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Der Pfingsweg ist ein Rundgang durch Nieder-Florstadt, bei dem man auf vier Stationen Hintergründe zum Pfingsfest erfährt.

Historischer Rundgang

  • vonInge Schneider
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Florstadt (im). Mutmaßlich ist der religiöse Sinn von Pfingsten als »Geburtstag der urchristlichen Gemeinde« weitaus unbekannter als der Hintergrund von Weihnachten oder Ostern. In Nieder-Florstadt kann man dem Fest des Heiligen Geistes und somit der Begeisterung, der Inspiration und des Zusammenhaltes noch bis zum 14. Juni zu Fuß nachspüren und dabei auch einiges über die Geschichte des Ortes erfahren.

Offiziell beginnt und endet der Rundgang an der evangelischen Kirche mit ihrem sehenswerten und einladenden Labyrinth im Pfarrgarten. Der Florstädter Pfingstweg wurde von den Frauen des evangelischen Dekanates Wetterau, der Initiative »BUNTerLEBEN«, dem Arbeitskreis Jüdisches Leben in Florstadt und der evangelischen Kirchengemeinde entwickelt. Er führt von der Kirche zur ersten Station, dem sogenannten Demenz-Garten des Marie-Juchacz-Hauses. Der Garten ist nur für die Bewohner des Seniorenwohnheims zugänglich.

Geschichte in Häppchen erklärt

Familien mit kleinen Kindern können den Weg auf circa eine halbe Stunde Gehzeit verkürzen, indem sie gleich am Garten einsteigen und sich mit Hilfe der informativen Stationstafel und dem darauf verzeichneten QR-Code über die Bedeutung des Pfingstfestes für das frühe Christentum informieren: Neben der Rückführung des Wortes »Pfingsten« auf den griechischen Begriff »Pentecoste«, der sinngemäß »50. Tag« (nach Ostern) bedeutet, wird auch die Geschichte des Pfingsttages mit der Herabkunft des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel, der ersten mutigen öffentlichen Predigt des Petrus und der Taufe von rund 3000 Menschen erzählt. Außerdem erfährt man einiges über das Symbol der Taube als Verkörperung des Heiligen Geistes. Frische Birkenzweige, ein typischer Pfingstschmuck, wurden mit bunten Schleifen, Tauben und Herzen verziert und grüßen die Bewohner des Marie-Juchacz-Hauses über den Zaun hinweg.

Hält man sich von dort aus südlich in Richtung der Florstädter Schulen, stößt man neben den Sportplätzen auf Station zwei, die kleine, aber eindrucksvolle Gedenkstätte am ehemaligen jüdischen Friedhof. Aus den während der Nazidiktatur zertrümmerten Grabsteinen wurde eine Stele geschaffen, die - gekrönt vom Davidsstern - die Namen der hier einst bestatteten Florstädter Mitbürgerinnen und Mitbürger verzeichnet. Die Informationstafel stellt vielfältige Verbindungen zwischen Judentum und Christentum her, wobei deutlich wird, dass das Judentum die Wurzel sowohl des Christentums als auch des Islams ist. Das christliche Pfingstfest ist zudem terminlich deckungsgleich mit dem jüdischen Erntefest Schawuot, das als Zeitpunkt der ersten Weizenernte am 50. Tag nach dem Pessachfest gefeiert wird und zugleich an den Empfang der Zehn Gebote erinnert.

Von diesem stillen Ort aus weiter nach Süden, in Richtung der katholischen Kirche gehend, gelangt man zu Station drei: Mächtige Bäume beschirmen den Eingang zum alten Nieder-Florstädter Friedhof, der inzwischen nur noch wenige Gräber beherbergt. Auf der zugehörigen Informationstafel werden Feier und Bedeutung des Pfingstfestes für andere Weltreligionen, besonders für die orthodoxe Kirche, erläutert. Das orthodoxe Pfingstfest ist zwar mit hoher Priorität dem Heiligen Geist gewidmet, gilt aber auch der Dreifaltigkeit insgesamt. Es erstreckt sich auf drei Tage und eine komplette anschließende Festwoche, wie hier zu erfahren ist.

Wendet man sich am Eingang des alten Friedhofs nach rechts, so gelangt man zurück zur evangelischen Kirche. An der dortigen Station vier kann man über persönliche Talente und Visionen nachdenken, über inspirierende Menschen und Begegnungen im eigenen Leben - über alles, was begeistert, beflügelt und beschwingt. Nicht zuletzt wartet hier eine Bastelkiste auf die Jüngsten, gefüllt mit Materialien, aus denen sich Windräder, Tauben und Girlanden herstellen lassen.

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