Florstadts Ehrenbürger Friedel Münch wird posthum mit einer Straße gewürdigt, die seinen Namen tragen wird.
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Florstadts Ehrenbürger Friedel Münch wird posthum mit einer Straße gewürdigt, die seinen Namen tragen wird.

Im Gedenken an Friedel Münch

  • vonCathrin Lutz
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Florstadt (cat). Florstadt bekommt eine Friedel-Münch-Straße. Fast sieben Jahre nach dem Tod des Florstädter Ehrenbürgers wird ein Beschluss von 2002 der damaligen Gemeindevertretung umgesetzt. Nur einige hundert Meter von der ehemaligen Werkstatt des genialen Motorradkonstrukteurs entfernt wird ein Teilstück der Querstraße zwischen Kirchgasse (Karl-Weigand-Schule) und Altenstädter Straße umbenannt.

Brachliegendes Gebiet wird bebaut

Hintergrund ist die geplante Bebauung des seit Jahren brachliegenden Gebiets der »alten Zimmerei« mit vier Neubauten. In diesem unbebauten Bereich der Querstraße sind derzeit keine Hausnummern vergeben, eine Änderung aller Hausnummern von der Kirchgasse bis zum Sternbacher Weg würde viele Haushalte betreffen. Mit der Umbenennung werden also nach Ansicht des Magistrats zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Stadt würdigt das Schaffen und Wirken eines ihrer berühmtesten Söhne, und die Hausnummernvergabe in der Querstraße westlich der Altenstädter Straße kann unverändert bestehen bleiben.

Christiane Wehrum-Hötzel (CDU) hatte im Ortsbeirat gegen diesen Vorschlag votiert und sich stattdessen »An der alten Zimmerei« gewünscht, um den historischen Bezug zu erhalten. Sie hätte die Friedel-Münch-Straße lieber in einem Neubaugebiet gesehen. Bürgermeister Herbert Unger (SPD) mahnte an, dass Straßennamen mit historischem Bezug aber auch für Verwirrungen sorgen könnten und nannte als Beispiel »Am Schwimmbad« in Nieder-Mockstadt: Dort suchten Neubürger regelmäßig das Freibad. Das Parlament beschloss die Umbenennung des Teilstücks der Querstraße in Friedel-Münch-Straße schließlich einstimmig.

Erstes »Big Bike« kommt aus Florstadt

Mit der Friedel-Münch-Straße würdige die Stadt einen Menschen, der Florstadt in der Mitte der 1960er Jahre weltweit als »Epizentrum des Motorradbaus« berühmt gemacht habe. Mit diesen Worten leitete Lothar Hartmann die Zustimmung der SPD-Fraktion ein. Und fürwahr: Friedel Münch war ein genialer Tüftler mit bahnbrechenden und revolutionären Ideen, die im Bau seiner eigenen Motorrädern, weltweit bekannt als »Münch 4«, gipfelten. Zu einer Zeit, als bei Motorradherstellern auf der ganzen Welt Motoren mit maximal 500 oder 600 Kubikzentimetern zum Einsatz kamen, experimentierte Münch in seiner Werkstatt in der Altenstädter Straße (heute Heimat eines Ballett-Studios) mit dem 1000 ccm-Motor des NSU-Prinz, dem legendären Vorgänger des heutigen Audi TT. Münch hatte unbewusst das erste wahre »Big Bike« der Motorradgeschichte gebaut.

Bedingt durch das hohe Tempo und hohe Leistung des Triebwerks musste er Anpassungen vornehmen, die den Motorradbau revolutionierten: Er entwickelte die Gussfelge, da sich herkömmliche Speichenräder unter Volllast in Wohlgefallen auflösten. Das Antreten der Maschine war unmöglich, sodass Münch zum Vorreiter des elektrischen Anlassers bei Motorradmotoren wurde. Auch die Benzineinspritzung wurde dank Münch erstmals an einem Motorrad eingesetzt. Eine weitere Münch’sche Erfindung war die Duplex-Bremse, die bis zur Einführung der hydraulischen Bremsanlagen in den 1980er Jahren das Nonplusultra darstellte, sowie eine Wanne mit Ölbad zur Kühlung der Antriebskette.

Friedel Münch wurde am 6. Februar 1927 in Dorn-Assenheim geboren und starb nach einem bewegten Leben mit Höhen und Tiefen am 27. April 2014 in Altenstadt.

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