Vor dem Schloss Ysenburg liefert Gästeführerin Katrin Schwendemann spannende historische Einblicke. FOTOS : LUTZ
+
Vor dem Schloss Ysenburg liefert Gästeführerin Katrin Schwendemann spannende historische Einblicke. FOTOS : LUTZ

Historische Höhepunkte in Staden

  • vonStephan Lutz
    schließen

Florstadt-Staden(sl). Als vorerst letzte Veranstaltung des ohnehin schon enorm abgespeckten Florstädter Kulturprogramms konnte am Freitagabend noch die Funzelführung durch die historischen Gassen von Staden stattfinden. Weitere Veranstaltungen mit dem Galli-Theater Frankfurt und ein Konzert von Michael Fitz fallen den jüngsten Corona-Beschränkungen im öffentlichen Raum zum Opfer.

Eine unerwartet große Truppe interessierter Teilnehmer fand sich mit Katrin Schwendemann ein. Alle trugen ihren Mund-Nasen-Schutz und achteten auf die Abstände. Nur bei Erläuterungen nahm Schwendemann ihren Schutz ab, um besser verstanden zu werden. Die gebürtige Stadenerin, die seit 2006 als Kunst- und Kulturführerin fungiert und den Gästen in erster Linie den seit 1904 unter Denkmalschutz stehenden Park in Führungen ans Herz legt, reihte ein "historisches Highlight" an das nächste. Etwa Wohnhäuser, die an die Reste der Stadtmauer angebaut wurden. Denn Staden hatte bereits 1304 die Stadtrechte erlangt und sich wie damals üblich mit einer Mauer geschützt. "Und obwohl Staden an zwei Handelsrouten lag, war es stets klein und beschaulich gehalten worden", erklärte die Gästeführerin. Die erste urkundliche Erwähnung Stadens stamme sogar aus dem Jahre 1156.

Schwendemann berichtete von den fehlenden Erben des Wortwin zu Staden, die zu einer mehrere Hundert Jahre andauernden Ganerbschaft geführt habe. Sie erläuterte die Zusammenhänge der Fürstenhäuser Löw zu Steinfurt, Isenburg zu Büdingen und aus Karben, die in diese Zeitspanne bis 1824 allesamt ihre Einflüsse hinterließen, als die Ganerbschaft endete.

Zum Amtshaus der Ganerbenverwalter

Die Gäste erfuhren, dass das Löw’sche Schloss nach der Übernahme durch die Gemeinde Staden Anfang des 20. Jahrhunderts als Schule mit Lehrer- und Sozialwohnungen diente und heute als Bürgerhaus mit Wohnungen für Geflüchtete Familien fungiert. Der Park selbst wurde von Eduard Petzold in Anlehnung an englische Landschaftsparks überplant. Petzold sei damals eine bekannte Persönlichkeit gewesen, weil er sein Handwerk beim Fürsten Pückler erlernt habe, der für den Landschaftspark in Bad Muskau verantwortlich zeichne. Dieser Park liege heute auf deutschem und polnischen Gebiet und unterstehe dem Welterbe der UNESCO.

Weitere Stationen waren der Kindergarten im Park, die alte Mühle mit Mühlbach, das ehemalige Amtshaus der Ganerbenverwalter (vergleichbar mit dem heutigen Bürgermeister), der damalige Marktplatz und der Standort der ersten Stadener Kirche, 1799 wegen Baufälligkeit abgerissen. Der Neubau, der erst 1837 eingeweiht wurde, war das erste Gebäude außerhalb der damaligen Stadtmauer. Weiter ging es im Lichte der Straßenlaternen zur ehemaligen Gaststätte "Zur Rose", wo 1921 die "Teutonia" Staden gegründet worden war, zum jüdischen Schulhaus samt inzwischen zugeschütteter Mikwe im Kellergeschoss und zur ehemalige Synagoge.

Der Reichtum der Stadt Staden gründete auf dem ertragreichen Ackerbau. Höfe mit großen Zehntscheunen zur Lagerung der Ernten pflasterten den Weg, der vom Hofgut Schuldt an der alten Bürgermeisterei zur Rückseite des Pfarrhauses und vorbei an so manchem Winkelhof und der Schwemme für Fuhrwerke der damaligen Zeit abschließend in den Innenhof des Ysenburger Schlosses führte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare