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Weil er keine Arbeitserlaubnis für die USA hat, fährt er Essen für Senioren aus.

Hollywood

Die Liebe eines Florstädters zum Film

Seit er als kleiner Junge mit seinem Vater in den Bavaria-Filmstudios war, gab es für Sascha Wolf nur einen Berufswunsch: Schauspieler. Nach einem Gastspiel in Hollywood ist der Florstädter zurück.

Ich weiß nicht, ob wir uns aussuchen können, was wir lieben und was nicht. Aber ich weiß, dass wir die Wahl haben, die Dinge, die wir lieben, zu tun«, ist Sascha Wolf überzeugt. Seine Liebe gilt dem Film, vor und hinter der Kamera. Bis der 29-Jährige sich das eingestand, dauerte es aber eine Weile.

Aufgewachsen in Florstadt, Fachabitur in Nidda, kein passendes Studium gefunden, dafür ein Praktikum gemacht, das aber nicht zur Ausbildung führte - Wolf war lange auf der Suche. Als er Koffer ersteigerte, in der Hoffnung, den Inhalt mit Gewinn zu verkaufen, entdeckte ihn ein Kamerateam. Der Wendepunkt: Wolf hatte seinen Platz gefunden.

2017 stand er für die ZDF-Krimiserie »Friesland« vor der Kamera. Es folgten Stationen in Köln, Australien, London, Altenstadt und Berlin.

Mit wenigen Dollar in der Tasche

Im Juni 2019 beschloss Wolf, in Hollywood sein Glück zu suchen. Er war bei Filmpremieren, lernte Stars wie Chris Hemsworth kennen und hielt sich ohne Arbeitserlaubnis über Wasser. Er lebte fuhr etwa Essen für Senioren aus, die wegen Corona zu Hause blieben. So kam er an manchen Tagen mit nur fünf Dollar über die Runden.

Als er das Chinese Theatre gegenüber des »Walk of Fame« erblickte, sagte er zu einem Freund: »Hier wird mein erster eigener Film laufen.« Der Freund lachte, doch genauso kam es: Dort, wo einst »Once Upon A Time in Hollywood« von Quentin Tarantino seine Premiere feierte, wurde 2020 Wolfs erster eigener Kurzfilm »The Secret of PodShare« beim Golden State Film Festival gezeigt. Eine Anekdote, die vor allem zeigt, dass Wolf seinen Traum lebt. Und er nicht auf Menschen hört, die ihm raten, einem »bodenständigen« Beruf nachzugehen.

Der Kurzfilm war längst nicht alles, was er in Los Angeles auf die Beine gestellt hat. Der vor Kreativität nur so überschäumende junge Mann plante, ein Filmfestival auf die Beine zu stellen, und er spielte in einem Musikvideo der Metal-Band »Devildriver« mit.

Außerdem schrieb er das Drehbuch zu »Global Money Maker’z« - laut Wolf eine Mischung aus »The Wolf of Wall Street« mit Leonardo Di Caprio und der Serie »How I Met Your Mother«. 2500 Schauspieler hätten sich auf die Casting-Ausschreibung beworben. Dazu sollte es nicht kommen: Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Anstatt sich der Wehmut hinzugeben, brachte sich Wolf das Klavierspielen bei, knüpfte weitere Kontakte in die Branche und bemühte sich um eine Arbeitserlaubnis. Weil diese ihm verwehrt blieb und er Familie und Freunde in Deutschland wiedersehen wollte, kam er im September 2020 zurück.

»Ich habe erkannt, dass ich überall glücklich sein kann, nicht nur in Hollywood«, sagt Wolf. Er machte sich schnell wieder an neue Projekte, bekam zum Beispiel Rollen im WDR-Spielfim »Goldjungs« und in der Krimiserie »K11«.

Außerdem drehte er »Traces«, ein Kurzfilm, der von einem bösen Wesen handelt und im Florstädter Wald entstand. Das Werk wurde beim Alternative Film Festival in Kanada in den Kategorien »Best Horror« und »Best Acting« nominiert. Letzteren Titel hat Wolfs Hauptdarsteller gewonnen - Damon Kress aus Nieder-Mockstadt.

Zwischenzeitlich warf eine Corona-Infektion Wolf zurück; eine Rolle in der ZDF-Serie »Ein starkes Team« habe er deshalb verloren. Er raffte sich schnell wieder auf und bildete sich in Schauspieltechnik weiter. Außerdem, erzählt er, habe er einen Anruf aus Los Angeles erhalten: Eine indische Regisseurin interessiere sich für eines seiner Drehbücher.

Momentan lebt der 29-Jährige in Berlin. Er will in deutschen Produktionen mitwirken und seine Drehbücher bekanntmachen. Um eine Arbeitserlaubnis für die USA bemüht er sich weiterhin. »Aber mein Fokus liegt zurzeit mehr auf dem Film als auf einem bestimmten Ort.«

Die Arbeit für die Produktion »Global Money Maker’z« will er wieder aufnehmen, und er arbeitet an einem Kinderkurzfilm mit dem Titel »How To Fulfill Wishes« - auf deutsch; Wie man Wünsche erfüllt. Denn auch das ist eins seiner Anliegen: andere Menschen zu ermutigen, stets an sich zu glauben.

Traumfabrik

Hollywood, englisch für Stechpalmenwald, ist ein Stadtteil von Los Angeles im US-Staat Kalifornien mit rund 150 000 Einwohnern. Weltbekannt wurde Hollywood als Zentrum der amerikanischen Filmindustrie, weshalb der Name oft auch stellvertretend für die gesamte US-Filmbranche steht. Deren Mythos führte zur Entstehung gebräuchlicher Synonyme wie Traumfabrik oder Tinseltown (von englisch »tinsel« für Glitzerschmuck).

Sascha Wolf im Chinese Theatre in Los Angeles, wo sein Kurzfilm »The Secret of PodShare« gezeigt wird.

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