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Ein berühmter Pfarrer

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Von: Cathrin Lutz

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Peter Müller war Pfarrer, Lehrer und Komponist. © Cathrin Lutz

Florstadt-Stammheim (cat). Dem Arbeitskreis Dorfgeschichte Stammheim unter Leitung von Rolf Lutz ist es gelungen, das Leben und Wirken des früheren Stammheimer und Stadener Pfarrers Peter Müller zu erkunden. Müller war nicht nur Pfarrer und Lehrer, er war auch Gründer zahlreicher Gesangvereine in der Wetterau und komponierte für das Orgelspiel und den Gesangsunterricht in den öffentlichen Schulen viele Lieder.

»Ein so berühmter Pfarrer«, sagt Lutz, »sollte nicht in Vergessenheit geraten.«

Zwei Opern und zahlreiche Lieder

Nachdem über einen Urenkel ein Teil des Nachlasses in den Besitz des Arbeitskreises gelangt war, setzte man sich mit Müllers Persönlichkeit auseinander und fand zahlreiche Besonderheiten heraus.

Das Ergebnis dieser Recherchen wurde in einer Broschüre zusammengefasst. Teile des musikalischen Werks des Komponisten Peter Müller werden am Samstag, 21. Mai, ab 18 Uhr in der Stammheimer Kirche aufgeführt. Dazu konnte Organist Christoph Brückner gewonnen werden, der Kompositionen von Müller auf der alten, von Johann-Friedrich Syer im Jahr 1751 erbauten Orgel zu Gehör bringen wird. Es wird angenommen, dass einige Werke von Peter Müller hier entstanden sind. Im ersten Teil des Konzerts wird Brückner Melodien von Peter Müller präsentieren; im zweiten Teil setzt er auf Werke von Mozart, Mendelssohn, Chopin und Schumann.

Peter Müller wurde 1791 in Kesselstadt bei Hanau geboren, studierte in Gießen und Heidelberg und wurde 1817 zum Leiter des Lehrerseminars in Friedberg berufen. Hier bildete er angehende Lehrer und Organisten aus. 1839 übernahm er das Pfarramt in den Kirchengemeinden Staden und Stammheim. Dort setzte er im Wesentlichen seine Arbeiten als Komponist und Literat bis 1871 fort. Dann zog er zu seiner Tochter in Langen bei Darmstadt und starb 1877 nach einem erfüllten Leben. Nach seinem Tod wurden ihm zwei besondere Ehrungen zuteil: In Friedberg bauten ihm seine Schüler 1889 in der Burg ein Denkmal, und die Stadt Langen benannte eine Straße nach ihm.

In Stammheim und Staden geriet der berühmte Pfarrer in Vergessenheit, ehe der Arbeitskreis Dorfgeschichte seinen Nachlass zum Anlass nahm, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Müller komponierte auch für das Gesangbuch des Großherzogtums zahlreiche Lieder, die aber in den modernen Ausgaben nicht mehr zu finden sind.

Von den zahlreichen Volksliedern gehört heute noch das Lied »Heimweh« zum Repertoire einiger Gesangvereine. Das von Müller komponierte Lied »Berglied« wurde Ende des 19. Jahrhunderts gern von Turnern bei Turnfesten gesungen. Sein Turnfreund Fresenius aus Gießen hatte den Text dazu geliefert.

Im Nachlass werden über 100 Kompositionen für die Orgel und für Lieder an allgemeinbildenden Volksschulen aufgeführt. Am bedeutsamsten sind die Opern »Claudine von Bella« nach einem Text von Johann Wolfgang von Goethe sowie »Die letzten Tage von Pompeji«.

Denkmal im Krieg abgerissen

Das von seinen Schülern vom Lehrerseminar gestiftete und 1889 in der Friedberger Burg gebaute Denkmal wurde 1941 abgerissen. Das Metall wurde zu Kriegszwecken benötigt. Dennoch geriet Peter Müller nicht in Vergessenheit: Die Stadt Friedberg ließ nach dem Krieg eine Plakette an das Haus seines Wirkens anbringen.

In Staden und Stammheim erinnert unterdessen wenig an den berühmten Pfarrer und Komponisten. »In der Kirchenchronik hat Peter Müller nur Nebensächliches festgehalten«, bedauert Lutz.

Gewürdigt wurde das Müller’sche Wirken bereits 1984 in dieser Zeitung: »Es wird höchste Zeit, eines Wetterauer Mannes zu gedenken, der im vorigen Jahrhundert dem Wetterauer Musikleben bedeutende Impulse gab.« In dieser Tradition fühlen sich die Kirchengemeinden Staden und Stammheim sowie der Arbeitskreis Dorfgeschichte verpflichtet, mit dem Orgelkonzert an das Leben und Wirken von Peter Müller zu erinnern.

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An der 1751 erbauten Orgel in der Stammheimer Kirche sollen einige Werke von Peter Müller entstanden sein. © Cathrin Lutz

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