Ein Feuerwehrauto steht nachts in einer Straße, im Hintergrund ein qualmendes Haus.
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Gleich an drei Stellen im Haus legt der 37-Jährige im Juli 2020 Feuer. (Archivfoto)

Gerichtsprozess

Wetteraukreis: Mann legt im eigenen Haus Feuer – weil die Zwangsversteigerung droht

  • VonJürgen W. Niehoff
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Ein Wetterauer zündet das eigene Haus an, weil die Zwangsversteigerung droht. Sinnlos, wie der Staatsanwalt erklärt: Die Bankschulden verschwinden nämlich nicht mit dem Haus.

Florstadt – Mit einem blauen Auge ist ein 37-Jähriger aus Florstadt davongekommen, der im Juli 2020 sein Haus unter Drogen- und Alkoholeinfluss angezündet hatte und dann mit dem Auto davongefahren war. Das Schöffengericht in Friedberg verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe und Führerscheinentzug.

Die ausschlaggebende Frage für das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Markus Bange lautete: War die Steuerungsfähigkeit bei dem Angeklagten trotz eines Alkoholpegels von über zwei Promille und einem hohen Genuss von Amphetaminen in der Tatnacht noch gegeben, oder hatte ihn der Cocktail aus Alkohol und Drogen außer Gefecht gesetzt?

Wetteraukreis: An drei Stellen im Haus Feuer gelegt

Der zweifache Familienvater hatte eines Nachts sein Haus an drei verschiedenen Stellen angezündet, war wenig später noch einmal kurz zurückgekehrt und dann mit dem Auto davongefahren. »In dieser Nacht ist einfach alles zusammengekommen.« Das Haus drohte wegen hoher Schulden zwangsversteigert zu werden. Zudem habe er Streit mit seinem Vater wegen der Kinder und später auch noch mit seiner Freundin bekommen. »Ich konnte einfach nicht mehr«, sagte der Mann. Wie eine große Woge seien seine Probleme in dieser Nacht auf ihn eingestürzt.

In seiner Verzweiflung habe er größere Mengen Alkohol - eine Flasche Jägermeister beispielsweise in einem Zug - und Amphetamine zu sich genommen. »Ich habe mein Haus angesteckt, aber ich weiß nicht mehr, wie und an welchen Stellen«, gestand er »Ich wollte mich nicht umbringen, als ich das brennende Haus noch einmal betreten habe. Ich weiß nicht, was ich darin noch wollte.« Das Haus sei auf jeden Fall leer gewesen - weder Freundin noch Kinder seien dort gewesen.

Hausbrand in der Wetterau: Staatsanwalt zeigt sich milde

Für den Sachverständigen Dr. Phillip Grant gab es nach der Untersuchung des Angeklagten keine Zweifel: Dieser sei weder alkohol- noch drogenabhängig gewesen, sondern er habe beides nur sporadisch und in Maßen konsumiert. Damit sei er zwar schuldfähig, jedoch war nach Ansicht des Psychologie-Professors die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit sehr beeinträchtigt. Er sprach sich deshalb für eine deutliche Strafminderung aus.

Auch Staatsanwalt Alexander Hahn zeigt sich milde gestimmt: »Wenn das Nachbarhaus nicht so dicht an Ihrem gestanden hätte, wären Sie wegen der Brandstiftung sogar straffrei geblieben, da jeder mit seinem Eigentum machen kann, was er will.« Schaden hatte das Nachbarhaus durch das Feuer nicht genommen.

Brandstifter aus der Wetterau mit 90.000 Euro Schulden

Die Tat sei völlig sinnlos gewesen, fuhr der Staatsanwalt fort, da die Bankschulden auf dem Haus durch den Brand ja nicht verschwunden seien. Hahn beschränkte seine Anklage auf den Umstand, dass sich der 37-Jährige in einen Rauschzustand versetzt habe, in dem er eine Straftat, nämlich versuchte schwere Brandstiftung hinsichtlich des Nachbarhauses, beging und ein Fahrzeug in alkoholisiertem Zustand und unter Drogeneinfluss führte. Er forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro. Diese sollte auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden.

Dem schloss sich der Verteidiger an. »Der Angeklagte hat nach dem Verkauf des Grundstücks immer noch rund 90 000 Euro Schulden«, bat Anwalt Henner Maass um Milde.

Hausbrand in der Wetterau: Schöffengericht geht über Forderung des Staatsanwaltes

Doch das Schöffengericht bewertete das Handeln des Angeklagten anders. Seiner Ansicht nach war die Steuerungsfähigkeit des Mannes trotz Drogen und Alkohol gegeben, denn an diese Suchtmittel gewöhnten sich die Konsumenten mit der Zeit. Der Gewöhnungseffekt führe dazu, dass die Betreffenden sehr wohl wüssten, was sie täten. Ihre Steuerungsfähigkeit sei deshalb dadurch allenfalls beeinträchtigt.

»Der Angeklagte hat sein Haus ja nicht ohne Grund angezündet, sondern weil er damit seine Probleme lösen wollte«, sagte Richter Dr. Bange. Er verurteilte den Angeklagten wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einem Jahr Gefängnis, allerdings mit einer dreijährigen Bewährungsdauer. Hinzukommen ein Führerscheinentzug von sechs Monaten und ein mehrjähriges Drogenscreening im Abstand von je drei Monaten.

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