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In Florstadt stehen nun sechs Mitfahrerbänke

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Fast genau zwei Jahre ist es her, dass im Stadtparlament hitzig über einen Prüfauftrag zum Thema Mitfahrerbänke gestritten worden war. Nun sind sie da.

Damals wollte die SPD prüfen lassen, ob im Stadtteil Leidhecken eine solche Bank realisiert werden könne. Das Ziel war, "Ein Mehr an Miteinander und Gemeinsamkeit, ein Plus an gut funktionierender Nachbarschaft und ein Seit an Seit bei der Bewältigung von Alltagsnöten auf dem Dorf" zu schaffen. Gerade in Orten mit Infrastrukturmangel, die über keinen Einzelhandel oder medizinische Versorgung verfügen, müsse man andere Wege gehen.

In den vergangenen Wochen nun wurden sechs neu beschaffte, einheitliche und entsprechend beschriftete Bänke vom Bauhof im gesamten Stadtgebiet aufgestellt. Die fünf Ortsvorsteher, Bauhofleiter Jens Johannsen, Ordnungsamtsleiter Jörg Hebbe und Bürgermeister Herbert Unger nahmen die Mitfahrer-Bank in der Nähe des Florstädter Rat- und Bürgerhauses in Betrieb – stellvertretend für alle anderen Bänke.

5000 Euro Kosten

Nach Rücksprache mit den Behörden konnten weitere Standorte in Nieder-Florstadt am Messeplatz, in Leidhecken, Staden und Stammheim jeweils im Ortskern und in Nieder-Mockstadt im Gewerbegebiet realisiert werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 5000 Euro für die sechs Bänke samt Schilderständern und entsprechender Schilder mit den gewünschten Fahrtzielen. Bürgermeister Herbert Unger zeigte sich erfreut, dass die Maßnahme dank des Engagements von Ordnungsamtsleiters Hebbe und Bauhofleiter Johannsen deutlich günstiger abgeschlossen werden konnte als geplant: Im Haushalt standen 8000 Euro.

In der Praxis funktioniert es so: Der potenzielle Mitfahrer oder die Mitfahrerin wählen mit den Hinweisschildern ihr jeweiliges Wunschziel aus. Vorbeifahrende Autofahrer können dann entscheiden, ob sie ihre Mitbürger mitnehmen wollen, wenn ihr Fahrtziel identisch ist. Bürgermeister Unger sieht darin mehrere Vorteile. Zum einen seien die Bänke eine gute Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr, der in den einzelnen Stadtteilen unterschiedlich ausgeprägt sei. Sprich: Man muss nicht warten, bis der nächste Bus in die gewünschte Richtung fährt – denn das kann bisweilen dauern. Zum anderen bieten die Mitfahrerbänke vor allem älteren Mitbürgern, die selbst nicht (mehr) Auto fahren, mehr Freiheit und Flexibilität, ihren Alltag zu gestalten.

Vorreiter im Westkreis

Damit erklärt sich laut Unger auch die Tatsache, dass die Standorte in Nieder-Mockstadt oder Nieder-Florstadt beispielsweise so gewählt wurden, dass Arztpraxen, Apotheken, das Rat- und Bürgerhaus sowie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten ohne großen Aufwand besucht werden können. Grundsätzlich sei es nach wie vor oberstes Ziel, das Leben in allen Stadtteilen gleichermaßen attraktiv zu gestalten. Da die Kommune dies aber nur bedingt steuern könne, hoffe man, mit den Mitfahrerbänken zumindest die Erreichbarkeit lohnender Einrichtungen in anderen Stadtteilen zu verbessern.

"Die Bänke kann man natürlich auch einfach nur als Ruhebank in Anspruch nehmen, auch wenn das nicht der eigentliche Sinn und Zweck dieser innovativen Anschaffung ist", sagte Unger. Für den westlichen Wetter- aukreis nehme Florstadt damit übrigens eine Vorreiterrolle ein, denn der Verwaltung sei bislang lediglich die Existenz einer Mitfahrerbank in Ober-Hörgern bekannt.

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