Paula Booch sucht im Farblager des Familienbetriebs die Farben und Lacke für die Baustellen heraus.
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Paula Booch sucht im Farblager des Familienbetriebs die Farben und Lacke für die Baustellen heraus.

Lehrling des Monats

»Lehrling des Monats« Paula Booch: »Auf dem Bau gibt’s keinen Zickenkrieg«

  • vonMarion Müller
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Saubere, akkurate Arbeit und dazu gute Noten: Paula Booch ist »Lehrling des Monats Juni«. Der Malerin und Lackiererin liegt besonders das Kreative - und sie arbeitet gerne mit Männern.

Das Handwerk ist noch immer ein von Männern dominierter Berufszweig. Der Frauenanteil im Malergewerbe liege bei zehn Prozent, sagt Kammerpräsident Stefan Füll von der Handwerkskammer Wiesbaden. Eine von ihnen ist Paula Booch.

Sie hat kürzlich die Ausbildung zur Maler- und Lackiererin bei der Firma Booch GmbH in Nieder-Mockstadt abgeschlossen. Nun kamen Füll, Uwe Landmann von der Maler Innung, ihre Familie sowie die drei Geschäftsführer von Booch GmbH - ihr Papa Andreas Booch und ihre Onkel Bernd und Jochen Booch, um ihr für die Auszeichnung »Lehrling des Monats Juni« zu gratulieren.

»Hut ab, tolle Leistung«, lobt Füll die 21-Jährige nicht nur für ihre saubere und akkurate Arbeit. Auch die Noten seien sehr gut. Paula Booch habe zudem die Gesellenprüfung als Beste abgelegt. Nach zwölf Monaten habe sie bereits die erste Baustelle selbstständig geleitet. Etwas, das Booch Spaß macht - Verantwortung übernehmen.

Lehrling des Monats: Zuerst Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau

Das Kreative liege ihr ebenfalls, bestätigt auch ihr Papa Andreas Booch. Zunächst habe Paula Booch eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau abgeschlossen und bereits ein Jahr in dem Beruf gearbeitet. Doch das sei nicht das richtige gewesen, sagt sie. »Mir fehlte das Kreative und die Verantwortung.« Sie durfte als Floristin aushelfen und das Kreative habe ihr viel Spaß gemacht. Sie fragte ihren Papa um Rat und begann letztlich die Ausbildung im Familienbetrieb Booch.

Paul Booch, der Großvater von Paula Booch, hat den Malerbetrieb 1965 gegründet. 1996 übernahmen die drei Söhne dann den Betrieb, als Paul Booch in den Ruhestand ging. Neben Paula Booch arbeiten auch zwei Großcousins und der Cousin ihres Papas im Betrieb. Insgesamt sind hier 18 Gesellen und ein Auszubildender beschäftigt.

Lehrling des Monats: »Ich durfte alleine eine Baustelle hier in Mockstadt leiten«

Paula Booch wirkt zufrieden mit ihrem Berufswechsel. »Ich durfte alleine eine Baustelle hier in Mockstadt leiten«, sagt sie stolz. Eine Küche musste renoviert werden. Auch in einem Kinderzimmer habe sie die Renovierung geleitet. Besonders das Lackieren und Tapezieren gefalle ihr, sagt sie. Verputzen allerdings nicht so. »Die Säcke schleppen ist schon anstrengend«, gesteht die 21-Jährige lachend.

»Man weiß am Ende des Tages, was man gemacht hat. Das ist schön. Man sieht den Fortschritt.« Doch ewig auf Baustellen wolle Paula Booch nicht sein, sagt sie. Daher beginne sie mit der Meisterschule ab August in Frankfurt. »Ich kann mir vorstellen noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber ich weiß nicht wo mein Weg hinführt«, sagt die 21-Jährige.

Lehrling des Monats: Selbstbewusster geworden

Am Anfang sei es komisch gewesen als einzige Frau auf der Baustelle zu arbeiten, gesteht Paula Booch. »Ich musste mich schon mehr behaupten und mir kam es so vor, dass die Leute mehr geschaut haben.« Inzwischen sei das aber kein Problem mehr. »Ich bin durch den Beruf selbstbewusster geworden.« Das tolle nur mit Männern zu arbeiten? »Es gibt keinen Zickenkrieg«, betont Paula Booch. »Es ist lockerer mit Männern zu arbeiten.«

Ob sie den Familienbetrieb irgendwann übernehmen werde, wisse sie noch nicht. Ihr Papa würde sich darüber freuen. »Es wäre schön, wenn Paula den Betrieb übernimmt. Aber ich setze sie damit nicht unter Druck«, betont Andreas Booch. »Mit dem Meister hat sie ganz viele Möglichkeiten.«

Nachwuchsprobleme: Auszubildende fehlen

Die Handwerskammer Wiesbaden hat unter dem Motto »Ausgezeichnete Lehrlinge auszeichnen« seit 1999 bereits 258 Auszubildende geehrt, die durch außergewöhnlich gute Leistungen aufgefallen sind. Als Präsent erhalten die Geehrten eine Urkunde und eine Armbanduhr der Handwerkskammer.

Mit der Corona-Pandemie verstärken sich jedoch die Nachwuchsprobleme: »Wir liegen 20 Prozent hinter den Ausbildungszahlen«, betont Kammerpräsident Stefan Füll. »Wir zählen auf den Spätherbst.« Bei Booch GmbH in Nieder-Mockstadt seien dieses Jahr keine Bewerbungen eingegangen.

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