Das gelbe Band heißt: Das Obst darf von allen gepflückt werden. In Florstadt wird es dies aber nicht geben. FOTO: DPA
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Das gelbe Band heißt: Das Obst darf von allen gepflückt werden. In Florstadt wird es dies aber nicht geben. FOTO: DPA

Breite Mehrheit gegen gelbes Band

  • vonOliver Potengowski
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Florstadt(sax). Mit einer Vielzahl von Argumenten haben sich SPD und CDU in der jüngsten Parlamentssitzung gegen einen Antrag der Grünen ausgesprochen. Diese hatten vermeiden wollen, dass Obst ungenutzt unter den Bäumen verfault. Dazu sollten Bäume, deren Besitzer es Fremden erlaubt, das Obst zu pflücken, mit gelben Bändern markiert werden. Die Gegner befürchten hingegen, dass die Bänder zum Obstdiebstahl von eigentlich nicht markierten Bäumen führen könnten.

Die Idee, Bäume zum Pflücken freizugeben und mit Bändern zu markieren, ist keine Idee der Grünen. Fraktionsvorsitzende Gudrun Neher erläuterte, dass die Initiative in Oldenburg entstanden und vor allem in Süddeutschland verbreitet sei. Auch in der hiesigen Region gebe es Beispiele. Damit könne zum einen verhindert werden, dass Obst - und damit ein Lebensmittel - ungenutzt unter den Bäumen verfault. Zum anderen könnten Bürger sich regional versorgen, statt oft über weite Strecken transportiertes Obst im Supermarkt zu kaufen.

Nach der Scheidung Baum gefällt

Die Grünen hatten bei ihrem Vorschlag offenbar auch die Nieder-Florstädter Hochzeitswiese im Blick, auf der in den vergangenen Jahrzehnten Brautpaare viele Obstbäume gepflanzt haben. Tatsächlich nutzen nur noch 15 Paare ihre einst gepflanzten Bäume, wie Bürgermeister Herbert Unger auf eine entsprechende Anfrage antwortete. Andere Paare seien sogar so konsequent gewesen und hätten ihren Baum nach einer Scheidung gefällt.

Weil die Stadt wegen des später fehlenden Interesses vieler Paare einen hohen Pflegeaufwand habe, würden keine Bäume mehr auf der Hochzeitswiese gepflanzt. Dass die Stadt die rund 750 städtischen Obstbäume mit gelben Bändern markiert, hält Unger wegen des Aufwands für nicht vertretbar. "Wenn man den Haushalt ablehnt, den Stellenplan ablehnt, wer soll’s dann machen?", warf er den Grünen ihre Kritik an der Finanzplanung für 2021 vor. Er habe das Konzept der gelben Bänder, das es auch in Nidda gebe, geprüft. "Wenn es für uns in Florstadt etwas gewesen wäre, hätte ich es schon gemacht."

Hans-Peter Lang (SPD) räumte ein, dass die Idee auf den ersten Blick sinnvoll erscheine, warnte aber vor der kriminellen Energie, die dadurch freigesetzt werden könne. "Derjenige, der zu dem gelben Band geht, der geht vielleicht auch auf die Nebenwiese an den gepflegten Baum", befürchtet er. Es sei auch nicht auszuschließen, dass das gelbe Band missbraucht werde und zum Beispiel vom eigentlich markierten Baum auf andere Bäume umgesetzt werde.

"Den Mundraub gibt es seit 1975 nicht mehr", sprach er einen verbreiteten Rechtsirrtum an. Dagegen sei Diebstahl zum Teil in großem Stil schon jetzt ein Problem für die Obstbauern, wie er mit Verweis auf entsprechende Berichte in dieser Zeitung sagte.

Lang wies ebenfalls darauf hin, dass, um die Bäume auf der Hochzeitswiese zu markieren, zuvor alle Paare gefragt werden müssten. Das sei ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Den sieht auch Christel Schmidt (CDU) insbesondere für das anschließende Markieren der Bäume. Sie befürchtet aber auch weitere Gefahren. "Wenn einer beim Äpfelpflücken runterfällt, wer ist denn da haftbar?", fragte sie.

Gerhard Salz (Grüne) wunderte sich über die "kriminelle Energie, die Sie unserer Bevölkerung zutrauen". Dabei habe der Förster zuvor berichtet, dass es kaum Holzdiebstähle aus dem Wald gebe. Der Verwaltungsaufwand durch den Antrag sei keineswegs so groß. Denn der Magistrat solle nur prüfen, ob die Idee für die Hochzeitswiese umsetzbar sei. Ansonsten übernehme die Stadt nur die Werbung für die Aktion und das Verteilen der Bänder, von denen 750 Stück 30 Euro kosten. "Dieser Idee verweigern Sie sich", warf er den beiden anderen Fraktionen vor, die geschlossen gegen den Antrag stimmten. Die Kelterei in Rodenbach habe "viel zu wenig Äpfel, und auf den Wiesen verfaulen sie".

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