Revierjäger Oliver Odermatt (l.) mit Landwirt Torsten Lux (M.) und Jagdpächter Andreas Winkler vor den Schussschneisen im Senf, die vor allem eine schärfere Bejagung des Schwarzwildes ermöglichen. FOTO: HR
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Revierjäger Oliver Odermatt (l.) mit Landwirt Torsten Lux (M.) und Jagdpächter Andreas Winkler vor den Schussschneisen im Senf, die vor allem eine schärfere Bejagung des Schwarzwildes ermöglichen. FOTO: HR

"Krähenfüße" erleichtern Wildschweinjagd

  • vonHans-Dieter Stehr
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Florstadt(hr). Das Schwarzwild profitiert von den hiesigen milden Wintern und einer neuerlichen Eichelmast im Wald. Auch die hohe Anpassungsfähigkeit der Tiere hat zu einem starken Populationsanstieg geführt. Eine Bejagung vor allem in den Feldrevieren ist nicht nur wegen der erheblichen Wildschäden geboten. Auch der Afrikanischen Schweinepest, die im Osten Deutschlands aufgetreten ist, gilt es durch einen ausgedünnten Tierbestand die Übertragung zu erschweren. Im Revier Nieder-Florstadt arbeiten deshalb Landwirte und Jäger Hand in Hand.

Die Strukturen unserer Felder erfordern effiziente wirtschaftliche Abläufe. Große Flächen erleichtern die maschinelle Bearbeitung. Das aber erschwert in der Regel die Bejagung der Wildschweine. "In großen Weizen- oder Maisschlägen sind Schäden von außen kaum noch feststellbar. Die Sauen können fast ungehindert zu Werke gehen", weiß Andreas Winkler (Nieder-Wöllstadt), gemeinsam mit Rainer Zietzer (Bad Vilbel) Jagdpächter des Reviers Nieder-Florstadt.

Zumal einige Feldflächen inmitten eines Waldgebiets liegen. Aus diesen Einständen heraus, meist undurchdringliche Brombeerverhaue, unternehmen die Schwarzkittel nachts ihre Streifzüge - und hinterlassen oft ein Bild der Verwüstung. Den Schaden haben Landwirte und Jäger gleichermaßen. Die Jäger müssen den Wildschaden zahlen. Aber bei Wiesenschäden braucht der Landwirt sein Heu, um das Vieh zu füttern. Und die Heumahd fiel durch die Trockenheit dieses Jahres ohnehin schlecht aus.

Auf Initiative von Revierjäger Oliver Odermatt hatte Landwirt Torsten Lux vom Hof Birkensee den Jägern des Reviers deshalb Hilfe angeboten. Und sorgte dadurch gleichzeitig für erstaunte Gesichter. Denn er schnitt in seine 20 Hektar großen Senfäcker rund um seinen Hof sogenannte "Krähenfüße", das sind künstliche Schussschneisen. "Den Senf habe ich als Zwischenfrucht und natürliche Gründüngung angelegt", erklärt Lux. Die ungewohnten Strukturen in den Äckern sehen fast aus wie ein künstlich angelegter Irrgarten.

Abschuss soll Waldumbau fördern

In der Praxis lassen die Schneisen jetzt eine intensive Bejagung von Wildschweinen, aber auch von Raubwild und Rehen in den riesigen gelben Flächen zu. "Die Tiere kommen aus ihrer sicheren Senfdeckung und treten auf die kurz gemähten ›Adern‹. Damit können sie sicher angesprochen und erlegt werden", erläutert Jagdpächter Winkler. Und führt weiter aus, dass mit dem Rehwildabschuss auch der Waldumbau gefördert werde. "Kommune und Forst fordern ein Eingreifen in den Rehwildbestand, damit nachwachsende junge Bäume vor dem Äser der Rehe geschützt werden".

Deshalb bedankten sich die Jäger bei Landwirt Lux und hoffen, dass dieses Beispiel bei seinen Berufskollegen andernorts Schule macht.

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