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Meer sehen, mehr erleben

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Florstadt (sda). Reisen ist für viele ein Hobby. Eines für die Urlaubszeit im Jahr – Sommer, Herbst oder Winter. Zwei Wochen, vielleicht drei, dann ist Schluss. Nur bei Samira Freitag und Sebastian Schöppner nicht. Das Paar aus Florstadt ist für ein Jahr auf Weltreise. Und dafür hat es sein altes Leben komplett aufgegeben.

Irgendwann denkt wohl jeder einmal darüber nach, einfach alles hinter sich zu lassen. Ein neues Leben zu beginnen. Etwas ganz Außergewöhnliches zu wagen. Nur: Bei den meisten bleibt es eine fixe Idee. Zu viele Wenns, zu viele Abers. Und: Das Gewohnte ist dann meistens doch das Komfortabelste. Aber es gibt auch die, die einfach machen. Samira Freitag und Sebastian Schöppner zum Beispiel. Wohnhaft sind sie in Florstadt. Offiziell jedenfalls. Doch unterwegs sind sie in der ganzen Welt. Im April diesen Jahres sind sie aufgebrochen, haben vorher ihre Jobs gekündigt, ihr Leben umgekrempelt und eine Weltreise geplant. Seither sind sie auf allen Kontinenten gewesen, waren in Singapur, in Neuseeland, in Kenia. Und sind jetzt in Chile. Vor zwei Tagen, erzählt Samira Freitag, haben sie ihren Rückflug nach Hause gebucht – für kommenden März. Ihr Lieblingsland bisher? »Südkorea hat Potenzial, aber welches es wirklich ist, können wir erst nach der Reise sagen, denn das zentralamerikanische Paradies wartet noch auf uns.«

Dass es für das Paar mehr gibt, als täglich zur Arbeit zu gehen (sie war Produktionsleiterin einer großen Band, er arbeitete im Bereich Marketing), zeigte sich 2014 bei einer vierwöchigen Südafrika-Rundreise. Eine Idee nur, »die erst aus Spinnereien bestand«, dann in eine unkonkrete Planungsphase mündete (»ständig Flüge vergleichen, Reiseblogs lesen, Seiten des Auswärtigen Amts auswendig kennen«) und schließlich feststand. »Für eine solche Reise hat man nicht viele Zeitfenster im Leben«, erzählt sie. »Und für uns war es der richtige Zeitpunkt« – beide sind 28, haben keine Kinder und keine Verpflichtungen.

Dank der finanziellen Vorsorge ging der Plan auf. »Wir haben direkt nach der Südafrika-Reise angefangen, zu sparen.« Jeden Monat floss Geld auf ein Konto. Der »absolute Geheimtipp«, wie Samira Freitag sagt: »Die Karte zu diesem Konto vor sich selbst verstecken.« Der Verkauf von Möbeln, Kleidung und die Kündigung der Wohnung (sie zogen zu ihrer Mutter) sorgten für den Rest. Damit das Geld reicht, haben sie einen Plan aufgestellt: Pro Land und Aufenthalt haben sie sich ein Limit gesetzt – und in den meisten Fällen eingehalten.

Ob ihre Erwartungen bisher erfüllt worden sind? »Eigentlich hatten wir keine großen Erwartungen. Wir wollten einfach alles auf uns zukommen lassen und die Momente genießen. Das tun wir auch.« In Tokio haben sie mit zwei Japanern (ziemlich viel) Sake getrunken, in Chile hat ihnen ein fremder Mann ein Brötchen geschenkt, in Australien haben sie Acroyoga (eine Kombination aus Yoga und Aerobic) entdeckt. Und bisher »fühlt sich all das hervorragend an«.

Doch so schön das Reisen auch ist, wenn Samira Freitag und Sebastian Schöppner zu Hause ankommen, wollen sie zuerst einmal viel Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Wie es dann weitergeht? Ungewiss. Fest steht nur: gemächlich. »Dank unserer Finanzplanung haben wir einen Puffer, der uns noch fünf Monate über Wasser hält.« Danach wollen sich beide nach einem »unaufgeregten Job umsehen; vielleicht in einer Bar oder in einem Café«. Durch die Reise haben Samira Freitag und Sebastian Schöppner eine Menge über sich gelernt, erzählen sie. Wie begeisterungsfähig sie sind; überhaupt alles etwas lockerer zu sehen. »Und, dass Geld nicht alles ist.«  (Fotos: Samira Freitag) 

Wer mehr vom Meer, den Menschen, Tieren und Orten sehen will, die das Paar besucht hat, findet einiges auf dem Reiseblog unter .

Drei Fragen an Samira Freitag

Was gehört alles zur Vorbereitung einer Weltreise? Samira Freitag: Wir haben uns das letzte halbe Jahr vor der Reise nach der Arbeit mit Vergleichsportalen aller Art auseinandergesetzt. So werden viele Dinge wie Sport, Freunde treffen oder einfach mal entspannen hinten angestellt. Dann verbannt man möglichst alles aus seinem Leben, das Geld kostet. Das bedeutet Handyvertrag kündigen, Konten auflösen und Auto abmelden.

Haben Sie keine Angst? Freitag: Die Sicherheitsfrage stand weit oben auf der Ängste-Liste. Ein Flugzeugabsturz, eine Naturkatastrophe, ausgeraubt werden, Kreditkartenmissbrauch. Dinge, über die man nicht nachdenken möchte, gegen die man aber auch nichts tun kann. Wenn etwas passiert, passiert es.

Warum gleich die »radikale Lösung« – Job und Wohnung aufgeben, statt auf mehrere Etappen zu reisen? Freitag: Wir hatten immer Zeitverträge und mussten jährlich bangen, ob wir bleiben dürfen. Das war für uns dann keine Alternative mehr. Also starteten wir die Reise ins Ungewisse, das können wir aber nun selbst steuern. 

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