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Ein Mann gegen die Schlaglöcher

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Florstadt (ka). Christian Reutzel arbeitet nur bei gutem Wetter. Er kann nicht anders. Das Fahrzeug, das er für die Straßenmeisterei Nidda bedient, um Schlaglöcher und Risse auf Straßen zu füllen, braucht gute Bedingungen.

Florstadt (ka). Christian Reutzel arbeitet nur bei gutem Wetter. Er kann nicht anders. Das Fahrzeug, das er für die Straßenmeisterei Nidda bedient, um Schlaglöcher und Risse auf Straßen zu füllen, braucht gute Bedingungen. Mindestens zehn Grad Oberflächentemperatur muss der Asphalt haben, und trocken muss es auch sein, erklärt Michael Friemel, Dienststellenleiter der Straßenmeisterei. Es ist warm an diesem Morgen, die Sonne scheint. Optimale Bedingungen.

Christian Reutzel bringt das Fahrzeug auf der gesperrten Strecke zwischen Staden und Leidhecken in Position. Er ist ein sogenannter Road-Repair-Patcher. Mit einem speziellen Fahrzeug fährt er Straßen im Bereich der Straßenmeisterei Nidda ab und repariert sie durch Auftragen einer Bitumen-Emulsion und Rollsplitt. »Zuerst wird der Riss oder das Schlagloch mit Druckluft gereinigt, dann kann man die flüssige Emulsion auftragen. Zum Schluss kommt Rollsplitt drauf, der mit der Emulsion verklebt«, sagt Friemel. Die Emulsion verschließt Risse und Löcher, der Splitt macht die Fahrbahn wieder griffig.

Arbeit wird mit dem Joystick erledigt

Christian Reutzel muss dafür sein Fahrzeug nicht verlassen. Vom Fahrersitz aus steuert er mit zwei Joysticks den hydraulischen Arm des Lkw, mit dem Emulsion und Splitt aufgetragen werden. Das Material kommt aus großen Tanks auf der Ladefläche. Fünf Tonnen Splitt und etwa 800 Liter Emulsion kann Reutzel laden.

Während er seine Arbeit beginnt, erläutert Michael Friemel das Prinzip: »Es ist praktisch und kostengünstig, weil wir nur an der betreffenden Stelle flicken und man die Fahrbahn sofort wieder benutzen kann.« Die Emulsion sei nach zehn Minuten komplett ausgehärtet, der überschüssige Splitt werde einige Tage nach dem Auftragen abgekehrt.

Vor fünf Jahren sei der Road-Repair-Patcher als Projekt des hessischen Landesamtes für Straßen- und Verkehrswesen gestartet, sagt Friemel. In Hessen gibt es drei solcher Lkw, die Straßenmeisterei Nidda verleiht ihren auch an die umliegenden Meistereien. »Im Winter fragen wir bei den Meistereien in der Umgebung die Schäden ab und erstellen einen Einsatzplan«, sagt Friemel. Der Lkw wird dann samt Fahrer an die betreffenden Stellen geschickt. Vorausgesetzt, das Wetter stimmt.

Vogelzeigen ist an der Tagesordnung

Fahrer Christian Reutzel ist von Anfang an dabei gewesen und kennt sein Fahrzeug. Plötzlich unterbricht er seine Arbeit: Der Schlauch für die Splittzufuhr ist verstopft. Er schnappt sich sein Werkzeug und säubert den Schlauch. Kleinere Wartungsarbeiten erledigt er vor Ort, das spart Zeit. Der Road-Repair-Patcher kann wegen der nötigen Bedingungen nur von Frühjahr bis Oktober eingesetzt werden, dann wird es zu kalt. »Wir haben rund 160 Einsatztage pro Jahr, arbeiten auch samstags, damit das Fahrzeug möglichst viel auf der Straße ist«, sagt Michael Friemel. »Früher habe ich in der Straßenbaukolonne gearbeitet, im Winter mache ich das noch immer«, erzählt Christian Reutzel, als er sich wieder ins Führerhaus schwingt.

Durch die Bedienung per Joystick und die sofortige Befahrbarkeit der geflickten Stellen entstehe für Autofahrer kaum Behinderung, dennoch seien viele genervt. »Ich kann die Splittzufuhr oder die Emulsion sofort stoppen, damit vorbeifahrende Fahrzeuge nicht beschädigt werden. Trotzdem haben es einige sehr eilig«, sagt Reutzel. Kopfschütteln und Vogelzeigen sei an der Tagesordnung. »Mir ist mal jemand direkt unter dem hydraulischen Arm durchgefahren. So schnell konnte ich gar nicht aufhören.

Das Auto war entsprechend verkratzt.« Wie bestellt, drängt sich in diesem Augenblick ein entgegenkommendes Fahrzeug am Lkw vorbei, gerade als Christian Reutzel ein Schlagloch füllt. Trotz Warnschilder sind alle Fahrzeuge, die die Stelle an diesem Morgen passieren, augenscheinlich schneller als die erlaubten 40 Kilometer pro Stunde. »Einmal ist ein Motorradfahrer gestürzt. Hinterher hat er behauptet, er hätte die Schilder nicht gesehen«, sagt Reutzel.

Michael Friemel kann den Ärger der Auto- und Motorradfahrer verstehen. »Manchmal kommt man eben von einer Baustelle in die nächste. Ich weiß, dass das nervt. Aber mit dem Road-Repair-Patcher ist die Behinderung gering. Außerdem versuchen wir Straßensperrungen wie diese hier zu nutzen. Weil ab Leidhecken die Straße dicht ist, haben wir hier viel weniger Verkehr.« Der Einsatz des Fahrzeuges verhindere außerdem, dass zu oft größere Bereiche repariert werden müssten. »Wir arbeiten auch präventiv. Wenn wir vor dem Winter die Risse abdichten, kommt kein Wasser rein und dann kann an diesen Stellen auch nichts durch Frost kaputt gehen«, sagt Friemel. Christian Reutzel bestätigt: »Ich habe den Eindruck, dass die Straßen nach dem Winter hier in besserem Zustand sind als anderswo.« Dann setzt er seine Arbeit fort. (Fotos: ka)

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