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Musikalischer »Mo« Menzinger

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Von: Stephan Lutz

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Ein eher bekanntes Gesicht aus dem Münchner »Tatort«: Dass Michael Fitz, Sohn des Volksschauspielers Gerd Fitz und Cousin der Kabarettistin Lisa Fitz, auch ein brillanter Musiker ist, ist eher unbekannt. © Stephan Lutz

Florstadt. Mit zwei Jahren pandemiebedingter Verspätung ist der Konzertabend mit Michael Fitz im Saalbau Lux nachgeholt worden. Karola Backes Richter begrüßte bei »Florstadt kulturell« den Song-Poeten aus Niederbayern, der weit mehr als zwei Stunden mit seinen Liedern und den dazu passenden Entstehungsanekdoten zu begeistern wusste.

Auch wenn sich das Verständnis der Besucher für den Fitz’schen bajuwarischen Dialekt erst im Laufe des Abends systematisch und linear steigerte, profitierten die Anwesenden von den teils minutenlangen Anmoderationen der Stücke. So berichtete Fitz davon, wie ein Evergreen jedes Konzert positiv beendet oder dass Männer auch »Ja« sagen können - nach entsprechender Risikoabwägung.

Cousin von Lisa Fitz

Vielen ist Michael Fitz »nur« als Schauspieler bekannt, beispielsweise als Tatort-Kommissar Carlo Menzinger, dem er mehr als 15 Jahr lang Gesicht, Stimme und Charakter lieh. Derzeit ist er aktiv in »Die Toten von Salzburg« zu sehen, wo auch im Frühjahr 2023 wieder Dreharbeiten anstehen.

Dass der geborene Münchner, Sohn des Volksschauspielers Gerd Fitz und Cousin der Kabarettistin Lisa Fitz, auch ein brillanter Musiker ist, ist eher unbekannt. Davon überzeugte sich ein gut besuchter Saal Lux dieser Tage eindringlich. Er benötigt nicht viel, drei Gitarren, eine Sound-Anlage (die im Saalbau Lux bereits vorhanden war), das Licht stellt der Veranstalter.

Er hat vier bis fünf Auftritte die Woche, noch insgesamt 35 in Oktober und November. Er ist ein Einmannteam: Künstler, Roadie, Verkäufer von CDs in der Pause. Die nutzt der Schreiber dieser Zeilen zum Interview. »Ich bin ein eingespieltes Team«. Das mache er derzeit lieber, als Film- und Fernsehrollen anzunehmen, »für die ich mich dann zwei Jahre schämen muss«, gibt er im Vieraugengespräch ehrlich zu.

Genau wie die Tatsache, dass er sein Publikum mit seinen Songerklärungen auch gerne mal auf die falsche Fährte führt. Eine ältere Dame unterbricht das Gespräch und erwirbt die aktuelle CD, natürlich signiert. Sie erkundigt sich nach Auftrittmitschnitten bei Youtube und Fitz entgegnet erfreut, dass sie gerne seinem fast unbesuchten Youtube-Channel ein wenig Leben einhauchen dürfe.

Antworten eines geerdeten und sich selbst reflektierenden Künstlers und Mannes, der deshalb auch sein Programm »Da Mo«, der Mann, genannt hat. So heißt auch seine aktuelle CD, auch wenn er im Programm zusätzlich ältere Werke zu Gehör bringt. Eben solche, die sich mit dem Mann und seinen Eigenheiten beschäftigen. Und davon gebe es ne Menge, weiß Fitz aus eigener Erfahrung.

Er sei übrigens überhaupt nicht nervös vor Auftritten. Lampenfieber? »Ach geh, i doch ned«. Aber bis er alle Utensilien zusammen hat, das dauert. Da fährt er auch noch mal zurück und zählt alle Kabel durch, sagt er.

Mit Überraschung

Hintergründig und tiefsinnig kommt die Erläuterung zu »Liebeslied« rüber. »Meine Frau wollte schon immer ein Liebeslied«, sagt Fitz - mit Nähe, Zärtlichkeit, Glück, Zweisamkeit, Gefühlen. Doch das sei nichts für ihn, hatte er sich jahrelang gewehrt. »Und dann kam Corona, zwei Jahre zu Hause, und Frauen können ja so hartnäckig sein«, meint Fitz, der sich danach Strophe um Strophe heraus geschwitzt habe.

Und Fitz erzählt von einer Überraschung, als seine Frau für ihn tanzte. Eine sehr gelungene Überraschung, denn Überraschungen mag der Herr Fitz sonst nur, wenn er vorher Bescheid weiß. Oder führt er damit die Besucher wieder nur auf Glatteis? Stephan Lutz

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