinbart, ich habe nicht so viele Briefe geschrieben, damals übrigens noch auf einer mechanischen Schreibmaschine", erinnert sie sich. Wenn Gremien zusammenkamen, gab es noch keine ausformulierten Vorlagen. "Der Bürgermeister hat die Ergebnisse in einem Buch notiert, das war unkompliziert und auch so gewollt."

"Das Vorzimmer weiß alles"

Auch ihre eigene Arbeit hat sich seither gewandelt. Gaby Hirsch ist viel mehr als "nur" Sekretärin. Sie kümmert sich um die Personal-Sachbearbeitung, den Gremiendienst und die Sitzungsgeldabrechnung, beantragt Ehrenbriefe, hat anstehende Jubiläen im Blick und vieles mehr. "Das ist nicht nur Schreibarbeit, sondern sehr abwechslungsreich, weil in diesem Amt alles zusammenläuft." Das führt auch dazu, dass manch einer versucht, Informationen aus ihr herauszukitzeln. "Weil das Vorzimmer ja alles weiß. Aber da muss man standhaft bleiben.

" Denn auf ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen ihr und dem Bürgermeister komme es an: "Es gibt einfach Sachen, die nicht nach außen dürfen." Auch den Chef mal für zwei Stunden abzuschotten, gehört zu ihren Aufgaben. "Dann musste ich zu Kollegen sagen: ›Du kannst jetzt nicht rein." Aber das war nie böse gemeint." Kaum vorstellbar, dass bei Gaby Hirschs sympathischer und immer verbindlicher Art überhaupt jemand auf diese Idee kommen könnte. Denn klar war: Wer ihr sein Anliegen vorgetragen hatte, konnte sicher sein, dass sie sich darum kümmern würde.

In diese großen Fußstapfen treten nun Kerstin Buttler und Janine Lang. Gaby Hirsch ist zufrieden mit der Nachfolge. "Das Hauptamt ist gut besetzt, ich kann beruhigt gehen." Leicht fällt ihr der Abschied trotzdem nicht. "38 Jahre sind kein Pappenstiel, ich habe sehr gerne hier gearbeitet." Die schönste Zeit sei die mit Bürgermeister Herbert Unger gewesen. "Für mich ist er immer der gute Kollege geblieben, der er schon vorher war, während seiner Ausbildung hier in Florstadt und als Leiter der Finanzabteilung. Auch nach seiner Wahl ist er sehr bürgernah geblieben, das habe ich immer bewundert." Seine Vorgänger, Willi Holzmann und Heinz Trupp, seien aber ebenfalls gute Chefs gewesen, jeder auf seine Art.

Großes Ereignis: Die Stadtrechte-Verleihung

Zeitgleich mit Unger fing im Jahr 2000 auch Hauptamtsleiter Klaus Kwiatkowski im Florstädter Rathaus an. Zusammen haben sie einiges auf die Beine gestellt. "Ein großes Ereignis war die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 2007. Das haben wir bis zum Ende begleitet, und wir sind stolz, dass es geklappt hat", strahlt Gaby Hirsch. Auch an den Tag der offenen Tür zum 30-jährigen Bestehen des Rathauses in der Freiherr-vom-Stein-Straße, das war 2008, denkt sie gerne zurück. Kwiatkowski ist inzwischen im Ruhestand, kommt aber trotzdem noch alle sechs Wochen zum "Motivationsfrühstück" des harten Kerns. "Wir treffen uns schon um 7 Uhr, damit wir um 8 Uhr im Büro sein können."

"Herr Unger macht sich seinen Kaffee selber"

"Hätte ich gewusst, wie gut es mir gesundheitlich geht, hätte ich noch bis nächstes Jahr weitergemacht", sagt Gaby Hirsch. So aber habe sie zumindest noch Ungers Wiederwahl miterlebt. "Das war mir wichtig." Hat sie einen Tipp für ihre Nachfolgerinnen? "Herr Unger ist sehr pflegeleicht, Kaffee zum Beispiel macht er sich selber. Im Ernst: Wenn es ein Problem gibt, sollte man direkt zu ihm gehen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Denn ›geht nicht, gibt’s nicht" war immer unser Motto."

Dankbar ist sie ihrem Mann, der nie gemeckert habe – auch nicht, wenn es mal später wurde, weil noch etwas Eiliges zu tun war oder abends eine Vernissage oder Feier anstand. "Jetzt habe ich mehr Zeit für Aktivitäten mit ihm: für Radfahren, Nordic Walking oder einen spontanen Kurzurlaub." Sie freue sich darauf, den Garten genießen zu können. Und eins liegt Gaby Hirsch besonders am Herzen: "Ich möchte mit Malen anfangen." Das Künstlerische liegt ihr im Blut. Jahrelang hat sie dafür gesorgt, dass das Rathaus jahreszeitlich dekoriert war und entsprechend einladend wirkte.

"Ganz verschwinden werde ich nicht", verspricht die 64-Jährige. "Ich möchte den Kontakt halten. So einfach tschüß sagen, das geht nicht." Aus diesem Grund will sie sich weiterhin bei den Seniorenfahrten und -feiern engagieren, außerdem bei der Mundart. Womöglich werde sie sich auch in einem Verein einbringen, "vielleicht im Partnerschaftsverein".

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