Pfarrer Dieter Pfanschilling, hier mit Ehefrau Anneliese, wird von Probst Schmidt (r.) und Pfarrerin Andrea Krügler (l.) in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: LUTZ
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Pfarrer Dieter Pfanschilling, hier mit Ehefrau Anneliese, wird von Probst Schmidt (r.) und Pfarrerin Andrea Krügler (l.) in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: LUTZ

"Kirche ist noch zeitgemäß"

  • vonStephan Lutz
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Florstadt-Stammheim(sl). Mit einem feierlichen Gottesdienst wurde am Wochenende in der evangelischen Kirche Pfarrer Dieter Pfanschilling durch Probst Schmidt (Gießen) in den Ruhestand versetzt. Als die Pfarrstelle in den Kirchengemeinde Staden und Stammheim vakant geblieben war, hatte der Geistliche die Vertretung für die Betreuung der beiden Kirchengemeinden übernommen. Coronabedingt waren nur wenige Gemeindemitglieder in die Kirche gekommen. Es galten strenge Hygieneauflagen. Für musikalische Umrahmung sorgte Sybille Bernhardt an der Orgel.

Pfarrer Pfanschilling bedauerte in seiner Predigt die missliche Situation. Es sei sehr belastend, wenn im Gottesdienst das Singen nicht erlaubt sei. Das störe die christliche Gemeinschaft, wenn die Gemeinde im Gottesdienst lediglich Zuhören könne.

Der Geistliche machte das Wort "Bekennen" zu seinem Hauptthema und betonte, Gott gebe den Menschen Zuversicht und Stärke. Daher brauchten sie sich auch nicht zu fürchten. Im Hinblick auf den Reformationstag zitierte er das Luther-Lied "Mit unserer Macht ist nichts getan", das gut zum "allgemeinen Durcheinander" passe.

Mit großem Interesse verfolgte die Gemeinde den von Pfanschilling selbst vorgetragenen Lebenslauf. Schon als junger Konfirmand habe er den Wunsch verspürt, Pfarrer zu werden. Dennoch habe er zunächst eine Lehre als Industriekaufmann absolviert, um sich später mit 21 Jahren als Pfarrer ausbilden zu lassen. In diesem Amt habe er die Aufgabe übernommen, in aller Öffentlichkeit das Wort Gottes zu verkünden. Es sei aber nicht immer leicht gewesen, diese Aufgabe zu erfüllen. Heute werde die Behauptung aufgestellt, die Kirche habe keine Bedeutung mehr; der Markenkern sei nicht mehr erkennbar. Er aber sei davon überzeugt, dass die Kirche heute noch zeitgemäß ist. Wenn die Menschen wünschten, dass die Gottesdienste nicht verödeten, müssten sie weiter an Gott glauben und auf seine Botschaft hoffen.

Probst Schmidt hob in seiner Dankesrede hervor, dass sich Pfarrer Pfanschilling stets in besonderer Weise den Gottesdiensten und der Seelsorge gewidmet habe. Es sei das Besondere am Pfarrberuf, "dass wir mit Menschen zu tun haben in der Vielfalt des Lebens." Seit 1985 sei Pfanschilling in einigen Orten als Pfarrer tätig gewesen. Nach schwerer Krankheit habe es einen neuen Aufbruch gegeben. Probst Schmidt: "Als 2018 die Anfrage kam, ob du in die Region Gießen kommen kannst, war ich als Probst sehr froh, mit dir einen erfahrenen Kollegen zu haben, der in manchen Vertretungsfällen einspringen und aushelfen konnte." Abschließend betonte er: "Die Kirche der Zukunft kann nur eine seelsorgende Kirche sein, die Menschen begleitet." Sehr wohl denke er dabei an das seelsorgerische Wirken von Pfarrer Dieter Pfanschilling.

Für die Kirchenvorstände Staden und Stammheim dankten Margret Reinicke und Gisela Steder. Beide würdigten den unermüdlichen Einsatz des Pfarrers in der Zeit, als beide Kirchengemeinden ohne offiziellen Pfarrer auskommen mussten. Beide überreichten ein Geschenk zur Erinnerung an die Zeit in Staden und Stammheim. Auch die derzeit in den beiden Kirchengemeinden amtierende Pfarrerin, Andrea Krügler, würdigte die Arbeit des scheidenden Pfarrers und wünschte ihm für den Ruhestand alles Gute.

Pfarrer Dieter Pfanschilling verabschiedete sich auf seine Weise bescheiden und prägnant in echtem oberhessisch: "Mir sehe sich!"

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