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77 000 Euro vor Gläubigern auf anderem Konto versteckt

Florstadt/Friedberg (sda). Er hatte einen Riesenberg Schulden, wollte aber trotzdem seine Firma weiter betreiben. Deswegen leitete ein 51-jähriger Florstädter kurzerhand seine Rechnungseingänge auf ein anderes Konto um und entging so für zehn Monate den Pfändungen seiner Gläubiger. Jetzt musste saß er vor dem Richter.

Am Montag musste sich der Mann wegen Vereitelung der Zwangsvollstreckung vor dem Friedberger Amtsgericht verantworten. Richter Dr. Stüber verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung.

Laut Anklage hatte der Florstädter im Juli vergangenen Jahres rund 100 000 Euro Schulden – eine beträchtliche Menge war an das Finanzamt zu zahlen. Doch der 51-Jährige scheute die Abgaben, ignorierte die Forderungen und betrieb seine Firma weiter. Den Kunden nannte er eine andere Bankverbindung. 76 Rechnungsbeträge flossen auf das neue, den Gläubigern nicht bekannte Konto. In einem Zeitraum von zehn Monaten nahm er auf diesem Weg insgesamt rund 77 000 Euro ein – Geld, das eigentlich seinen Gläubigern zustand.

"Ein Fehler", wie der Mann vor Gericht einräumte. Inzwischen steht er ohne Firma da und übt eine geringfügige Beschäftigung aus – das genaue Gegenteil seiner Motivation. "Ich wollte nur meinen Betrieb erhalten." Mit Steuerangelegenheiten sei er schon immer überfordert gewesen, habe sich stets auf seine Mutter verlassen, die für die Buchhaltung zuständig gewesen sei. Doch dann, berichtete der Florstädter, habe die Mutter all das nicht mehr geschafft.

Die Folge: Briefe vom Finanzamt mit der Bitte, die Steuererklärung abzuliefern, hätten sich gehäuft. Weil er diesen Forderungen nicht nachgekommen sei, hätten die Steuereintreiber geschätzt – zu seinem Nachteil. "Ich habe mich mit solchen Dingen nie beschäftigt." Er sei immer nur für die eigentliche Arbeit zuständig gewesen. Und genau das habe er auch weiterhin machen wollen, weshalb er kurzerhand die Angaben zur Bankverbindung auf seinem Briefkopf geändert habe – künftige Einnahmen landeten nun auf dem Konto seiner Mutter.

Sein Plan: Durch große Aufträge die Schulden eines Tages zu begleichen. "Ich wollte niemanden hintergehen", betonte der Florstädter vor Gericht. Auch habe er nie daran gedacht, sich selbst zu bereichern. Das eingenommene Geld sei daher auch weiterhin in den Betrieb geflossen – für Anschaffungen und Materialkosten, wie sein Verteidiger Christian Scheuermann anhand einer Kontenaufstellung belegte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft würdigte das Geständnis des Angeklagten, ermahnte ihn jedoch wegen der Vielzahl der Taten. Er forderte eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung. Verteidiger Christian Scheuermann sprach sich für ein milderes Urteil aus: Acht Monate verlangte er. Richter Dr. Stüber schloss sich dieser Forderung an; die achtmonatige Freiheitsstrafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Zudem muss der bisher nicht vorbestrafte Florstädter 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der Richter lobte die Kooperationsbereitschaft des Mannes und bewertete die Motivation des Angeklagten abmildernd.

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