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Wer die Regeln einhält, kann sich an der Nieder-Florstädter Sporthalle mit seinen Sprühdosen austoben.

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Farbenfroh und legal

  • vonStephan Lutz
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Florstadt (sl). Die »Hall of Fame« in Nieder-Florstadt für Graffiti-Sprayer ist offiziell freigegeben: Am Samstagnachmittag ist sie eingeweiht worden. Dabei handelt es sich um die Außenwand der Sporthalle, die unmittelbar an die Skater-Anlage grenzt und nun kleinen und großen Künstlern der Graffiti-Szene zur Verfügung steht. Zum Auftakt hat die Jugendpflege 4.

0, die in den Kommunen Echzell, Florstadt, Reichelsheim und Wölfersheim rege aktiv ist, begabte, aber gerne anonym bleibende Künstler aus der Umgebung zur freien Gestaltung eingeladen, die zur Einweihung stolz ihre Werke präsentieren. Immer wieder waren die Wände der Sporthalle mit Sprüchen, Mottos oder Zeichen »verziert« worden. Mit der Legalisierung des farbenfrohen Sprayens will die Stadt dieser Tendenz Einhalt gebieten. »Wir wollen keine Vandalen mit ihren derben Aussagen«, bringt es Bürgermeister Herbert Unger auf den Punkt. Er sei von Anfang an begeistert gewesen von der Idee, mit der Jugendpflege und Bauhof an ihn herangetreten waren. »Auf mehr als 110 Quadratmetern bieten wir somit Künstlern aus nah und fern eine Leinwand und sind gespannt auf die Werke und ihre Aussagen. Dass sich rassistische, sexistische und diskriminierende Bilder und Botschaften verbieten, dürfte jedem wohl einleuchten«, sagte Unger.

Farbenlehre und Sprühtechniken

Für die Jugendpflege betreut Daniela Stelz das Projek. Auch Dank eines Graffiti-Workshops mit den Streetart-Künstler »Flowy«, der bei den Jugendlichen sehr gut ankam. Hier lernten die Teilnehmer viel über Farbenlehre, die Handhabung der Sprühdosen, Sprühtechniken und über die Ausgestaltung eines Graffitis. Daraufhin entstand die erste »Hall of Fame« der Jugendpflege auf diese Weise im Innenhof des Jugendclubs Reichelsheim.

Seit geraumer Zeit mit von der Partie ist auch Anke Löffel, die in der Kita »Sonnenschein« im Stadtteil Stammheim angestellt ist. Die Erzieherin kam über ihre kleinen Brüder in die Sprayer-Szene und unterstützt das Projekt der Jugendpflege von ganzen Herzen. Sie berät beim Einkauf der Spraydosen und kontrolliert die »Hall of Fame« regelmäßig auf ungewollte Kommentare. »Dann geh ich sofort mit Farbe drüber«, sagt die Büdingerin, die voll in ihrem Hobby aufgeht.

Daniela Stelz hofft, mit dem Respekt vor der künstlerischen Gestaltung auch Vandalen abzuschrecken. Laut Ehrenkodex der Sprayer bleibt ein Graffiti mindestens zwei Wochen unangetastet, danach darf es übersprayt werden.

Für Bürgermeister Unger ist das ganze Projekt eine Win-win-Situation, wie er sagt: »Zum einen wird jungen interessierten Menschen die Möglichkeit gegeben, ihr künstlerisches Engagement legal auszuleben und so coronakonform einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Zum anderen erhoffen wir uns, dass die angefertigten Kunstwerke - wie in der Sprayer-Szene üblich - mehr Respekt erfahren als die ehemals weiße Wand der Sporthalle, die bereits vorher durch eher unbegabte ›Künstler‹ verunstaltet wurde.«

Die Arbeit der Jugendpflege 4.0 ist in Zeiten der Pandemie entsprechend angepasst. Von den vier Mitarbeitern/innen sind zwei in Kitas und zwei fahren mit Ehrenamtlichen Impftaxi. Zurzeit läuft eine Jugendstudie, in deren Rahmen Themen bei Kindern und Jugendlichen in den vier Kommunen abgefragt werden, die von der Diplom-Psychologin aus den eigenen Reihen ausgewertet wird. Im Homeoffice werden digitale Jugendräume zum Quatschen oder Spielen angeboten. »Ein leider rückläufiges Angebot, weil die Kids Video-Chats echt satthaben«, sagt Daniela Stelz von der Jugendpflege.

Besonders engagiert habe man sich im letzten Jahr mit Videobotschaften für die Pflegeheime. Da haben Kinder und die Bürgermeister/innen Bilder gemalt, Briefe geschrieben, Geschichten erzählt oder die Haustiere vorgestellt. Stolz ist man zudem auf die Oster-Ferienspiele, die entweder online oder auf Distanz stattfanden. Eine Schatzsuche, ein Bilderbuchkino, Windspiele basteln, eine 100-Aufgaben-Challenge oder ein Upcycling-Workshop sind nur einige der insgesamt 22 Angebote. sl

Jugendpflegerin Daniela Stelz (l.) und Erzieherin Anke Löffel betreuen das Graffiti-Projekt rund um die »Hall of Fame« (Ruhmeshalle) an der Sporthalle Nieder-Florstadt. Bürgermeister Herbert Unger zeigt sich begeistert von dem Projekt und der Realisierung.

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