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Wie steht es um den Wald? Anselm Möbs (2.v. r.) vom Forstamt Nidda und Revierförster Frederek Binnewies führen durch die Mark Mockstadt.

»Klimawandel im Wald sichtbar«

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Florstadt (pm). Mit 64 Gästen war die Präsenzveranstaltung der Grünen zum »Wald im Klimawandel« sehr gut besucht. Das zeige das Interesse der Bevölkerung, sich über die Situation in den Wäldern zu informieren, meinte die Fraktionsvorsitzende Gudrun Neher.

Anselm Möbs vom Forstamt Nidda betrachtete in seinem Vortrag nicht nur die Wälder vor Ort nach drei Dürresommern, sondern zeigte den Besuchern sehr differenziert auf, wie sich die globalen Temperaturen und Niederschlagsmengen im Laufe der (Menschen-)Geschichte verändert haben und welche Prognosen es für die Weiterentwicklung in diesem Jahrhundert gibt. Vor diesem Hintergrund wurde die Rolle des Waldes als CO2-Speicher beschrieben und angesichts der bestehenden und der zu erwartenden klimatischen Veränderungen Leitlinien für die zukünftige Bewirtschaftung vorgestellt.

Da die Zukunft ungewiss sei, gebe es für den Waldumbau auch keine festen Konzepte, sondern eher flexible Programme, die kontinuierlich an die aktuellen Bedingungen angepasst werden müssten, meinte Möbs. Entsprechend der Prognosen des Weltklimarates steigen bei ungebremsten Emissionen die globalen Durchschnittstemperaturen bis zum Jahre 2050 um ca. 3 Grad Celsius und bis zum Jahre 2100 sogar um bis zu 5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau an. Gibt es den Klimawandel wirklich? Diese Frage beantwortete Möbs mit einem klaren Ja. Er begründete dies damit, dass der Kohlenstoff, der in einem Jahr verbrannt werde, wohl zu einem Teil durch die Meere und die Vegetation (und damit auch die Wälder) neutralisiert werde, aber rund zwei Drittel dieser Emissionen durch die Atmosphäre aufgenommen würden. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei von 280 Milligramm pro Kilogramm zu Anfang der industriellen Revolution im Jahre 1769 auf heute über 400 Milligramm angestiegen. Die Wissenschaft gehe davon aus, dass eine Steigerung auf 450 Milligramm mit einer globalen Temperatursteigerung von 2 Grad einhergeht. »Ungebremst würden wir diesen Wert 2032 erreichen, also in elf Jahren.«

Die Mischung macht’s

Nur noch knapp 30 Prozent der weltweiten Landfläche seien heute mit Wald bedeckt, Tendenz sinkend. Nicht nur die hiesigen Wälder müssten höhere Temperaturen und geringere Niederschlagsmengen verkraften. »Dies führt bereits heute dazu, dass die Fichte insbesondere in unserem Raum kaum noch Überlebenschancen hat und nicht mehr nachgepflanzt wird. Inzwischen leidet auch die Buche, die vegetationsgeschichtlich betrachtet derzeit unsere dominante Baumart ist. Eichen, Kiefern und Edellaubbäume scheinen sich eher an geringere Wassermengen und höhere Temperaturen anpassen zu können«, berichtete der Forstexperte.

Die Waldbewirtschaftung solle auch künftig ihre Funktion der CO2-Bindung behalten. »Das kann der Wald nur, wenn er sich relativ schnell an die sich ändernden klimatischen Bedingungen anpassen kann und weiterhin auf dem überwiegenden Teil seiner Fläche nachhaltig und schonend bewirtschaftet wird.« Da die Temperaturen sich aber (erdgeschichtlich betrachtet) fast schon explosionsartig erhöhten, brauche der Wald hierbei Unterstützung durch den Menschen. Aus Sicht des Forstamts muss hier ein guter Kompromiss gefunden werden zwischen naturbelassenen und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, in denen klimatolerante Baumarten nachgepflanzt oder auch bei der Waldpflege gefördert werden.

Wie dies in den nahe gelegenen Wäldern der Mark Mockstadt umgesetzt wird, konnten die Teilnehmer, darunter Erster Stadtrat Gerold Helfrich und Grünen-Bundestagskandidatin Michaela Colletti, bei einem Spaziergang beobachten. Revierförster Frederek Binnewies erläuterte auf Flächen ehemaliger Fichtenbestände die Konzepte der Wiederbewaldung. Er zeigte beispielhaft Flächen mit natürlicher Wiederbewaldung durch Naturverjüngung von Edellaubbäumen und Füllhölzern wie der Birke, aber auch Pflanzungen von Eiche, Spitzahorn und Douglasie. Bei der Begehung wurde klar, dass die Aufgaben der nächsten Jahre sowohl finanziell als auch personell gut abgesichert werden müssen.

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