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"etimark"-Geschäftsführer Jörg Gottlieb (l.) erklärt Bürgermeister Herbert Unger, was die Maschine alles kann: Etiketten in allen möglichen Größen drucken, die im Lebensmitteleinzelhandel, bei Pharmazulieferern oder im Maschinenbau zum Einsatz kommen.

Es bappt!

"etimark" produziert 35 Millionen Etiketten im Monat

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Rund 300 000 Quadratmeter Papier hat die Nieder-Mockstädter Firma "etimark" gerade auf Lager. Daraus lassen sich knapp 35 Millionen Etiketten herstellen - das reicht für einen Monat.

Die wichtigste Information beim Einkauf ist erst einmal nicht der Preis, sondern: der Inhalt der Verpackung. Ist es Brombeer- oder Heidelbeermarmelade? Süßer oder scharfer Senf? Schweine- oder Rindfleisch? Auskunft geben die Etiketten auf den Produkten. Hergestellt werden sie auch in Nieder-Mockstadt, von der "etimark" GmbH & Co. KG.

Die Firma hat zurzeit rund 300 000 Quadratmeter Papier auf Lager. Aus dieser Rohware lassen sich knapp 35 Millionen Etiketten herstellen. "Das reicht ungefähr für einen Monat", erklärt Michael Unger. Der Betriebsleiter führt gerade eine Gruppe durch die Produktionshalle, wo drei Maschinen im Zwei-Schicht-Betrieb laufen. Zum Kundentag sind zahlreiche Geschäftspartner gekommen - diesmal nach Nieder-Mockstadt, nicht mehr nach Bad Nauheim.

In der Kurstadt war das Unternehmen von 1980 bis April dieses Jahres ansässig. "Wir hatten erwogen, dort auszubauen", berichtet Geschäftsführer Jörg Gottlieb. Eine Erweiterung am damaligen Standort "An der Birkenkaute" sei aber wegen der benachbarten Schule, des Kindergartens und des Fitnessstudios schwierig zu realisieren gewesen, vor allem die Betriebszufahrt.

Mit der Entscheidung, ins Nieder-Mockstädter Gewerbegebiet umzuziehen, ist Gottlieb sichtlich zufrieden. Ihm sei wichtig gewesen, möglichst keinen seiner 60 Mitarbeiter zu verlieren. Die Nähe zur Autobahn spreche für den Florstädter Stadtteil. Auch "die wirtschaftsnahe Stadtverwaltung" lobt der Geschäftsführer: "Wir waren willkommen."

Mehr Umsatz, mehr Arbeitsplätze

Als Gottlieb den Florstädter Bürgermeister daraufhin mit einem Zwinkern auf dessen Parteizugehörigkeit anspricht, sagt Herbert Unger: "Sozialdemokratisch handeln kann ich nur dann, wenn Geld da ist. Deshalb bin ich kein Feind des Unternehmers. Im Gegenteil: Wir sitzen in einem Boot; sowohl Politik als auch Wirtschaft tragen gesamtgesellschaftliche Verantwortung."

Bei der Ansiedlung von "etimark" auf dem Gelände gegenüber von McDonald’s, dort, wo früher die Softwarefirma COS Memory AG saß, habe er eine vermittelnde Funktion übernommen, sagt Unger. "Wirtschaftsförderung ist Chefsache in Florstadt. Wenn ich etwas nicht mag, dann sind es Leerstände."

Die Gefahr besteht "In der Grobach" nicht. Nur noch ein Gelände, direkt neben "etimark", ist in dem Gewerbegebiet nahe der A45 frei. "Und das wird gerade entwickelt. Wir wollen mehrere kleinere Unternehmen ansiedeln", berichtet Unger. Pläne, um das Gewerbegebiet zu erweitern, würden deshalb schon intensiv verfolgt.

Der Bedarf von "etimark" ist am neuen Standort mit 2500 Quadratmetern Nutzfläche erst einmal gedeckt. Der Vermieter sei sehr flexibel, betont Gottlieb. Nicht nur Umbauten seien problemlos möglich gewesen. Durch die Erweiterung des Grundstücks konnte die Firma zudem eine Halle mit 800 Quadratmetern Produktionsfläche anbauen. "Durch diese Investition haben wir deutlich mehr Kapazitäten", sagt Gottlieb. Deshalb arbeite man derzeit an neuen Aufträgen, die dann nicht nur mehr Umsatz, sondern auch neue Arbeitsplätze bringen sollen.

Zu 100 Prozent recyceltes Material

Das Unternehmen, das nicht nur Etiketten druckt, sondern auch Industriedrucker repariert und Maschinenschilder aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff herstellt, setze auf Nachhaltigkeit, sagt Gottlieb. Die Schwesterfirma Schäfer ist gerade mit dem Deutschen Verpackungspreis ausgezeichnet worden: für die weltweit ersten Etiketten aus 100 Prozent recyceltem Material. Wie das aussieht, können sich die Kunden an diesem Tag selbst anschauen: In einer Dose ist Wildblumen-Saat verpackt; die grüne, selbstklebende Polyethylen-Folie rundherum besteht aus Industrie- und Verbraucherabfällen, unter anderem aus Kunststoff-Milchflaschen. Die Etiketten können mit den üblichen Verfahren - Sieb-, Flexo-, Offset- und Digitaldruck sowie Heißfolienprägung - bedruckt werden und kommen zum Beispiel schon in der Auto- und in der Pharmaindustrie zum Einsatz, ist zu erfahren.

Wie die Saat soll auch das Unternehmen gedeihen, dürfte Gottliebs Wunsch sein. Dafür braucht es Nachwuchskräfte: Zwei Azubis zum Industriekaufmann arbeiten in der Firma mit. Auch zur Fachinformatikerin für Anwendungsentwicklung und zum Maschinen- und Anlagenführer bildet "etimark" aus - eigentlich. Dafür gab es diesmal aber keine geeigneten Bewerber. Vielleicht findet sich ja nächstes Jahr jemand aus Florstadt.

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