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Bei der Märchenstunde werden Erinnerungen wach

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Florstadt (dab). Für die Bewohner des Marie-Juchacz-Hauses in Nieder-Florstadt hat sich die »Grüne Dame« Erika Werner etwas Neues einfallen lassen: Alle zwei Wochen lädt sie zur Märchenstunde in die Bibliothek ein, so auch gestern Nachmittag.

Florstadt (dab). Für die Bewohner des Marie-Juchacz-Hauses in Nieder-Florstadt hat sich die »Grüne Dame« Erika Werner etwas Neues einfallen lassen: Alle zwei Wochen lädt sie zur Märchenstunde in die Bibliothek ein, so auch gestern Nachmittag.

»Es gibt sehr, sehr viele Märchen, die man nicht kennt oder von denen man nur gehört hat«, sagte Erika Werner zur Begrüßung, und genau so ein Märchen hatte sie auch mitgebracht: »Der Mann ohne Herz«. Dieses Herz muss ein junger Bursche finden, damit er seine Brüder und deren Bräute von einem Fluch befreien kann. Mit dem hatte sie der Mann, dem das Herz einst gehörte, belegt. Auch in diesem Märchen siegt das Gute, sodass Werner als letzten Satz vorlesen konnte: »Da zogen sie alle miteinander fort, hielten Hochzeit und lebten gut und glücklich noch lange Zeit.«

Weil die 82-jährige Nieder-Florstädterin aber nicht nur »Grüne Dame«, sondern auch begeisterte Mundartsprecherin ist, trug sie ihren Zuhörern danach noch ein Gedicht vor, das vom Kuchenbacken handelte. Das Gelächter war groß, als alle geschilderten Bemühungen der Hausfrau scheiterten - und sie nach einem Mittagsschlaf ihren Kuchen schließlich beim Bäcker kaufte.

Um das Wohl der Bewohner kümmern sich neben Erika Werner und den anderen »Grünen Damen« Tilli Gröninger und Ingrid Schmidt rund 50 andere Ehrenamtliche. »Die Öffnung nach außen ist ganz wichtig«, erzählte Pflegedienstleiter Christof Salzmann. »Wir wollen nicht im Abseits stehen, sondern die Bevölkerung erreichen.«

Wie gut das klappt, belegte auch die Musik, die aus dem Nebenzimmer tönte. Hier spielte VdK-Vorsitzender Rolf Setulla den Demenzkranken gerade auf dem Akkordeon vor. »Das Ergebnis ist erstaunlich«, erzählte Salzmann. »Bewohner, die sonst kaum auf ihre Umwelt reagieren, singen plötzlich mit.« Biografie-Arbeit werde dieser Schlüssel zu noch vorhandenen Fähigkeiten genannt: Alte Menschen mit schlechtem Erinnerungsvermögen, die oft in früheren Zeiten leben, werden in dieser Vergangenheit abgeholt, in der sie vieles noch können, was ihnen heute abhanden gekommen zu sein scheint - wie zum Beispiel Liedertexte auswendig können.

Die Märchenstunde richtet sich nicht speziell an Demenzkranke - auch wenn Erinnerungen dadurch ebenfalls wachgerufen werden. Wer mag, kann zuhören: die nächsten Male am 17. und 31. März um 15.30 Uhr in der Bibliothek.

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